Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Falken lieben ihre Kirche

OSTELSHEIM (Dekanat Calw) – Umwelt- und Naturschutz haben in der Kirchengemeinde Ostelsheim einen hohen Stellenwert. Seit vielen Jahren sorgt ein eigener Umweltausschuss dafür, dass Energieeinsparungen, umweltfreundlicher und fairer Einkauf und der Schutz des Lebensraums von Insekten und Vögeln gepflegt, betreut und weiterentwickelt werden. 

"Lebensraum Kirche" mit brütenden Falken. (Foto: Anette Selter-Gehring)

Ziel ist es, möglichst viele Menschen für den Schutz der Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung zu sensibilisieren. Ein besonders schönes Beispiel für die Früchte, die die Arbeit des Umweltteams trägt, sind die Turmfalken, die im Kirchturm brüten und die über eine über dem Nistkasten installierte Funkkamera „federnah“ beobachtet werden können.

Die Falken im Ostelsheimer Kirchturm faszinieren Rolf Rempp seit über 50 Jahren. Sein Elternhaus befindet sich unterhalb der Ortskirche und mit dem scharfen „kikiki“ der Turmfalken wuchs er auf. Der  durchdringende Ruf der Greifvögel ließ seinen Blick immer wieder hinauf zum Turm wandern, wo er vor der Kulisse der Kirche die akrobatischen Flugspiele der erwachsenen Falken und die ersten ungeschickten Versuche des Nachwuchses beobachtete.

Inzwischen ist Rempp, der auch heute in Nachbarschaft zur Kirche lebt, im Ruhestand. Die Liebe zur Natur, speziell seine Faszination für Vögel, ließ ihn seit seiner Kindheit nicht los. Seit über 40 Jahren engagiert er sich beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) und war von Beginn an ein aktives Mitglied des Umweltteams der Kirchengemeinde Ostelsheim, das 2007 ins Leben gerufen wurde.
Eine der ersten Aufgaben des neu gegründeten Teams war es, Umweltleitlinien für die Bereiche Heizen, Strom, Abfall, Verkehr, Lärm, Büro, Einkauf, Naturschutz, Gefahrenstoffe und Arbeitssicherheit zu erstellen. Bereits 2008 wurde der Kirchengemeinde  Ostelsheim dafür das Zertifikat „Grüner Gockel“ verliehen, das in der Folge regelmäßig überprüft und die Maßnahmen fortgeschrieben wurden.
Die Urkunde „Lebensraum Kirche“, die vom Naturschutzbund Deutschland für besonderes Engagement im Natur- und Artenschutz vergeben wird, erhielt Ostelsheim 2010. Neben einem Aufstiegsschacht, der Fledermäusen einen Zugang zu ihrem Winterquartier im Kirchturm verschafft, wurden Nistkästen für Mauersegler installiert, die seither jedes Jahr belegt sind, es gibt ein Wildbienen- und Insektenhaus, das im Garten des benachbarten Gemeindehauses gemeinsam mit Konfirmanden errichtet wurde und im angrenzenden Pfarrgarten wurden Nistkästen für Höhlenbrüter aufgehängt.

Einen Nistkasten für Turmfalken gibt es im Gebälk des rund 700 Jahre alten Kirchturms schon seit Jahrzehnten und wird, so die Beobachtungen von Rempp, auch fast jedes Jahr genutzt. Neu ist die Funkkamera, die es allen Interessierten ermöglicht, am Computer das Geschehen im Nistkasten  live zu beobachten. „Das erste Ei lag an Karfreitag im Nest und an Himmelfahrt ist das erste Küken geschlüpft“, freut sich Rolf Rempp, der die Falkenfamilie regelmäßig beim Brüten, Füttern und der Aufzucht beobachtete und sich auch die ersten Flugversuche der nun fast flüggen fünf Jungvögel nicht entgehen ließ.

Darüber hinaus hat er jede Woche in die Kirche eingeladen, wo das Geschehen auf der Leinwand mittels Beamer live übertragen wurde und Rempp den Zuschauern viel Wissenswertes über die Greifvögel zu berichten wusste. Ermöglicht wurde die Installation der Funkkamera durch die Teilnahme an einem Nachhaltigkeitswettbewerb des Umweltministeriums Baden-Württemberg, die 2015 mit einem Anerkennungspreis in Höhe von 2000 Euro belohnt wurde.

Aus diesen Mitteln wurde die alte Brutkiste erneuert und die Funkkamera angeschafft und eingebaut. Alle zwei Minuten wird dort nun ein Foto gemacht, das im Internet übertragen wird und im Zeitraffer abgerufen werden kann.

Für das Pfarrerehepaar Jochen Stolch und Heike Ehmer-Stolch war das bereits bestehende Umweltengagement ein wichtiges Argument, als sie sich in Ostelsheim bewarben. „Unser nachhaltiges Umweltmanagement funktioniert deshalb so gut, weil es Menschen gibt, die sich kontinuierlich darum kümmern“, sagt Jochen Stolch. Derzeit gehören neben Rolf Rempp auch Wilfried Novak, Rolf Henes und Martin Schwarz dem Umweltteam an. „Jeder bringt sich mit seinen Interessen und fachlichen Qualifikationen ein“, lobt der Pfarrer die Aktivitäten aus denen 2016 auch die Auszeichnung als „Faire Kirchengemeinde“ folgte.

Dazu ist es ein Anliegen der Mitglieder des Umweltteams, ihre Mitmenschen für die Schönheit der Schöpfung und die Aufgabe, sie zu bewahren, zu sensibilisieren. Regelmäßige Informationen, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen und Gottesdienste tragen ebenso dazu bei wie die Erntebetstunde, ein Gottesdienst zum „Tag der Schöpfung“, der monatliche Verkauf von Eine-Welt-Produkten nach dem Gottesdienst, Korken-, Handy- und CD-Recycling und das jährliche Pflanzen eines Baumes mit den Konfirmanden.

„Wir hoffen, dass das eine Strahlkraft nach außen hat“, so Stolch, der sich darüber freut, dass auch der Umweltbeauftrage der Landeskirche auf das Ostelsheimer Falken-Projekt aufmerksam wurde und den Hinweis zur Nistkastenkamera auf der Homepage verlinkt hat.

Die Übertragung im Internet ist unter www.cloudic.de/turmfalken/zeit raffer/zeitraffer.php im Zeitraffer zu sehen.

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