Christliche Themen für jede Altersgruppe

In aller Freiheit

Matthäus 21,28–32 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin. Und der Vater ging zum andern Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. Denn Johannes kam zu euch und wies euch den Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr‘s saht, reute es euch nicht, sodass ihr ihm danach geglaubt hättet.

Zum Predigttext für den 11. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 21,28–32.  Von Bärbel Barthelmeß


Bärbel Barthelmeß ist Pfarrerin in der Christuskirche in Ulm.


Der Wind frischt in Böen auf, wie schon so häufig in diesem Sommer. Regen kündigt sich an. Auf dem Kirchplatz dreht sich die Beachflag in ihrem Ständer  mit dem Wind. Die Beachflag ist eine bedruckbare Fahne, mit der man auf etwas aufmerksam machen kann und die starkem Wind und Regen standhält.

„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“  (2. Korinther 3,17) steht auf ihr, das Motto für das Reformationsjubiläum. Und wie sie sich so im Wind dreht und dreht und dreht, scheiden sich an ihr die Geister: Manche assoziieren mit diesem modernen Werbebanner „Das Fähnchen nach dem Wind hängen“. Und genau das soll die biblische Botschaft und Kirche nicht sein. Sie soll verlässlich sein, fest gegründet auf dem Eckstein, den die Bauleute verworfen haben.

Ich sehe es eher gelassen, eben „in aller Freiheit“, die Gott mir schenkt und die er mir zumutet.

Im Gleichnis vom Vater mit den zwei ungleichen Söhnen geht es im Grunde genau darum: Gott lädt in aller Freiheit zur Mitarbeit in seinem Weinberg, in seiner Gemeinde ein. Auch wenn man, wie vielleicht der Sohn in pubertären Anwandlungen, zunächst ein trotziges „Ich will nicht“ oder ein „Jetzt trete ich aus“ hervorbringt, man hat doch die Chance, seinen Sinn zu ändern. Und damit ist das ursprüngliche griechische Wort vielleicht besser wiedergegeben als mit „bereuen“. Das ist eine großartige Sache, denke ich. Man ist und bleibt nicht festgelegt auf das, was man einmal zu einer bestimmten Zeit in seinem Leben für sich als richtig oder wahr beschlossen hat. Die Zeiten und Gegebenheiten ändern sich, und ich mich in ihnen. Diese Freiheit schenkt er mir.

Das gilt für den ersten Sohn gleichermaßen wie für den zweiten. Wie oft sagt man gerade bei kirchlichen Amtshandlungen  „Ja, und Gott helfe mir.“ Bei der Taufe, bei der Konfirmation, bei der Trauung. Aber nicht immer kann ich ermessen, was mit diesem „Ja“ eigentlich verbunden ist. Es heißt, ein Kind auf seinem Lebensweg durch dick und dünn zu begleiten und es mit Gott und der Welt und seiner Kirche vertraut zu machen. Es bedeutet, auf diesem christlichen Lebensweg als Heranwachsender und Erwachsener zu bleiben, trotz Kirchensteuer, persönlicher Enttäuschungen oder unschöner Skandale. Es nimmt den Brautleuten das Versprechen ab, einander zu lieben und zu ehren, bis der Tod sie scheidet.

Aus der Fülle der Lebensentwürfe und Wahlfreiheiten soll ich meine Entscheidung mit einem „Ja“ kundtun und diesem „Ja“ Taten folgen lassen. Eine beängstigende Verantwortung, wenn man es ernst nimmt. Aber diese Freiheit mutet mir Gott zu.

Immer noch dreht sich die Beachflag im Wind und dreht sich und dreht sich. Für mich ein Symbol, dass in meinem Leben nichts so bleiben muss, wie es momentan ist. Für mich ein Symbol, dass Gott mich immer wieder aufs Neue einlädt, meinen Sinn zu ändern auf ihn hin.

Gebet

Barmherziger Vater,
so groß ist deine Liebe, dass du uns reicher
beschenkst, als wir erwarten.
Du hast uns einen freien Willen gegeben.
Es ist gut zu wissen, dass wir in aller Freiheit
Entscheidungen treffen können, aber auch die Chance auf eine Umkehr haben.
Zu unserem „Ja“ gibst du dein „Ja“ und nimmst uns so an wie wir sind.
Jedes Mal wieder aufs Neue.

Amen.












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