Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gotteshäuser erkunden

STUTTGART-ZUFFENHAUSEN – Es war ein Experiment: katholische, evangelische und freikirchliche Christen luden zusammen mit der Moschee-Gemeinde zu einem „Spaziergang der Religionen“. Der Besuch in den verschiedenen Gotteshäusern fand Anklang: Es kamen über 50 Teilnehmer.


Ob Moschee oder katholische Kirche: Besucher des Spaziergangs der Religionen haben sich auf eine besondere Reise eingelassen. (Foto: Werner Kuhnle)


Es war eine ganz besondere Idee: Gemeinsam und über Religionsgrenzen hinweg sollten Interessierte die Gotteshäuser und die dazu gehörenden Gemeinschaften kennenlernen. Der evangelische Pfarrer Dieter Kümmel hatte den ersten Spaziergang der Religionen gemeinsam mit dem Vorstand der Islamischen Gemeinde, Mucip Geyik, ins Leben gerufen. Dass dann 50 Frauen, Männer und Jugendliche kamen, hat Kümmel überrascht: „Damit hab ich nicht gerechnet.“

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Lob gehört Allah, dem Herrn der Welten, dem Allerbarmer,  dem Barmherzigen, dem Herrscher am Tag des Gerichts. Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe.“ Auf Knien, den Körper Richtung Mekka gerichtet, betet Mucip Geyik Sure 1 aus dem Koran zur Begrüßung der Teilnehmer. Er betet so, wie immer, auf Arabisch. Die Frauen, Männer und Jugendlichen haben in der Moschee der örtlichen Islamischen Gemeinde auf den Teppichen oder auf Stühlen Platz genommen. Ein paar Frauen haben ein Tuch über den Kopf gelegt. Vorstand Geyik würdigt das: „Ich weiss nicht, wie Sie vorbereitet sind, aber wenn Sie es wissen mit dem Kopftuch, dann ist es gut“.

Eine Teilnehmerin kommentiert: „Die Katholischen unter uns wissen, dass bei der Audienz beim Papst die  Frauen auch den Kopf bedecken.“ Der Koran und die Rolle der Frauen scheinen ein Thema für Fragen zu sein und diesmal auch konkret, warum auch in dieser Moschee Frauen und Männer getrennt beten. „Wir beten körperlich“ ,sagt der Vorstand, und dass es „für vor allem für junge Männer nicht zumutbar“ sei, gemeinsam mit Frauen zu beten.

Geyik ist gläubiger Sunnit. Und er ist überzeugt: „Nur weil Mohammed in der Spätantike in den Krieg gezogen ist, muss ein Muslim heute nicht auch in den Krieg gehen und töten.“ Religion sei „kein gutes Mittel zur Mobilisierung in Krisengebieten“. Nur ungern verlassen die Spaziergänger die Moschee mit ihrem lebhaften Vorstand; zu viele Fragen hätten vor allem angesichts der religiösen Debatten in der Flüchtlingspolitik noch angestanden.

Fünf Stationen sind die Teilnehmer des „1. Zuffenhäuser Spaziergangs der Religionen“ angelaufen. In der Martin-Luther-Kirche der Baptisten wurden die Spazierenden durch Pastor Volker Schmidt empfangen. Die Taufe, so ein Glaubensdekret der Baptisten, sei nur biblisch, also gültig, wenn sie an Menschen gespendet werden, die deren Sinn verstünden. Eine Mutter, die mit ihrer schwer behinderten Tochter am Spaziergang teilnahm, konnte da nur mit dem Kopf schütteln. „Dieses Taufverständnis mit seiner Willentlichkeit hat da wohl seine Grenzen“, meint denn auch Pfarrer Dieter  Kümmel.
Die Neuapostolische Gemeinde wird durch Apostel geleitet. Sie versteht sich als Nachfolger der Apostel Christi und sind also alle Männer. „Können auch Frauen Apostel sein?“ „Nein.“ Gleichwohl werde das Thema „Frauen im Amt“ diskutiert. Erschwerend mag die globale Verbreitung der Kirche sein. „Was in Europa möglich scheint, ist in afrikanischen Ländern oder muslimisch geprägten Kulturen undenkbar“, sagt ein Mitglied der Gemeinde.

Ähnlich also wie in der katholischen Kirche, die als vorletzte Station angelaufen wurde. Pfarrer Manfred Griesbeck, zuständig für vier katholische Gemeinden in Stuttgart, ließ seine Kirchengemeinde St. Antonius zunächst durch Joy Alemazung  vorstellen. Der Kirchenlaie und im bürgerlichen Beruf promovierte Politikwissenschaftler gestand, schon als Kind gern mit dem Vater in die Kirche gegangen zu sein.  „Nur Priester dürfen die Eucharistie feiern, ansonsten gibt es Wortgottesdienste“, erklärte Alemazung.  Unerklärlich erschien Nichtkatholiken, wie in dem als heilige  „Wandlung“ bezeichneten priesterlichen Akt „Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi“ werde. „Daran glauben wir, das ist unser Geheimnis“, sagte eine Frau. Und in der Kirche werde schon auch geklatscht, sagt ein Gemeindemitglied.

Glauben des anderen erzählen, sich befragen lassen: Dieser Intention des Spaziergangs gingen die Teilnehmer gern  nach. Und auch wenn Mucip Geyik gewiss nicht zum ersten Mal von der katholischen Kirche gehört hatte – dass Katholiken gleich zweimal im Jahr fasten und Rosenkranz beten, erstaunte ihn dann doch. „Islam und Christentum haben vieles gemeinsam“, sagte er. Mit einem öffentlichen Gebet vor der Pauluskirche schloss der Spaziergang. „Wir sind oft blind gegenüber dem Eigenen“, sagt Pfarrer Dieter Kümmel.

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