Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der richtige Tag zum Leben

Matthäus 22,2–5 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu rufen; doch sie wollten nicht kommen. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft.


Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 22,1–14.  Von Georg Maile

Georg Maile ist Pfarrer in Bad Schussenried.


Manchmal stehen sich Menschen selbst im Weg. Erwartungen an andere führen zu Enttäuschungen: wie soll jemand das erfüllen, was ein anderer sich wünscht. Oder jemand wird vor den Kopf gestoßen mit den Worten: Das hättest du doch wissen müssen. Gut gemeinte Ratschläge erweisen sich als nicht gerade förderlich für den mitmenschlichen Umgang. Das Reden miteinander übereinander hat oft den einzigen Zweck, sich selbst in ein besseres Licht bringen zu wollen. Wie oft wird über Menschen schlecht geredet. Würden wir das, was wir über andere sagen, es Ihnen auch direkt ins Gesicht, also von Angesicht zu Angesicht sagen? Klar, wenn sich jemand über mich geärgert hat, ist es mir lieber, sie oder er sagt es mir in einem direkten Gespräch, als dass ich es von anderen erfahre.

Oft sind es auch die Gedanken, die sich um ein und dieselbe Sache drehen, ja, manchmal stehen sich die Menschen selbst im Wege. Paul Watzlawick hat in seinem Buch „Anleitung zum Unglücksein“ Folgendes geschrieben: „Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er ‚Guten Tag‘ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ‚Wissen Sie was, behalten Sie doch Ihren Hammer.‘“

Manchmal stehen sich Menschen selbst im Wege und entscheiden gegen die Vernunft. So auch die geladenen Gäste beim „königlichen Hochzeitsmahl“. Unverständnis beim König: Wieso freuen die Menschen sich nicht, ein tolles Fest zu feiern? Alles ist vorbereitet, ihr braucht nur zu kommen und eure gute Laune wird das Fest zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Aber nein, Absage über Absage, sogar Gewalt mit Todesfolge wird in dem Gleichnis erwähnt.

Der Evangelist Matthäus schaut auf über 40 leidvolle Jahre zurück. Wer sich öffentlich zum christlichen Glauben bekannte, wurde als Märtyrer gesteinigt und getötet, die römische Besatzungsmacht unter Titus zerstörte im Jahre 70 den Tempel und die Stadt und Flavius Josephus berichtet über schreckliche Szenarien, die sich in Jerusalem abgespielt haben.

Kein Wunder, dass diese Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle Einzug gehalten haben in das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. Nie und nimmer hat Jesus diese Worte gebraucht, höre ich meine innere Stimme sagen. Die Erzählung vom barmherzigen Samariter redet von tätiger Nächstenliebe auch über verfeindete Gruppierungen hinweg, im Gleichnis vom verlorenen Sohn lernen wir den liebenden Vater mit einem weiten Herzen kennen und in der Bergpredigt lesen wir, dass für Jesus die Feindesliebe genauso wichtig war wie die Nächstenliebe.  Ich spüre Wut und große Enttäuschung bei Matthäus, aber auch Hoffnung und Zuversicht, dass, wenn die einen nicht kommen mögen, andere ihren Platz einnehmen werden. Die Einladung zu einem glücklichen Leben gilt allen Menschen.

Übrigens in vielen Gesprächen und Begegnungen, die wir haben, mischen immer Erfahrungen und Gefühle mit. So kommt es oft zu Projektionen und zu Missverständnissen. Diese Erkenntnis hilft, das Gesagte, Gehörte oder Geschriebene in ein gesundes Verhältnis zu mir und zu meinem Gegenüber einzuordnen und daraus nie am Vergangenen stehen zu bleiben. Dalai Lama hat einmal geschrieben: Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist gestern, der andere morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Leben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist.


Gebet
Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine
vom anderen zu unterscheiden.
Amen.

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