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Die Freier künftig bestrafen

Die Landessynode hat sich eindeutig für ein Verbot von Sexkauf in Deutschland ausgesprochen. Freier müssten bestraft und Prostituierte geschützt werden, heißt es in dem Antrag, der mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Vorbild ist die Gesetzgebung in Schweden. 


Im Hoffnungshaus in Stuttgart finden Prostituierte Anprechpartner. (Foto: Werner Kuhnle)


„Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Es geht um 400.000 Frauen im Land.“ So begann Franziska Stocker-Schwarz als Vorsitzende des Ausschusses für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit ihren Bericht vor den Synodalen. Sie rief die Synode dazu auf, sich für ein Sexkaufverbot und eine Freierbestrafung nach schwedischem Muster einzusetzen. Dass Menschen zum Konsumartikel degradiert werden, sei menschenunwürdig. Dass der Gesetzgeber durch das Prostituiertengesetz den Frauen mehr Rechte und Selbstbestimmung sichern wollte, sei zwar lobenswert, aber gescheitert. Daher sei ein Perspektivwechsel hin zu den Konsumenten nötig. Das Unrechtsbewusstsein müsse bei den Käufern und Konsumenten gestärkt werden, um so der Kriminalität und der Verletzung der Menschenwürde Einhalt zu gebieten.

„Prostitution ist kein Beruf und keine Dienstleistung wie jede andere“, sagte  Franziska Stocker-Schwarz. „Denn es findet im wahrsten Sinne des Wortes ein Eindringen in die tiefste Persönlichkeitssphäre der Frauen statt.“ Die Freier müssten daher mit der gesellschaftlichen Unerwünschtheit ihres Verhaltens konfrontiert werden.

In Schweden sei der Kauf von Sexdienstleistungen 1998 unter Strafe gestellt worden. Seither habe sich die Prostitution dort halbiert. In Deutschland dagegen sei Prostitution lange Zeit als sittenwidrig eingestuft worden, so dass die Frauen auch keine Rechtsansprüche zum Beispiel auf Bezahlung hatten. Dies habe sich nun durch das Prostituiertengesetz geändert, gehe aber nicht weit genug. Der Ausschuss habe deutlich gemacht, dass Sexualität und der menschliche Körper keine Ware seien, berichtete Franziska Stocker-Schwarz.

Klare Worte fielen anschließend auch in der Aussprache: Tabea Dölker (Lebendige Gemeinde) fragte sich, wo die Menschenwürde bleibe, wenn der Körper zu flatrate-Konditionen gehandelt werde. Sie beklagte, dass die betroffenen Frauen vielfach Gewalt schon in der Kindheit und Jugend erlebt hätten. Es sei kein Wunder, dass bei ihnen posttraumatische Belastungsstörungen häufiger auftreten als bei Soldaten im Kriegseinsatz. Die Synode solle daher Nein sagen zur Schändung von Frauen, sagte sie und verwies darauf, dass in Deutschland pro Tag eine Million Männer zu einer Prostituierten gingen, von denen 60 Prozent eine Partnerin hätten.

Waltraud Bretzger von der Offenen Kirche betonte die Wichtigkeit der Freierbestrafung. „Denn was nicht nachgefragt wird, wird auch nicht produziert“, sagte sie. Sie zeigte sich erschüttert darüber, dass die junge Generation durch Hardcore-Pornos aufgeklärt werde und dies dann für normal halte. „Die Würde des Menschen ist antastbar und käuflich geworden“, beklagte sie.

Angelika Klingel  von der Offenen Kirche sagte, Prostitution sei nicht das älteste Gewerbe der Welt, sondern „die älteste Menschenrechtsverletzung der Welt“. Deutschland sei inzwischen das Prostitutionsland Nummer eins geworden.  Und viel Geld können die Frauen dadurch auch nicht verdienen, um sich aus einer wirtschaftlichen Not zu befreien. „Sie müssen zehn Kunden bedienen, um die Miete für einen Tag bezahlen zu können.“ Die Einstiegsgründe der Frauen seien daher auch nicht freiwillig, betonte Marina Walz-Hildenbrand von der Offenen Kirche. Von Selbstbestimmung könne keine Rede sein, eher schon von bezahlter Vergewaltigung, wie es eine Betroffene ihr gegenüber formuliert habe.

Johannes Eißler von Evangelium und Kirche stellte daher fest, dass die Landessynode hier eine Debatte anstoßen müsse. Elke Dangelmaier-Vincon (Offene Kirche) lenkte den Blick darauf, dass es nicht nur um die ausgebeuteten Frauen gehe, sondern kritisierte, dass generell jedes Mädchen sich auf seinen Marktwert taxieren lassen müsse. Götz Kanzleiter  von Kirche für morgen regte an, dass es dann aber auch Anlaufstellen für Männer geben müsse, wo diese sich aussprechen könnten.

Ein weiterer Antrag wurde in die Ausschüsse verwiesen: nämlich die bestehenden Initiativen und Institutionen wie das Café Strichpunkt oder das Hoffnungshaus in Stuttgart auszubauen und zu erhalten und dafür beispielsweise 50.000 Euro pro Jahr zur Verfügung zu stellen.

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