Christliche Themen für jede Altersgruppe

Crailsheim: Christoph Zehendner

Was in Luther drin steckt


Mit der Toleranz hat Christoph Zehendner so seine Schwierigkeiten, das wurde bei dem Gespräch in Crailsheim gleich deutlich. "Man muss sich alles anhören. Aber man muss nicht alles gut finden", sagt der christliche Liedermacher im Gespräch mit Andreas Steidel vom Evangelischen Gemeindeblatt.

Darf das Vaterunser im lässigen Sechsachteltakt gesungen werden? Christoph Zehendner hat`s so komponiert, und ist sofort ziemlich angegangen worden. Das sei Blasphemie, wurde ihm vorgeworfen. Streit gebe es auch über die Vertonung des Bonhoeffer-Liedes "Von guten Mächten". Die einen singen nur die etwas "molligere" Melodie von Otto Abel, die anderen die "leichtere" von Siegfried Fitz. "Aber warum können beide Melodien nicht neben einander stehen?" fragt Liedermacher Christoph Zehendner - und das Gespräch war mitten drin im Thema "Toleranz und Musik", das natürlich angereichert wurde mit Liedern, die gemeinsam gesungen wurden, dazu griffen sowohl Liedermacher Zehendner als auch der Crailsheimer Dekan Dalferth in die Saiten ihrer Gitarren.
Der Begriff "Toleranz" komme von tolerare, also von ertragen, erklärt Zehendner. "Man muss ertragen, dass der Andere anders ist." Ihm gehe das aber nicht weit genug. "Den anderen wertschätzen, das ist doch viel wichtiger."  Dennoch bedeute das keineswegs, alles andere auch gut zu finden. "Ich möchte auch sagen können, ich seh`das anders."

Eine klare Position steht auch der Kirche gut, sagte Zehendner,- und dafür erhielt er von den rund 70 Besuchern, die aus allen Ecken des Dekanats zum Gemeindeblatt-Gespräch gekommen waren, viel Beifall. "Wenn ein Pfarrer sagt, beim Glaubensbekenntnis könne er Teile nicht mitsprechen, dann denke ich: Geh`doch zum Daimler. Die Kirche ist doch kein Ringelpietz. Es täte uns gut, mal zu gucken, was evangelisch überhaupt ist. Was steckt drin in dem Luther? Da kann man über einiges zwar streiten, aber wir müssen doch Position beziehen."
In vielem anderen sprach der Liedermacher seinen Zuhörern auch aus dem Herzen - wie zum Beispiel: "Wenn ich mir die Menschen auf einem Volksfest anschaue, erkenne ich, dass der Gottesdienst weit weg ist von ihrem Alltagsleben.  Die finden vielleicht nie wieder rein." Dies griff ein älterer Besucher auf, als er Zehendner fragte, wie Kinder beim Glauben gehalten werden könnten, und was diese jungen Leute denn später einmal auf ihrem Sterbebett singen wollten. Choräle sicher nicht, antwortete Zehendner, mit deren Texten könnten nur wenige etwas anfangen. Deshalb wolle er musikalische Brücken bauen. Das sei ihm als Liedermacher eine Verpflichtung "und eine hohe Last".

Ute Schäfer


ZITATE
"Kleine Veranstaltungen, wo ich die Gesichter sehe, sind mir lieber als Kirchentag."

"Musik ist wie die Welt, nämlich vielfältig."

"Vielfalt ist toll. Es wäre doch furchtbar, wenn alle  meine Stimme hätten."

"Ich höre mir jede Musik an. Manchmal schalte ich aber schnell wieder aus."

"Ich bin Christ, und insofern bin ich wohl auch ein christlicher Liedermacher."

"Christsein ist für mich wie Atmen. Selbstverständlich, aber man muss etwas dafür tun."

"Ich will den Jungen sagen: Folge deinem Herzen. Nicht deinem Geldbeutel."

"Wir dürfen die Kinder nicht aus der Kirche rauskonfirmieren. Missionarische Jugendarbeit statt Bauprojekte!"

"Kirche ist was für Frauen, die gern sitzen und singen."

"Kirche nichts für Männer, die anpacken wollen. Ein Gottesdienst und gleichzeitig Holz machen fürs Gemeindehaus, das wär mal was."

"Beim Orgelnachspiel aufstehen oder sitzen bleiben? Das kommt doch auf den Organisten an. Wenn der toll ist, bleibe ich gerne. Warum kann man das nicht in der Situation entscheiden und den Leuten dann sagen?"

"Wenn einer beschließt, den Gottesdienst in 20 Jahren noch so zu machen wie heute, ist das der Todesstoß. Gott soll etwas bewegen dürfen, damit sich eine Beziehung entwickelt."