Christliche Themen für jede Altersgruppe

Biberach: Marc Marshall

"Die Musik eröffnete für mich ein Portal zum Glauben"

Von der Musik berührt, vom Glauben ergriffen, und seither unterwegs: So könnte man den Weg des Bariton-Sängers Marc Marshall zusammenfassen. Beim "Gemeindeblatt im Gespräch" in Biberach erzählte der evangelische Christ und Musiker aus seinem Leben.

Er kam und war mittendrin. Marc Marshall schüttelte Hände, plauderte und übte mit den Musikern des Dekanats Biberach ein gemeinsames Lied. Inzwischen wurden weitere Stühle und Tische aufgestellt, damit die hereinströmenden Gäste sich setzen konnten. Marc Marshall ist bekannt aus der SWR-Sendung "Fröhlicher Weinberg", moderiert die ZDF-Serie die TOP 10 des Himmels zusammen mit seinem Gesangspartner Jay Alexander. Er hat mehrere Goldene Schallplatten für seine Alben erhalten, zuletzt erhielt er diese Auszeichnung 2010 für das Album "Götterfunke".
 
Diese Musik ist es auch, die bei Marc Marshall etwas anrührt, das er von früher kennt: die christlichen Texte. Als Sohn von Tony Marshall wuchs er in Baden-Baden auf. Seine Großmutter nahm ihn als Kind immer in die katholische Kirche mit. Sein Vater hatte schon als kleiner Junge den Blasebalg des Organisten in der Kirche bedient.  Er selbst ist in der evangelischen Kirche getauft und konfirmiert, aber er ist ein ökumenisch geprägtes Kind. Er hat sich als Jugendlicher und junger Erwachsener wenig um den Glauben gekümmert, es gab eine lange Zeit der Kirchenferne.  Erst in den letzten Jahren hat er erfahren, dass es etwas gibt, das größer und umfassender ist und Kraft gibt. Er befände sich auf dem Weg dazu, er folgt diesem seidenen Faden, er entdeckte das Zwiegespräch mit Gott. Das Bild, das ihm seine Oma von Gott gab, ist bei ihm.
 
Welche Lieder liebt er heute noch? Marc Marshall: ",Großer Gott wir loben Dich" kenne ich von Kindheit an.  Es wurde immer wieder gesungen." Vor einigen Jahren sei er gefragt worden, was er dabei denke und empfinde. "Und da eröffnete sich für mich ein Portal. Ich konnte früher nicht sagen, dass ich gläubig bin, jetzt merke ich, dass ich auf einem Weg bin und folge ihm", meint der 49-Jährige.

"Das Singen bewirkt, dass man näher an den Worten ist", erklärt Marshall. Eine Auswahl von sieben Sängerinnen und Sänger aus dem Kirchenbezirk Biberach unter der Leitung von Jürgen Berron begleiteten den Abend musikalisch. Das erste Lied:  "Christ ist erstanden". Marc Marshall blickt verträumt in den Saal. "Es berührt zu tiefst, wenn Menschen zusammen singen", beschreibt Marshall  beeindruckt die Stimmung.  

Marshall fühlt sich privilegiert, singen zu können. Er studierte Gitarre in Los Angeles und Gesang in Karlsruhe. Als Bariton ist er kein Fan davon, Musikstile zu mixen. Wenn er die Richtung wechselt, hält er diese dann auf einer Platte oder im Konzert auch durch. Heutzutage haben in die Popmusik  viele klassische Elemente Einzug gehalten. Seiner Meinung nach gibt es genügend Interpretationsmöglichkeiten für einen Sänger und somit kann er dem Stil eines  Liedes treu bleiben.

Ein herrlicher Klang war es, als das "Christ ist erstanden" im Raum schwebte. "Verlangt diese Musik nicht nach einem Kirchenraum?", wollte Gemeindeblatt-Redakteur Alexander Schweda wissen. "Akustisch schenkt einem der Kirchenraum mehr Erfolg", sagt Marshall. Eine Kirche ist zudem gefüllt mit vielen Erinnerungen. Von der Taufe,  Weihnachten, Hochzeiten bis zum Trauergottesdienst. In einer Kirche nimmt man früher Platz, weil im Gegensatz zum Konzertsaal es keine Platzkarten gibt. Die Menschen stimmen sich auf das Konzert ein.

Musik gehört zu Marc Marshalls Leben seit der Kindheit dazu. Seinen Vater Tony Marshall bewundert er, weil er in seinem Studium gemerkt hat, wie wenig diese Auftritts-Bedingungen, die er bei seinem Vater erlebt hat, mitgemacht hätte: Sich umziehen im Matsch und Regen hinter einem Festzelt.  Als Volkssänger beschimpft zu werden, obwohl ihm im Festzelt alle zugehört haben. Es waren harte Bedingungen. Marc Marshall ist froh, dass seine Mutter es verhinderte, dass aus ihm ein Kinderstar wurde. Er sei damals im Gespräch gewesen,  weil Heintje im Stimmbruch war. "Kinderstars sind für mich eine Form von Menschenhandel", urteilt Marshall.  Seine Mutter ist sein Schutzengel. "Sie hat uns als Familie zusammengehalten, als der Vater 1971 über Nacht zum Star wurde. Tausende Briefe kamen ins Haus, viele Dummheiten der Menschen mussten wir erleben. Sie hat dafür gesorgt, dass wir frühstückten, zur Schule gingen, das Abi machten, Sport treiben konnten." Jeder sollte das Beste aus sich selbst herausholen. Wäre er damals Kinderstar geworden, wäre er nur mit dem Erfolg seines Vaters mitgeschwommen. So konnte er "sein Bestes" herausarbeiten, seine Stimme.

Und so singt er auch mit den Kirchenmusikern aus Biberach ein Lied am Schluss des Abends aus dem neuen Liederbuch: "Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder". Im Wechsel mit dem Publikum. Der charmante Marshall  findet es wunderbar, wenn die Menschen singen. Er betont, dass es dann für ihn auch keine Rolle spielt, ob der Ton immer genau perfekt getroffen wird. Der Vorgang des Singens ist ihm wichtig, sagt er.
 
Marc Marshall wählt die Kirchenlieder weder nach katholisch oder evangelisch aus. Mit dem Lied muss er sich identifizieren können. Musik bringt zusammen, aber er glaubt nicht, dass Musik  die Welt verändert.  Am Anfang steht für ihn eine Idee. Diese kann mit Musik emotional weitertransportiert werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Für Marshall können auch schwermütige Lieder Freude bereiten und  Kraft geben. Es kommt auf die Erinnerung an, die damit verknüpft ist. Musik, das wird an diesem Abend klar, ist für ihn das große Hauptportal zur Religion geworden. Ja, sie ist für ihn fast selbst Religion.

Inge Veil-Köberle