Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was ist das, Reformation?

Wie erklärt man einem Kind die Reformation? Und wie einem Muslim? Und was würde man einem kirchenfernen Politiker sagen? Gemeindeblatt-Chefredakteurin Petra Ziegler hat eine Frau und zwei Männer gefragt, wie sie es anstellen würden.

Was würden Sie auf die Frage eines Muslims „Was ist eigentlich Reformation?“ antworten?

Das hat mich erst kürzlich ein Minister aus dem Oman gefragt. Ich habe gesagt: Erstens – Reformation ist keine Neugründung einer Kirche, sondern Reformation ist die ­Erneuerung der einen alten Kirche, die ­sich dann leider nachher doch gespalten hat. Zweitens – zur Reformation Ja sagen heißt, zu Gottes Gnade Ja sagen. Das ist doch etwas Großartiges. Wo haben Sie das sonst noch in der Welt, dass jemand bedingungslos zu Ihnen Ja sagt? Das ist der Kern der Reformation.

Frank Otfried July,  Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

 

Landesbischof July ist zu sehen und zu hören beim Festival: 23. September, 17 Uhr, Ökumenischer Gottesdienst; 24. September, 11 Uhr, Auftakt-Gala.

Wie würden Sie einem Kinderkirch-Kind die Reformation erklären?

Jeder hat mal Angst. Die Leute früher ­hatten vor vielen Dingen Angst: Vor Gewittern, schwarzen Katzen und  vor Gott. „Denn Gott“, so wurde ihnen erzählt, „achtet genau darauf, was du tust. Vor allem merkt er sich deine Fehler. Und für Fehler wird man bestraft. Die schlimmste Strafe ist, nach dem Tod nicht in den Himmel zu kommen. Pass also auf, was du tust.“ Schrecklich! Martin Luther ist mit dieser Angst groß geworden. In der Bibel machte er eine tolle ­Entdeckung: „Von SO einem Gott steht da ja gar nichts drin. Im Gegenteil!“ Die Geschichte vom verlorenen Sohn wurde zu seiner ieblingsgeschichte: Gott bestraft nicht. Er kommt mir entgegen, weil er mich liebt. Herrlich!

Karin Riedel, Redaktion Der Jugendfreund/Für Dich!

 

 

 

 

Wie würden Sie einem konfessionslosen Politiker, der für Kirche nichts übrig hat, erklären, was Reformation ist?

Bei der Reformation ging es ja nicht nur um Kirchenbelange. Ganz im Gegenteil! Ein Beispiel: Den Reformatoren war es wichtig, das alltägliche Tun der Menschen, also auch die Arbeit von Politikerinnen und Politikern, neu zu bewerten. Sie sahen im Tun der Menschen einen wichtigen Dienst für das Gemeinwohl. Egal, ob Bäckerin oder Bauer  – alle waren gleich wichtig – und in diesem Sinne „gleichgesetzt“ mit dem Wirken der Geistlichen und des Adels. 

Das war nicht nur neu, sondern im besten Sinne umstürzlerisch, weil es den Weg bereitete für eine gerechtere Gesellschaftsordnung. Diese Sicht auf die Menschen und ihr Tun hatte auch Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl der Menschen gehabt. Wer sich  geschätzt weiß in dem, was er tut, geht gestärkt und selbstbewusst durchs Leben und nimmt das Leben um sich herum anders und aufmerksamer wahr, ja kann sogar Verantwortung für andere übernehmen. Die Reformation war die Geburtsstunde für zivilgesellschaftliches Engagement – und das dürfte auch kirchenuninteressierte Politiker sehr interessieren.

Volker Steinbrecher, Beauftragter der Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung

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