Christliche Themen für jede Altersgruppe

Calw: Bernd Umbreit

Evangelisches Gemeindeblatt im Gespräch mit Filmemacher Bernd Umbreit

Filme mit Liebe zu den Menschen

CALW - Die Schicksale von Menschen sind es, die Bernd Umbreit bewegen und die er in seinen Filmen dokumentiert. Beim Gemeindeblatt im Gespräch erzählte der Filmemacher, was ihn ganz persönlich dabei trägt und hält.
Von Annette Selter-Gehring


Es geht um Menschen, deren Leben durch eine Krankheit eine unerwartete Wendung nimmt, die traumatische Erfahrungen verarbeiten müssen, oder deren Leben zu Ende geht. Im Klosterkeller in Calw-Hirsau sprach Bernd Umbreit mit Gemeindeblatt-Chefredakteurin Petra Ziegler darüber, wie er das Leid und den Schmerz, mit dem er konfrontiert wird, erträgt und darüber, was ihn trägt. Aushalten, stehen lassen, ertragen und mit tragen, skizzierte Gemeuindeblatt-Redakteur Alexander Schweda die Arbeit Umbreits und schlug damit den Bogen zum aktuellen Motto der Lutherdekade, die in diesem Jahr unter dem Zeichen der Toleranz steht.

"Es steht nirgends geschrieben, dass das Leben einfach wäre", antwortete der Filmemacher Bernd Umbreit auf die Frage, woher er die Kraft nimmt, um all das Leid auszuhalten, das ihm in seiner Arbeit begegnet. Eine Erkenntnis aus über 40 Jahren als Dokumentarfilmer, ist für ihn: "Es ist ein Geschenk, dass diese Menschen zu mir kommen und Vertrauen fassen." Über 60 Filme in denen Lachen und Weinen, Leid und getröstet sein eng beieinander liegen, hat Bernd Umbreit gemeinsam mit seiner Frau Heidi gedreht. Sie tragen Titel wie "Asphaltkreuze - Schicksale auf unseren Straßen", "Eine Niere für meine beste Freundin", "Fenster zur Freiheit", "Zeit, die mir noch bleibt" oder "Hallo Jule, ich leben noch" und erzählen von Trauer, von Hoffnung von Angst und von Liebe. Immer sind es Menschen in extremen Lebenssituationen die Umbreit häufig über Monate oder Jahr begleitet. Er sagt: "Zu Beginn weiß ich in der Regel nicht, wie der Film enden wird."

Für seine Arbeit wurde der 62-jährige Filmemacher bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Dabei hat er das Filmen nie an einer Akademie gelernt. "Ich bin Autodidakt", sagt Umbreit, der ganz auf die Sprache der Bilder setzt. Dabei entwickelt er ungewöhnliche Perspektiven, filmt aus dem Blickwinkel seiner Protagonisten und kommt so ganz nah. Sowohl den Menschen, die er in seinen Filmen zeigt, wie auch seinen Zuschauern. Nicht von ungefähr wurden mehrere seiner Filme in der WDR-Fernsehreihe "Menschen hautnah" gezeigt. Umbreits Filme lassen niemanden kalt; sie berühren und bewegen ohne jegliche Sentimentalität, ohne nach Gründen oder gar Schuld zu fragen. Und doch bleibt Umbreit nie distanziert, das wurde im Gespräch mit Petra Ziegler im Klosterkeller in Hirsau deutlich. Er sieht alle seine Filme als Liebesfilme, als Filme, die die Liebe zu den Menschen und zum Leben zum Inhalt haben.  
Umbreit zeigt das Leben und die Entscheidungen der Menschen in seinen Filmen schonungslos und ehrlich, kommentiert und bewertet nicht. In den Filmen sei nichts gestellt, nichts künstlich, stellte Ziegler fest und fragte: "Wie halten Sie das aus, wenn Sie den an Lungenkrebs erkrankten Markus in dem Film ,Zeit, die mir noch bleibt‘ filmen, während er eine Zigarette raucht?" Oder zu wissen, dass eine junge Frau sich Tag für Tag mit dem Gedanken an Selbstmord beschäftigt. Umbreits Antwort ist direkt und klar: "Der Glaube an Jesus und an die Auferstehung. Sonst könnte ich solche Filme nicht machen."
Natürlich hadere er, konfrontiert mit Verzweiflung und ausweglosen Schicksalen, immer wieder mit Gott. Zu seinem Herzensgebet seien die Worte "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser" geworden. "Das hilft mir und meiner Frau." Und das spiegelt sich auch in seiner Arbeit oder wie Umbreit sagte: "Wer unsere Filme anschaut, der findet das Evangelium darin."