Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glaubensweg

Einmal im Jahr lädt das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg alle Leserinnen und Leser zum Glaubensweg ein. So bietet das Evangelische Gemeindeblatt in enger Zusammenarbeit der jeweiligen Gemeinde immer ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm, bei dem ein Gottesdienst und eine Schlussandacht den Rahmen bilden.

Glaubensweg am 28. August 2016 in Freudenstadt: Stadt mit riesigem Marktplatz

[Die Stadtkirche in Freudenstadt ist über Eck gebaut. Foto: Stadt Freudenstadt]

Freudenstadt zieht Wanderer und Kurgäste an, wird wegen seiner guten Luft geschätzt, aber auch wegen seiner kulturellen Angebote. Außerdem hat Freudenstadt den größten Marktplatz Deutschlands. Er wird an einer Ecke von der evangelischen Stadtkirche begrenzt, einer Winkelkirche. Nach Freudenstadt führt am 28. August der Gemeindeblatt-Glaubensweg.  Von Petra Ziegler
Wer in Freudenstadt Urlaub macht, hat beides: die Natur direkt vor der Haustür und gleichzeitig ein städtisches Ambiente mit Cafés, Restaurants und Ladengeschäften. „Von keinem Punkt der Stadt ist es weiter als 500 Meter bis zum Schwarzwald“, hat Tourismusdirektor Michael Krause ausgerechnet.
Die Stadt selber ist wirklich eine Stadt. Allein rund um den Marktplatz herum gibt es ein paar Hundert Einzelhändler. In Freudenstadt dreht sich vieles um ihn. Er ist riesig, in mehrere Teile unterteilt, und mitten durch ihn führen zwei Hauptverkehrsstraßen. Da die Parkplätze unter der Erde sind, ist der Marktplatz auch tatsächlich ein Marktplatz (dienstags und freitags ist Markt), ein Platz zum Ausruhen, zum Bestaunen der Wasserfontänen und zum Einkaufen. Die Läden sind in den Arkadengängen – weder Sonne noch Regen hindern einen am Flanieren.

Und wer glaubt, er hätte an der einen Ecke eine Kirche entdeckt, irrt womöglich, denn das orange-weiß gestreifte Gebäude am Oberen Marktplatz mit dem Turm ist das Rathaus. An der anderen Ecke staunt dann der Besucher aufs Neue und glaubt, doppelt zu sehen, denn die evangelische Stadtkirche ist eine so genannte Winkelhakenkirche oder Winkelkirche. Zwei Kirchenschiffe stehen im rechten Winkel zueinander. Altar und Kanzel befinden sich genau im Winkel. (Mehr dazu lesen Sie auf Seite 6.)
Ob der Freudenstädter Marktplatz wirklich der größte in Deutschland ist, ist umstritten. Die Stadt Heide in Norddeutschland beansprucht dieses Prädikat ebenfalls für sich. Inzwischen dürfen beide Städte behaupten, den größten Marktplatz zu haben. Der Unterschied: Heide hat den größten unbebauten, Freudenstadt den größten bebauten Marktplatz Deutschlands. Der Streit hat die beiden Städte sogar einander näher gebracht. Sie unterhalten seit 1989 eine Städtefreundschaft.

Seine Existenz hat Freudenstadt dem Bergbau zu verdanken. Rund um den Kniebis gab es im 16. Jahrhundert einige Stollen. Für die Silberschmelze wurde Holzkohle gebraucht. Und Holz gab es in den Wäldern der Umgebung genug. Der herzogliche Hofbaumeister Heinrich Schickhardt plante 1595 eine Eisenschmiede.

In jener Zeit entbrannten auch die Glaubenskriege. Herzog Friedrich I. von Württemberg wird Sprecher der deutschen Protestanten. Er will gleich mehrere Zeichen setzen. Friedrich will wirtschaftlich unabhängig sein, fördert den Bergbau und siedelt protestantische Glaubensflüchtlinge in der Region an. Nahe dem strategisch wichtigen Kniebis-Pass soll mit Freudenstadt eine neue befestigte Residenz entstehen. Dafür erkundet Heinrich Schickhardt 1598 das Gebiet um das heutige Freudenstadt.  
Sein Urteil ist vernichtend: „Da hab ich den Boden an vielen Orten ziemlich tief untersuchen lassen, aber wenig Gutes gefunden.“ Deshalb kommt er zu dem Schluss: „Es ist nicht ratsam, dort eine Stadt zu bauen.“

Das schert den Herzog wenig. Schickhardt soll die Stadt entwerfen – und gibt ihr am Reißbrett einen quadratischen Grundriss. Später sollen noch ein Schloss und eine Festung hinzu kommen. Die Stadt entsteht, doch zu Schloss und Festung kommt es nicht mehr. 1608 stirbt der Herzog. An einer Residenzstadt Freudenstadt haben seine Nachfolger kein Interesse. 1632 zerstört ein Feuer die Stadt zur Hälfte. Sie wird nach den Schickhardt-Plänen wieder aufgebaut. Der Marktplatz bleibt weiterhin der Mittelpunkt.

Er ist bis heute ist eine der großen Attraktionen der Stadt. Das ist wichtig, denn der Tourismus gehört zu einem der wirtschaftlichen Standbeine der Stadt. Michael Krause weiß, dass längst nicht alle Orte im Schwarzwald den tiefgreifenden Strukturwandel in den vergangenen 20 Jahren geschafft haben. Auch Freudenstadt habe Mitte der 90er-Jahre ein Hotelsterben erlebt. Doch die Stadt kann jetzt aufatmen. „Wir haben den Übergang vom traditionsreichen Kurort zur modernen Touristendestination geschafft.“ Darüber ist Michael Krause erleichtert.

Zum Kurort wird Freudenstadt Ende des 19. Jahrhunderts. Zu verdanken ist das dem Stadtschultheiß Alfred Hartranft. Er entdeckt 1877, dass nicht nur Nordseeluft Kranke heilt, sondern auch die gesunde Schwarzwaldluft. Das spricht sich schnell herum. Um 1900 ist sogar einmal König Georg von England Kurgast in Freudenstadt. Seit 1939 ist die Stadt „Heilklimatischer Kurort“.
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Freudenstadt zerstört: in der Nacht auf den 17. April 1945. Die Brandbomben lassen große Teile der Innenstadt abbrennen. Die Brände können nicht gelöscht werden, weil kurz vorher die Hochdruckwasserleitungen bei einem Luftangriff zerstört worden sind.

Dennoch: Nach dem Krieg bauen die Bürger ihre Stadt schnell wieder auf. Als „Wunder von Freudenstadt“ geht dieses bürgerschaftliche Engagement in die Stadtgeschichte ein. Doch die Kurort-Blütezeit ist seither vorbei. Vom alten Kurort ist heute noch ein Sanatorium übrig geblieben. Immer noch werde die Luftgüte regelmäßig geprüft, sagt Michael Krause.

Der Schwerpunkt hat sich verschoben. Heute ist es die Zielgruppe „50plus“, die in Freudenstadt Erholung vom Alltag sucht. Wellness sei gefragt wie nie zuvor. Krause verweist auf drei Vier-Sterne-Superior- und zwei Vier-Sterne-Häuser in Freudenstadt und seinen Stadtteilen. Wie gefragt die Stadt im Schwarzwald ist, unterstreichen die Übernachtungszahlen: 450 000 waren es im vergangenen Jahr.
Der Tourismus ist nur eines von mehreren Standbeinen der Stadt. In Freudenstadt gibt es vor allem Maschinenbaufirmen.

Damit die Gäste weiterhin kommen, hat die Stadt große Pläne. Auf dem Kniebis soll in 970 Meter Höhe ein Weißtannenturm aufgestellt werden, dessen Plattform dann exakt auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der 360-Grad-Panoramablick wird bei gutem Wetter ein eindrucksvolles Erlebnis sein. Doch den Turm gibt es  frühestens 2018. Bis dahin lockt Freudenstadt mit seiner guten Luft, seinem großen Marktplatz, den Wanderwegen und der Kultur.

Das Programm des Glaubenswegs 2016

So kommen Sie nach Freudenstadt


Nachbericht zum Glaubensweg 2015 in Bad Urach: Fröhliche Stunden an historischem Ort

„Attempto“ – „Ich wag‘s“: Das Motto von Graf Eberhard im Barte ist in Bad Urach an vielen Stellen zu finden. Deshalb hatte es Dekan Michael Karwounopoulos für den Gottesdienst zu Beginn des Glaubensweges in Bad Urach als Überschrift für die Predigt gewählt. Die Geschichte von Petrus, wie er versucht, auf dem Wasser zu gehen und dann doch droht zu versinken, der erst gerettet ist, als er auf Jesus schaut: Das ist für Karwounopoulos ein Bild dafür, wie es im Leben gehen kann. Der Leitspruch von Graf Eberhard findet sich auch auf der Lehne seines Betstuhls.

Das Motto im Rücken, den Blick auf das Kreuz, Wagnis und Vertrauen auf die Hand Jesu, das wünsche er sich. Zu sehen ist der Leitspruch von Eberhard im Barte auch im Schloss. Einige Besucher ließen sich hier auf ganz besondere Führungen ein: Bei Putzfrau Rosi putzten die Teilnehmer unter großem Gelächter, während Kammerzofe Barbara selbstgebackene Cantuccini, italienische Mandelkekse, anbot.

Den Spruch von Eberhard im Barte könne man übrigens auch ganz anders übersetzen, sagte Rosi: Mit „Ich probier‘s!“ Zu probieren gab es natürlich auch einiges. Die Stifts-Küche hatte leckere selbstgemachte Maultaschen und als Nachtisch Gugelhupf im Angebot. Der ist eine Nachbildung der Kopfbedeckung von den Gugelherren, also den Ordensbrüdern vom Gemeinsamen Leben, die früher im Stift wohnten, erklärte Kirchenrätin Bärbel Hartmann, die das Einkehrhaus Stift Urach leitet. Eine heitere Stimmung war im Stiftshof zu spüren, beim Singen unter der Linde.


Nachbericht zum Glaubensweg 2014 in Esslingen: 400 Besucherinnen und Besucher sind am 31. August zum Gemeindeblatt-Glaubensweg nach Esslingen gekommen.

Der Dauerregen hielt die Teilnehmer weder von den Stadtführungen noch von der Führung „Jüdische Spuren in Esslingen“ ab. Ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer erklärten Kirche, Chor und Krypta von St. Dionys sowie die Frauenkirche. Eine Besonderheit war die Führung auf den Turm der Stadtkirche, der nur selten offen ist. Dekan Bernd Weißenborn stellte nach dem Gottesdienst die Arbeit der Kirchengemeinde vor. Er betonte, es sei eine Herausforderung, die großen Innenstadtkirchen baulich zu erhalten. Angesichts sinkender Kirchenmitgliederzahlen gelte es außerdem, gute und neue Konzepte zu finden, um die Kirchen mit Leben zu füllen. Beim Glaubensweg stellten auch das Hospiz und die Vesperkirche ihre Arbeit vor.

   

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THEMA - Zweifel

Ausgabe 3/2015

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