Christliche Themen für jede Altersgruppe


Es ist nicht das erste Mal, dass Wartenberg-Potter in Ravensburg über ihren Glauben und die Ökumene spricht. „Vor 44 Jahren habe ich in Ravensburg die ‚Aktion Missio‘ geplant“, erinnert sich die Theologin lebhaft. Mit einem Team aus insgesamt zehn katholischen und evangelischen Christen sei sie damals als Berufsanfängerin durchs schwäbische Oberland gefahren, um Besuche der Aktion in Schulen und Kirchengemeinden zu organisieren. Sie habe „schönste Erinnerungen“ an diese „Pionierzeit“. „Eine tolle ökumenische Erfahrung.“
 
Seitdem hat sie gradlinig ihre „Missionarische Existenz“ in Wort und Tat weiterentwickelt. Viele Jahre war sie für den Ökumenischen Weltrat der Kirchen tätig und hat sich als Befreiungstheologin einen Namen gemacht. Von 1980 bis 1985 war sie Direktorin der Abteilung „Frau in Kirche und Gesellschaft“ des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf. Vielleicht habe sie dadurch einen Teil der Ideen und Wünsche ihrer Mutter verwirklicht, der ihrer Mutter verwehrt geblieben ist, sinniert Wartenberg-Potter. „Meine Mutter wollte immer nach China, aber es ist ihr nicht gelungen. Dafür hat sie sieben Kinder gehabt.“

Das Thema Kinder ist für Wartenberg-Potter selbst zum Schicksalsthema geworden. Neben vielen Glücksmomenten in ihrem Leben musste sie miterleben, wie ihre beiden Kinder an einer Immunerkrankung starben: das eine nach sieben Monaten, das andere nach zwei Jahren. An der Trauer darüber ist ihre erste Ehe zerbrochen. Die Erfahrung mit ihrem zweiten sterbenden Kind bewog sie, die Aktionsgruppe „Kind im Krankenhaus“ zu gründen, um bessere Besuchsregeln für Eltern kranker Kinder durchzusetzen.
 
Auch ihre zweite Ehe mit dem 22 Jahre älteren, karibischen Pastor Phillip Potter, dem ehemaligen Generalsekretär des Weltkirchenrats, ist Thema an diesem Abend. „Ist ihre Heirat damals als normal empfunden worden?“, erkundigt sich Ziegler. „Für uns war das jedenfalls ganz normal“, kontert Wartenberg-Potter. Natürlich sei es für viele ungewöhnlich gewesen, eine europäische Frau mit einem farbigen Mann zu sehen. „Noch dazu, dass der Generalsekretär eine geschiedene Frau geheiratet hat“, bekennt Bärbel Wartenberg-Potter. Aber es sei auch ein Zeichen gewesen. „Ja, das geht!“

 

 

Austausch unter Frauen: Bärbel Wartenberg-Potter (rechts) und Chefredakteurin Petra Ziegler.

Von 1985 bis 1990 war sie Dozentin am „Vereinigten Theologischen College“ der Universität der Westindischen Inseln und Universitätspfarrerin in Kingston/Jamaika. Als Wartenberg-Potter 2001 Bischöfin von Lübeck wird, ist sie die dritte Frau in Deutschland in diesem Amt. Jetzt im Ruhestand setzt sie sich als Vorsitzende des Kuratoriums für das „Institut für Theologische Zoologie“ ein.

Ein Strauß gelber Sommerblumen steht an diesem Abend auf dem Tisch am Podium. Sommerlich ist auch die Farbe des Jacketts, das Wartenberg-Potter für ihren Besuch in Ravensburg gewählt hat. Ein Farbtupfer im bischöflichen Violett. Ein Statement, das deutlich macht: Ich verstecke mich nicht.

„Haben wir uns mit Blick auf die Ökumene zurückentwickelt?“, will Chefredakteurin Petra Ziegler wissen. „Ja“, sagt die Alt-Bischöfin deutlich. Heute drehe es sich in der Ökumene weniger um Entwicklungsverantwortung, als um die Frage: Feiert man gemeinsam Abendmahl? „Waren Sie zuerst fromm oder zuerst politisch?“, fährt Ziegler fort. „Ich bin bis heute beides“, stellt die ehemalige Bischöfin klar. „Für mich war das immer deckungsgleich.“

 

 

Der Gospelchor „Almost Heaven“ der Friedrichshafener Schlosskirche sorgte für musikalische Höhepunkte.
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Über 100 Besucher kamen ins Matthäusgemeindehaus in Ravensburg.

Ein wichtiges Thema für Wartenberg-Potter ist nicht nur an diesem Abend die Frauenarbeit. „Wir müssen die Kirchen überzeugen, für Gleichberechtigung einzutreten“, fordert die Feministin. Für ihren Aufruf: „Sie brauchen noch eine Bischöfin hier in Württemberg!“ erntet sie viel Applaus. In 30 lutherischen Kirchen gibt es bisher noch keine Frauenordination, ergänzt Moderatorin Ziegler. Und auch Wartenberg-Potter offenbart: „Manchmal, wenn ich Mitgliedskirchen in Osteuropa besucht habe und mit den Männer über Frauenarbeit geredet habe, saßen die Frauen in Hinterzimmern und haben die Brote gestrichen. Sie waren dort, wo Entscheidungen gefällt wurden, nicht vertreten.“

Es ist das Teilen von Erfahrungen wie diesen, die das Publikum in Ravensburg schätzt. „Was können wir hier vor Ort machen, um die Position der Frauen zu stärken?“, will ein Gast aus dem Publikum wissen. „Sich dafür stark machen, dass Frauenarbeit nicht überall weggekürzt wird“, meint die Pionierin. „Frauenarbeit modernisieren. In den Synoden Beschlüsse für die Umsetzung einer Frauenquote fassen.“ Die Quote sei eine Krücke, so Wartenberg-Potter. „Solange wir behindert sind, nutzen wir die Krücke“, fordert sie auf.

Im Buch "Anfängerin" hat Bärbel Wartenberg-Potter ihre Erinnerungen festgehalten. [Fotos: Hanna Eder]

Einblicke erhalten die Gäste an diesem Abend auch in Bezug auf Wartenberg-Potters Karriere: In ihrer Zeit als Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche für den Sprengel Holstein-Lübeck hätten ihr oftmals weibliche Vorbilder gefehlt. Auch von kniffligen Situationen ist die Rede „Sie haben Hass erlebt, zwar kein Attentat, aber fast“, so Moderatorin Ziegler. Und Wartenberg-Potter erzählt von Anfeindungen, Hassattacken und einer Bombenattrappe, die ihr gezeigt hätte: „Wenn Sie Kante zeigen, geht das andere mit einher.“

Bärbel Wartenberg-Potter, das wird an diesem Abend deutlich, ist Grenzgängerin. Grenzen, so Wartenberg-Potter, seien Teil ihres Lebensverständnisses geworden. „Ich bin über viele Grenzen gegangen in meinem Leben und habe fruchtbare Erkenntnisse gesammelt, auch schmerzliche und im wahrsten Sinne ‚grenzwertige’“, schreibt sie auch in ihrer Biografie. Politik und Glauben: die gehören für sie zusammen. „Bibel in der einen Hand, Zeitung in der anderen Hand.“ Zudem gelte es, die Theologie, die nur anthropozentrisch ausgerichtet sein, neu zu überdenken, mahnt Wartenberg Potter an. „Der Mensch ist nicht der einzige Interessenpunkt des Universums.“

 

Ev. Gemeindeblatt 29/2014 | Gemeindeblatt im Gespräch | Hanna Eder

Von Kirchturm zu Kirchturm

17 Kilo Handyschrott gesammelt

Die Nutzung von Handys hat auch problematische Seiten: Die Rohstoffe für die Produktion werden unter oft katastrophalen Bedingungen in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. In Deutschland werden Handys im Durchschnitt nur 18 Monate benutzt, die alten Geräte bleiben in den Schubladen. Die Konfirmanden aus Neckarweihingen haben sich im Konfirmandenunterricht mit diesem Thema befasst und sammelten alte Handys. 138 Geräte und einige Ladegeräte sowie weiteres Zubehör kamen dabei zusammen. Die 17 Kilo schwere Sammelbox wurde zum  Recycling weitergeleitet. Mit dem Erlös unterstützt das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) Gesundheitsprojekte in der Demokratischen Republik Kongo.

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