Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einfach alles gemeinsam

MARBACH – Es gibt sie in vielen Gemeinden, doch nach außen hin sind sie oft wenig bekannt: Hauskreise. Der von den Missionarischen Diensten organisierte Landeshauskreistag lud nun an mehreren Orten der Schillerstadt zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch ein. 


Die Mittagspause nutzen die Teilnehmer zum Stöbern und Informieren. (Foto: Susanne Müller-Baji)

Auf den Tischen der Stadthalle liegen Karten aus, die das Phänomen Hauskreis erklären mit einem Zitat aus „die neu:e reformation“ von Klaus Douglass: „Es gibt kein Medium, das geeigneter wäre, Menschen dabei zu helfen, zum Glauben zu kommen, im Glauben zu wachsen und ihren Glauben mit anderen zu teilen, als die Häuser der Christen.“ Grund genug, den Hauskreis ins Zentrum eines Aktionstags in Marbach zu stellen: Zum Auftakt mit einem gemeinsamen Gottesdienst, danach schließt der Vortrag „Martin Luther als Seelsorger – Impulse für Hauskreise durch reformatorische Erkenntnisse” von Professor Christian Möller an oder alternativ Workshops zum Thema.

Ein nicht zu unterschätzender Programmpunkt ist das gemeinsame Mittagessen, denn wo Gleichgesinnte zusammenkommen, da bleibt der Austausch und das Netzwerken nicht aus. Die Stuttgarterin Hildegard Seefers ist durch die Tischgespräche ins Grübeln gekommen: „Wir sind immer dieselben Leut’ im Kreis und das hat mir auch immer gefallen. Da ist einfach eine Vertrauensbasis da. Jetzt habe ich aber gehört, dass manche Gäste einladen und das klang auch interessant.“ Ob sie sich das auch in ihrer Runde vorstellen kann? „Ja und nein“, sagt die Seniorin nachdenklich, „ich kann es mir schlecht vorstellen. Aber man müsste es trotzdem mal ausprobieren, oder was meinen Sie?“

Nach dem Mittagessen dann wieder die Qual der Wahl: In der Stadthalle wird nun der langjährige Leiter der Missionarischen Dienste, Kirchenrat Werner Schmückle, aus dem Amt verabschiedet. In  der Alexanderkirche führt indessen Sabine Stängle im historischen Gewand als Margarethe von Savoyen durch die Zeit der Entstehung des Sakralbaus. Intensiv gearbeitet wird im Friedrich-Schiller-Gymasium, wo auch am Nachmittag wieder Workshops angeboten werden. Um den neuen Trend des kreativ gestalteten Bibeltagebuches ging es dabei ebenso wie um „Hauskreis und Kirchengemeinde – Gemeinde leben im Kleinen wie im Großen“.

Besonders unter die Haut geht der Workshop des Abstatter Pfarrers Thomas Stuhrmann: „Hauskreis – gemeinsam durch Leiden gehen.“ Gerade geht es darum, was die Teilnehmer derzeit am meisten beschäftigt: Wie soll man den Hauskreisfreund begleiten, der nun unheilbar erkrankt ist? Wie mit den Gebrechen des Alters klar kommen, „die ich an den anderen bemerke, aber auch an mir selbst“, wie es ein Mann gerade auf den Punkt bringt.

Eine Teilnehmerin erzählt vom plötzlichen Tod einer betagten Freundin: „Nachmittags war es noch so schön und abends ist sie gestorben.“ Doch genau das soll sie nun mitnehmen, sagt der Pfarrer: Dass es eben mittags noch schön gewesen, auch wenn sie abends gestorben sei. Ein Satz, der die Sichtweise verändert.

In einem anderen Klassenzimmer geht es gerade um die Frage, ob man seinen Hauskreis über das Internet vernetzen soll und so eventuell auch Gäste in seinen Reihen begrüßen möchte. Der Referent erzählt von seinen eigenen Erfahrungen: Die schönsten Treffen seien zu einer Zeit gewesen, als man eine junge Frau zu Gast gehabt habe, die durch ihre kritischen Fragen so manchen Denkprozess angestoßen habe – auf beiden Seiten: „Sie stand Kirche zunächst kritisch gegenüber und wurde später Diakonisse.“ Auch hier nehmen die Gäste gewiss Denkanstöße mit nach Hause.

Organisiert hat den Marbacher Landeshauskreistag Markus Munzinger, leitender Referent für Kirche im Grünen, Kleingruppen- und Hauskreisarbeit, ein Referat, das traditionell den Missionarischen Diensten zugeordnet ist. Der Landeshauskreistag findet alle zwei Jahre statt, 2015 kam man in Fellbach zusammen. Allerdings werde es die Veranstaltung in dieser Form wohl nicht noch einmal geben, gibt Munzinger zu bedenken.

Er sei unzufrieden mit dem Zuspruch insbesondere bei den Workshops nachmittags. Vielleicht werde man das Veranstaltungskonzept überarbeiten, von einer zentralen Messe abkommen und mehr in die Kirchenkreise gehen, sagt er: „Das ist weniger Aufwand und ich erreiche unter Umständen mehr Menschen.“

Ohnehin sei die Kleingruppenarbeit im Umbruch: Viele der Hauskreise, die schon in den 80er-Jahren entstanden seien, lösten sich allmählich auf. „Es entstehen auch neue, aber oft mit anderer Ausrichtung, in neuen Formen. Was wir unbedingt unterstützen, die Welt dreht sich schließlich weiter.“ Geschätzt 3500 Hauskreise gebe es derzeit in Württemberg, sagt Munzinger. Gemein sei allen das gemeinsame Gebet, das Gespräch über Persönliches und über biblische Inhalte. Alles weitere obliegt den Teilnehmern: Ob man bei den Treffen kocht, ein Buch oder einen Film bespricht oder auf einen Stadtrundgang mit geistlichen Impulsen geht  – alles ist möglich.

Zurück beim Landeshauskreistag: Im Foyer der Stadthalle wirbt die Zeltkirche für ihr Angebot und Elisabeth Glock stellt die Stiftung Marburger Medien vor. Es sei ein rundum lohnender Tag gewesen, mit schönen Gesprächen, erzählt sie begeistert. Hatte sich Munzinger auch unzufrieden gezeigt, der Zuspruch beim Kinderprogramm war erfreulich groß: Von einem Kindergottesdienst mit Martin Schelle vom Marbacher CVJM reichte es, über Spaghetti mit Tomaten- und Hackfleischsoße, bis zu einem Konzert mit Mike Müllerbauer. Nun am Nachmittag kommen alle wieder zusammen, Jung und Alt, bei Kaffee und Kuchen.

Was sind Hauskreise?
Ergänzend zu den meist sonntäglichen Gottesdiensten gibt es in vielen Gemeinden kleinere Treffen unter der Woche – Hauskreise oder Bibelkreise etwa –, die dem persönlicheren Austausch auf Augenhöhe dienen: Man kommt dazu meist in Privatwohnungen zusammen, betet, liest in der Bibel und tauscht sich auch mal ganz generell über Gott und die Welt aus.
Darüber hinaus können Hauskreise aber so unterschiedlich sein, wie die Menschen, die  zusammentreffen: Manche Gruppen kommen ohne vorgefasstes Thema aus, bei anderen bereitet ein Teilnehmer ein Impulsreferat zur Einstimmung vor. Bisweilen trifft man sich zu Kaffee und Kuchen oder sogar zum gemeinsamen Sport.
Einige Hauskreise sind äußerst homogene Gruppen, andere suchen regelmäßig den Impuls von außen und begrüßen deshalb auch gerne Gäste in ihren Reihen. Bisweilen initiieren die Kirchengemeinden oder -kreise auch solche Treffen bei Aktionen wie „Neu anfangen“. Um in Kontakt zu anderen Gleichgesinnten zu kommen oder einen passenden, bereits bestehenden Hauskreis zu finden, sollte man die Pfarrer ansprechen oder auf den gemeindeeigenen Internetauftritten nachschauen.

Termine
Am 11. November wird von 9.30 bis 17 Uhr ein Abendmahlskurs für Ehrenamtliche zur Austeilung des Abendmahls beispielsweise bei Zweitgottesdiensten, Hauskreisen oder Freizeiten angeboten. Veranstaltungsort ist das Marbacher Martin-Luther-Haus, Steinerstraße 4.
Am 10. März 2018 findet der Impulstag „Kleingruppe neu denken“ von 11 bis 15.30 Uhr beim CVJM in der Stuttgarter Büchsenstraße 37 statt, mit einem Einstiegsreferat von Pfarrer Alexander Gard und Workshops am Nachmittag.
Weitere Auskunft unter Telefon 0152-33774952 oder per E-Mail markus.munzinger(at)elk-wue.de


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