Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gute Argumente

Lukas 11, 14–23 (in Auswahl)  Und er trieb einen Dämon aus, der war stumm. Und es geschah, als der Dämon ausfuhr, da redete der Stumme, und die Menge verwunderte sich. Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Dämonen aus durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen. Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. 

Impuls für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr: Lukas 11, 14–23.  Von Thomas Oesterle 


Thomas Oesterle ist Pfarrer in der Pauluskirche in Schorndorf.


Jesus hat direkt vor dieser Szene unvergessliche Worte gesprochen. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“. Aber was ist denn, wenn ein Mensch nicht mehr bitten kann, weil ein Dämon ihn stumm gemacht hat?
Von einem solchen Menschen wird erzählt. Als Jesus sein befreiendes Wirken beendet hat, kann der Mensch plötzlich wieder reden, denn der stumme und stumm machende Dämon ist nun weg. Der Mensch kann Gott wieder bitten, ihn suchen und an seiner Türe anklopfen. Die Gegner Jesu staunen nicht schlecht. Doch dieses Staunen ist nur der Anfang einer gefährlichen öffentlichen Beschuldigung. Sie behaupten, Jesus könne nur deshalb den armen Menschen befreien, weil er selbst über den Oberteufel gebieten könne.
Es ist verblüffend, wie Jesus jetzt vorgeht. Er reagiert nicht mit zornigem Geschrei auf diesen Vorwurf. Er argumentiert klug und bildhaft, präzise und überzeugend. Er zeigt auf, was für eine Dummheit es wäre, wenn im Reich des Teufels einer gegen den anderen kämpfen würde. Die römischen Besatzer haben schon früh gewusst, dass man einen Gegner dann überwindet, wenn man ihn uneinig macht. Deshalb war ihr Motto: „Teile und herrsche.“
Wie schwach wird bis heute unsere Kirche dort, wo sie untereinander streitet. Sie beschäftigt sich dann zu sehr mit sich selbst und hat folglich der sie umgebenden Welt nichts zu sagen.
Jesus begegnet den Angriffen auf seine Person auf argumentierende Weise und er zeigt damit, dass Christen gut daran tun, ihre Sache mit den Mitteln des Verstandes voran zu bringen. Und dann erklärt Jesus, warum er in der Lage ist, Dämonen hinauszuwerfen. Das Böse ist stark und gewappnet, wohl organisiert und auf die Verteidigung seines Herrschaftsbereiches in der Welt vorbereitet. Es will nicht Unfrieden, sondern Einigkeit in seinem Reich. Deshalb, sagt Jesus, muss ein Stärkerer kommen. Und dieser Stärkere ist der Heilige Geist, den Jesus als den Finger Gottes bezeichnet. Er ist die Speerspitze gegen das Böse in der Welt.
Jesus sagt deutlich, dass hier um das Menschenherz und diese Welt gerungen werden muss. Er braucht für sein erlösendes und die Dämonen überwindendes Handeln Menschen, die aus dem Vertrauen leben. Menschen, die sich ermutigen lassen, vom Kommen und Eingreifen des Heiligen Geistes her zu leben. Es ist ein guter Anfang, wenn man dazu wieder das Bitten und Beten lernt. Ein weiterer Schritt kann es sein, der Liebe nachzufolgen, mit der Jesus sich dem Besessenen zugewandt hat. In wie vielen Situationen genügt es mit ein wenig Zuwendung Menschen von dem zu befreien, was sie quält und sprachlos macht. Jesus benennt noch ein drittes Element, um Dämonen zu vertreiben. Wer nachfolgt, der widersteht der Zerstreuung. Für mich hat das griechische Wort, das an dieser Stelle steht, eine sehr moderne Bedeutung. Wir leben inmitten einer wachsenden Zahl von Medien und Kommunikationsplattformen und erfahren immer mehr Zerstreuung. Statt sich geistig zu sammeln und zu konzentrieren, beherrscht uns Schnelligkeit und Oberflächlichkeit. „Wir amüsieren uns zu Tode“ hat ein amerikanischer Medienkritiker einmal gesagt. Das ist eine große Gefahr für das Christentum. Denn es kann nur in einer Kultur leben, in der es nicht verpönt ist, sich länger gedanklich um eine Idee zu bemühen. Wir brauchen Sammlung und Konzentration. Jesus will uns so auf das eine Ziel ausrichten, das im Zentrum seiner Verkündigung steht: Auf das Kommen des Reiches Gottes.


Gebet
Herr, schenke uns Ruhe, so dass wir uns auf das
Wesentliche im Leben konzentrieren. Schenke uns
Einheit, dass Streit uns nicht voneinander und von
dir trennt. Schenke uns einen festen Glauben, mit
dem wir für das Gute in der Welt eintreten.








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