Gemeindeblatt aktuell

 

Das Leben hinterm Holzhaufen
Zwei oder drei Mal in der Woche lädt Eugen Völlm

Eugen Völlm (84): „Mir ist klar geworden, welche Verantwortung ich allein durch mein Dasein habe“

weiter lesen

Persönlich gemeint
M. Ernst Wahl

Singen Sie mit!

weiter lesen

Meinungsumfrage

Die Landeskirche hat 2012 das Jahr des Gottesdienstes ausgerufen. Haben Sie vor Ort etwas davon bemerkt?
Ja.
Nein.

Kurioses aus Kirche und Internet Frisch Fromm Frei präsentiert interessante, aber auch skurrile christliche Internetangebote und Nachrichten – wenn auch "anders verpackt". Die "frischen vier Minuten" sind eine Kooperation des Evangelischen Medienhaus und der Evangelische Gemeindepresse GmbH in Stuttgart.

Abspielen

Diakonie Mutmachbuch

Gebet

Mein Gott,

oft scheint es mir, als gäbe es in meinem Leben nur noch Dunkelheit und Aussichtslosigkeit.

Ich weiß nicht, wie ich die Zukunft bestehen soll, was mich erwarten wird.

Mein Gott,

eigentlich sollte ich Vertrauen zu Dir haben, doch es fällt mir oft wirklich schwer, ich kann Deine Wege einfach nicht verstehen.

Mein Gott,

bitte lass mich Deiner unendlich großen Liebe gewiss werden, lass mich Deine wunderschöne Nähe spüren und meine Gedanken heller werden.

 

Unter Hochspannung

Es war die Zeit um den 22. August 1989, als das Ehepaar Schwinn zu Besuch bei Freunden in der ehemaligen DDR weilte. Die vorhergehenden Besuche in der Patengemeinde ihrer örtlichen

Kirchengemeinde waren immer etwas Aufregendes gewesen. Doch jene Tage waren besonders spannungsgeladen angesichts dessen, was sich da politisch anbahnte. In Budapest und Prag stürmten DDR-Urlauber Deutsche Botschaften und erbaten Hilfe, um in die Bundes Republik Deutschland

einreisen zu können.

Die evangelische Kirchengemeinde von Kirchberg ist seit Mitte der Fünfziger Jahre die Patengemeinde der ev. Kirchengemeinde Niedersynderstedt bei Weimar. Die Anspannung bei den

Bewohnern des Ortes stieg von Tag zu Tag. „Was wird passieren? Wie reagiert die DDR-Regierung unter Erich Honecker auf die Ereignisse dort in Budapest und Prag?“ Das waren nur zwei von vielen

Fragen, die sich die DDR-Bürger stellten. Auch das Ehepaar Schwinn war nicht unbesorgt angesichts dieser Geschehnisse. Sie fragten sich: „Wird man die Grenze zur BRD offen halten, damit wir wieder ausreisen können?“

Dass der DDR-Staat am Ende war, spürten die Menschen schon lange. Schwinns merkten das auch bei verschiedenen Situationen. Bei der Anmeldung auf dem Bezirksamt in Weimar hatte der Beamte

kein Blatt Papier mehr gehabt, um eine ordnungsgemäße Anmeldung vorzunehmen. Er musste ein gebrauchtes Kuvert auf der Rückseite beschreiben. Herrn Schwinn rutschte da der Satz heraus: 

„Wenn wir das nächste Mal kommen, bringen wir das Papier gleich mit.“

Bei einem Stadtbummel in Erfurt kamen sie mit ihren Freunden auch zur Krämerbrücke; dort wurde ein großes, altes Gebäude restauriert. Hoch oben vom dritten Stock schauten einige Arbeiter auf die Fußgänger auf der Krämerbrücke herunter. Von unten rief jemand in scherzhaftem Ton hoch zu den Arbeitern: „Nicht spazieren schauen, ihr sollt arbeiten.“ Die antworteten darauf: „Würden wir schon, haben aber keinen Mörtel!“ So ein Bild bot sich vielfach in diesem maroden Staat. Viele Bürger der ehemaligen DDR erkannten dies auch. In einem Cafe in Jena kam eine jüngere Frau an den Tisch von Schwinns und ihren Freunden, die ließ kein gutes Haar mehr an ihrem Staat.

Schwinns hatten ein ungutes Gefühl und Angst um diese Frau, die ihrem Unmut über den kaputten Staat freien Lauf ließ. Eine ältere Dame am Nebentisch, die anscheinend treu zum Regime

hielt, verteidigte ihren sozialen Staat: „Es geht allen Menschen in der DDR gut, ganz im Gegensatz zu den Menschen in der BRD, und die, welche ausreisen wollen, sind alle Verräter und Faulenzer!“ Diese Dame hatte sicher keine Nachteile durch ihr linientreues Verhalten in der Deutschen Demokratischen Republik.

Durch die Gespräche erfuhr die jüngere Frau, dass die Westdeutschen aus Kirchberg, 30 km nördlich von Stuttgart kamen. „Ist Ihnen hier die Burg Kirchberg mit dem Fuchsturm bekannt,

die erst vor kurzem restauriert wurde?“ fragte die Frau aus Jena. Nein, die kannten sie bis dahin noch nicht. Die neue Bekannte machte kurz entschlossen das Angebot, noch an diesem späten

Nachmittag dorthin zu fahren. Nachdem der Ehemann der frustrierten Frau von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden war, fuhr er ihnen mit seinem Wartburg voraus, und so lernten Schwinns ein

weiteres Kleinod thüringischer Geschichte kennen. Schnell wurden ein paar Bilder zur Erinnerung gemacht. Auf ein Stück Papier schrieb die Frau aus Jena folgende Worte und hielt sie in die Kamera:

„Viele liebe Grüße vom Kirchberg aus Jena an alle Kirchberger.“

Auf der linken Seite des Eingangs zum Bergfried war eine kleine Tafel angebracht, auf welcher stand: Denkmalschutz – Bergfried – Der Burg Kirchberg.

Nun aber noch einmal zurück zum 22. August 1989. An jenem Abend wurde in dem kleinen Ort bei Weimar eilig von SED-Funktionären eine Versammlung einberufen, um zu erkunden, ob auch

aus ihrem Bezirk Personen unter den Zufluchtsuchenden in Budapest oder Prag seien. Denn am 13. August musste die Deutsche Botschaft in Budapest wegen Überfüllung geschlossen werden und

am 22. August die Deutsche Botschaft in Prag. In Prag hatten über 180 DDR-Bürger Zuflucht gesucht, in Budapest waren es 140.

An jenem Abend stieg die Anspannung aller Bürger in der DDR aufs Höchste.

Wäre 1989 Michail Gorbatschow nicht Präsident der Sowjetunion gewesen, hätte die deutsch-deutsche Geschichte wohl einen anderen Verlauf genommen.

Maria Schwinn

Buchrecherche

                    
Bücher suchen, finden und bestellen Sie in unseren Buchhandlungen in Ludwigsburg und Stuttgart.

Unser Buchtipp

Aus Überzeugung evangelisch,

jetzt auch als Hörbuch (Hörprobe) und E-Book

von Gerhard Engelsberger

Gemeindeblatt-THEMA

Computer-Kurse für unsere Leser

Für Leib und Seele
Schwäbische Weisheiten

Werbung