Christliche Themen für jede Altersgruppe

Freiheit und Zukunft

SÜSSEN (Dekanat Geislingen) – Die digitale Heizungstechnik macht ihm keine Probleme. Das Telefonieren schon eher. George Baylouni, Flüchtling und Christ aus Syrien, hat in Süßen die Hausmeisterstelle am evangelischen Gemeindezentrum übernommen – und fühlt sich wie im Paradies. 


George Baylouni fühlt sich in Süßen "wie im Paradies" (Foto: Claudia Burst)

Den Gemeindesaal für Veranstaltungen vorbereiten. Hecken schneiden und Rasen mähen. Die Heizung zum Laufen bringen, wenn sie mal wieder spinnt. In zwei Kindergärten nach dem Rechten sehen. Die Aufgaben für George Baylouni als Hausmeister am evangelischen Gemeindezentrum in Süßen sind vielfältig. Der 31-jährige Syrer mag das und kommt mit den Herausforderungen gut zurecht. „Das Einzige, das ich schwierig finde, ist telefonieren“, bekennt der junge Mann in sehr gutem Deutsch. Erst vor zwei Jahren kam er in Deutschland an. Am Telefon redeten die Leute aber meistens schnell und sehr schwäbisch, da müsse er sich ausgesprochen konzentrieren. „Aber es klappt immer besser“, fügt er hinzu und lächelt.

George Baylouni ist rum-orthodoxer Christ. Das entspricht in etwa dem griechisch-orthodoxen Christentum, wird jedoch in den Gegenden des einstigen „Ostroms“ so gelebt und genannt. Mit seiner Familie wohnte der Syrer in einem christlichen Viertel in Damaskus – bis der IS kam.

Aus Angst und auf der Suche nach Freiheit und Frieden für sich und seine Familie flüchtete er allein über den Libanon, die Türkei und Griechenland bis nach Deutschland. Er landete in Meßstetten, dann in Ulm. Um sich dort zu beschäftigen, half George Baylouni dem Hausmeister der katholischen Kirche St. Michael zu den Wengen, wo immer dieser ihn brauchte. „Ich war schon bei uns in Damaskus ehrenamtlich Hausmeister in der Kirche“, erzählt er. Das sei der Grund gewesen, weshalb er auf diese Aufgabe kam.

Eigentlich ist der Familienvater Goldschmied. Und Schreiner. Letzteres hat er bei seinem Vater gelernt. „Ich habe viele Intarsienarbeiten gemacht“, berichtet er und beherrscht selbst dieses Wort in Deutsch.

Beide Berufe hätten ihm Spaß gemacht und er sei auch gut darin gewesen, konstatiert Baylouni, ohne deshalb im geringsten eingebildet zu wirken.

Weil er in Ulm keine Wohnung fand, verschlug es ihn nach Göppingen. Um Deutschland, die Deutschen und ihre Gebräuche und Gepflogenheiten richtig kennen zu lernen, lernte er nicht nur die Sprache in den Volkshochschulen in Ulm und in Göppingen. Der Syrer ging in die Stadtmitte, in die Kaufhäuser, wie er sagt, beobachtete die Menschen und redete mit ihnen. „Ich habe fremde Menschen angesprochen, sie gefragt, wie der Gegenstand auf Deutsch heißt oder was ein anderer ist“, berichtet er. Auch sei er auf die vielen deutschen Feste gegangen. „Ich habe geschaut, wie sich die Deutschen verhalten und habe dasselbe gemacht.“ George Baylouni lacht herzlich. So habe er zum Beispiel Leberkäswecken, Rote Bratwurst und Kartoffelsalat kennen gelernt. Ihm schmeckt das richtig gut – aber am liebsten mag er die schwäbischen Spätzle. „Sehr sehr lecker“, sagt er.

Im März erhielt er über die Berufsbildungs-gGmbH eine Praktikumsstelle bei Thomas Pernet, dem bisherigen Hausmeister der evangelischen Gemeinde in Süßen. Weil der auf Ende Juni gekündigt hatte, war seine Stelle in der Zeitung ausgeschrieben. „Er hat mir alles gut gezeigt und mir sehr geholfen“, erzählt der Syrer von seiner Praktikumszeit. Dabei hat er sich richtig gut angestellt. „Herr Pernet hat ihn uns als Hausmeister wärmstens empfohlen“, sagt Pfarrerin Michaela Köger zur Bewerbung Baylounis auf die ausgeschriebene Stelle. „Außerdem war er der Einzige, der bereit war, in die Hausmeisterwohnung zu ziehen“, fügt sie hinzu. Ein Argument, das wichtig sei, weil ein Hausmeister während der Veranstaltungen bei Problemen ansprechbar sein oder nach einer Veranstaltung nach dem Rechten sehen sollte.

George Baylouni ist über die Wohnung überglücklich. „Sie gefällt mir sehr“, sagt er. Da seine Frau Sara und seine beiden Jungs Abdul Masih und Mechel im Februar zu ihm nach Deutschland nachkommen durften, fühlt er sich mit ihnen in Süßen jetzt „wie im Paradies.“ Mit seiner Familie redet er zu Hause deutsch, sagt er und übersetze das Gesagte erst danach ins Arabische, damit alle möglichst schnell deutsch lernten. Söhnchen Abdul Masih höre dieselbe Sprache ja auch im Kindergarten. Und zum Glück fühle sich seine Frau hier sehr wohl und sei interessiert am Lernen der Sprache.

Am 1. Juni fing der Syrer auf seiner Arbeitsstelle an, am 2. Juli wurde er offiziell mit einem Gottesdienst eingesetzt. „Es war ein sehr schöner Gottesdienst. Mit gefällt, wie hier Gottesdienste gefeiert werden. Anders als bei uns. Klar. Aber wichtig ist, dass Gott und Jesus Christus im Mittelpunkt stehen.“

Dass er seine Heimat vermisst, leugnet er nicht. „Natürlich“, sagt er, aber seine Zukunft sei jetzt Deutschland. „Hier ist Freiheit“, begründet George Baylouni, „und eine viel bessere Zukunft für meine Kinder, für mich und die ganze Familie.“

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