Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ausgeschlossen

Markus 1,40–45 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.

Impuls zum Predigttext für den 14. Sonntag nach Trinitatis: Markus 1,40–45.  Von Friederike Bräuchle


Pfarrerin Friederike Bräuchle ist Klinikseelsorgerin in Tübingen.

Unrein sein – was bedeutete das in biblischen Zeiten? Unrein war, wer einen Aussatz hatte. Darunter fielen verschiedene Hautkrankheiten, die zum Teil auch gar nicht gefährlich und ansteckend waren. Dennoch war nach damaliger Rechtslage alles unrein, was nässte und eiterte.
Wir kennen die Erfahrung nicht, unrein zu sein, und können sie wohl auch nur ansatzweise nachvollziehen. Ein Unreiner war ausgeschlossen von jeder menschlichen Gemeinschaft und galt als von Gott gestraft. Er wurde vom Priester im Tempel für unrein erklärt und musste fortan fern von anderen Menschen leben. War solch ein Kranker irgendwo unterwegs und sah in der Ferne andere Menschen nahen, musste er laut vor sich selber warnen und rufen: „Unrein, unrein!“
Heute werden immer mehr Patienten in den Kliniken wegen eventuell ansteckender Keime isoliert. Sie liegen dann alleine im Zimmer und bekommen zu spüren, dass das Pflegepersonal sich seltener zeigt, weil bei jedem Betreten des Zimmers zum Teil umfangreiche Schutzkleidung anzulegen ist. Letztere ermöglicht wiederum Besuch von Angehörigen und Freunden, so dass die Isolation deutlich humaner ist als die zu biblischen Zeiten. Sie ist in der Regel auch auf wenige Wochen begrenzt, während sie früher lebenslang währen konnte. Die medizinischen Heilungschancen waren gegenüber heute verschwindend gering.
Wir können wohl nur erahnen, was ein „Unreiner“  in der damaliger Zeit zu erleiden hatte. In meiner Vorstellung ist das Gemieden werden von allen am schlimmsten. Aber auch der Glaube, dass die nicht heilende, äußerlich abstoßende Krankheit eine Strafe Gottes ist, war sicher nicht weniger schmerzhaft. Gab es aus dieser verzweifelten Situation überhaupt einen Ausweg?
Nach unserer Geschichte müssen die Erzählungen von Jesus dem Kranken Anlass zur Hoffnung gegeben haben. Vermutlich war ihm zu Ohren gekommen, dass Jesus Kranke heilen konnte und vom Reich Gottes predigte als einem Miteinander, von dem keiner ausgeschlossen wird. Das machte ihm Mut, Jesus aufzusuchen.
Die Geschichte erzählt von der Begegnung denkbar knapp. Der Mann kniete vor Jesus nieder als Zeichen seiner Verehrung und sagte ohne Umschweife: „Willst du, so kannst du mich reinigen.“
Woraus schöpfte der Mann solches Vertrauen in den ihm bis dahin fremden Jesus? Er zeigte sich ihm mit seinem ganzen verzweifelten Leid, offensichtlich überzeugt, dass Jesus das nicht unberührt lassen würde.
Und so war es auch. Jesus sah ihn an, und „es jammerte ihn“. Was er sah, berührte ihn zutiefst. Für mich geschieht in diesem den Kranken als Leidenden erfassenden Ansehen Jesu die eigentliche Heilung. Als Klinikseelsorgerin begegnen mir immer wieder Menschen, die etwa wegen einer Krebserkrankung von Freunden, Nächsten bis hin zum Ehepartner verlassen werden. Das schmerzt dann noch mehr als die körperliche Krankheit. Es kränkt zutiefst und kann auch von einem Arzt nicht geheilt werden. In abgeschwächter Form treffe ich auf solches Verlassensein auch bei meinen Besuchen von alten Menschen in der Klinik. Da fehlt es oft  so schmerzhaft an Augen, die sehen. An Ohren, die bereit sind hinzuhören. Und an einem Herz, das spürt, was ein einsamer Mensch braucht.
Jesus nimmt solches Ausgeschlossen- und Verlassensein von Menschen nicht hin. Er überschreitet die von Menschen aufgerichteten Grenzen, berührt den „Unreinen“ und holt ihn in die Gemeinschaft zurück. Das Leiden am Ausgeschlossen- und Verlassensein geht tiefer als eine körperliche Erkrankung. Jesus kann nur Einzelne heilen. Aber allen, auch uns heute, predigt er von der heilsamen Gemeinschaft im Reich Gottes. Wie könnten wir ihr den Weg ebnen?

Gebet

Eine Schale will ich sein
empfänglich für Gedanken des Friedens
eine Schale für Dich, Heiliger Geist
Ein Flussbett will ich sein
empfänglich für das Wasser der Güte
ein Flussbett für Dich, Heiliger Geist

Anton Rotzetter

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