Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vaihingen an der Enz: Johanna Haberer

Scheut sich nicht vor offenen Worten: Johanna Haberer hat beim Gesprächsabend auch zu heiklen Themen klar Stellung bezogen. (Fotos: Werner Kuhnle)
Scheut sich nicht vor offenen Worten: Johanna Haberer hat beim Gesprächsabend auch zu heiklen Themen klar Stellung bezogen. (Fotos: Werner Kuhnle)

Von der Kanzel zum Mikrofon

VAIHINGEN/ENZ – Sie ist eine Frau, die klare aber auch humorvolle Worte nicht scheut – das bewies ­Johanna Haberer beim „Gemeindeblatt im Gespräch“-Abend in der Vaihinger Stadtkirche. Im Gespräch mit Chefredakteurin Petra Ziegler sprach die evangelische Theologin über Ziele im Leben und darüber, wie Christen sich in die Politik einmischen können.

Von Hindernissen lässt sich Johanna Haberer nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Das wurde schon vor Beginn des Gesprächsabends in der Vaihinger Stadtkirche deutlich: Wegen des Bahnstreiks war die Theologin mit Fernbus und Flugzeug angereist. Über ihr Kommen freute sich auch der Vaihinger Dekan Reiner Zeyher, der im Namen des Kirchenbezirks zu der Veranstaltung eingeladen hatte. Er und die Besucher konnten sich an diesem Abend davon überzeugen, dass die Professorin für Christliche Publizistik ein Gespür dafür hat, politische Themen direkt und authentisch auf den Punkt zu bringen.
In dieser Hinsicht, erzählte Johanna Haberer den gebannt lauschenden Besuchern, sei sie bereits von ihrem Elternhaus nachhaltig geprägt worden: Ihr Vater, Georg Rückert, Gründer der Seniorenresidenz Augustinum, sei alles andere als ein typischer Gemeindepfarrer gewesen. Heftige Streitgespräche waren in der fünfköpfigen Familie an der Tagesordnung – zumal der Vater „eher konservativ und meine Mutter Sozialdemokratin war“.

Doch auch den Tod von Martin Luther King und John F. Kennedy bezeichnete Johanna Haberer als „Schlüsselerlebnisse“, die sie dazu brachten, sich später politisch einzumischen: „Menschen, die für den Frieden eintraten und dies mit ihrem Leben bezahlten.“

Und so entschied sie sich dafür, Theologie zu studieren – entgegen ihres ursprünglichen Berufwunsches, Schauspielerin zu werden. Nach ihrem Vikariat wechselte sie zum Bayerischen Rundfunk: „Von der Kanzel zum Mikrofon.“ Dass Seelsorge und eine eindeutige, klare Sprache zueinander gehören, steht für die 58-Jährige fest. Und so merkte sie kritisch an, „dass viele Prediger ihre Antworten schon von vornherein wissen, bevor sie selbst die Frage gestellt haben“. Das mache viele Predigten „vorhersehbar“.


Die Besucher verfolgen gebannt das Gespräch von Petra Ziegler und Johanna Haberer. Der Lord’s Amazing Choir sang Gospels.

Christen sieht Johanna Haberer in der Pflicht, sich religiösen Fragen zu stellen und sich für Werte einzusetzen, auf denen der Staat aufbaue. An diesen Aufgaben änderten die zunehmenden Kirchenaustritte nichts. Auch wenn es um das Thema Flüchtlingspolitik, Leihmutterschaft oder Sterbehilfe geht, scheut sich Johanna Haberer nicht davor, klar Stellung zu nehmen. Im Vordergrund steht dabei für sie immer, „die Autonomie des Einzelnen zu respektieren“. Das Thema digitale Vernetzung und die damit verbundenen Probleme der ständigen Überwachung liegen der Theologin ebenfalls sehr am Herzen. „Unsere Rechte, Beichtgeheimnisse – all das bleibt auf der Strecke. Und wo bleibt der Aufschrei dagegen?“

Wohl auch aufgrund ihrer Schlagfertigkeit und Geradlinigkeit wurde Johanna Haberer zweimal dazu bewegt, sich als Bischöfin zu bewerben: 1998 in Bayern und 2009 in Berlin. Ob sie sich auch ein drittes Mal um das Amt bewerben werde, wollte ein Besucher bei der anschließenden Fragerunde wissen. Auch wenn dies eine große Ehre gewesen sei – im Endeffekt sei sie „gottfroh“ gewesen, dass es mit dem Bischofsamt nicht geklappt habe, gestand Haberer unter dem Schmunzeln der Zuhörer.


Dekan Reiner Zeyher im Gespräch mit der Theologin.

Überraschend mag für manchen Besucher Haberers Erzählung von einer persönlichen Flüchtlingssituation gewesen sein, mit der ihre Familie nach dem Mauerfall konfrontiert wurde: Im Januar 1990 nahm ihre Mutter den DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski auf und versteckte ihn bei sich im Keller. Er wurde damals von Journalisten und Geheimdiensten gesucht und blieb unter der Obhut der Pastorenwitwe in München-Pasing mehrere Wochen lang unentdeckt.

Noch lange Zeit danach, berichtete Johanna Haberer, bekam ihre Mutter einmal im Jahr einen Blumenstrauß des berühmten Flüchtlings – verbunden mit vielen Segenswünschen.

Johanna Haberer im Gespräch mit Petra Ziegler