Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jung und Alt an einem Tisch

 

STUTTGART-STAMMHEIM – Märchenstunde, Bewegungsspiele, gemeinsames Malen mit Menschen mit Demenz, Gärtnern und Backen, Weihnachtsfeier, Sommerfest, ein temporäres Eiscafé, Generationenfrühstück und gegenseitige Spontanbesuche: Im Generationenhaus Stammheim gehören Begegnungen über die Altersgrenzen hinweg zum Konzept.  Von Julia Lutzeyer

Alle Köpfe auf gleicher Höhe? Nicht bei den Tafelrunden im Luise-Schleppe-Haus. Wer die Teilnehmenden des monatlichen Generationenfrühstücks in der Einrichtung der Evangelischen Altenheimat erfassen möchte, lässt seinen Blick am besten im Zickzack von Platz zu Platz schweifen. Denn in dem lichtdurchfluteten Speisesaal sitzt eine ganze Menge Dreikäsehoch samt Erzieherinnen zwischen den Bewohnern des Seniorenheims. Wie die auf zwei Standorte verteilte Kindertagesstätte gehört das Luise-Schleppe-Haus wie auch das nahe Schloss mit dementen Bewohnern zum Generationenhaus im Stuttgarter Stadtteil Stammheim und ist über Gänge direkt mit einem Teil der Kita verbunden.
Der erste Eindruck von der Schar im Speisesaal täuscht darüber hinweg, dass die jungen Gäste hier sogar in der Überzahl sind. Schließlich gehen die Knirpse im Alter von bis zu drei Jahren in der Gruppe der älteren Semester mit ihren Rollstühlen und Rollatoren optisch fast unter.
Auf Anhieb lässt sich erkennen, dass die Geschmäcker verschieden sind: Während die Kita-Kinder fast immer in ein Brötchen mit Nussnougat-Aufstrich beißen, belegen die Senioren ihre Brotscheiben und Wecken mal mit Salami, Schinken und Käse oder streichen sich Marmelade darauf. „Das bin ich gar nicht mehr gewohnt, so kleine Kinder“, sagt eine Seniorin hörbar entzückt, die erst seit ein paar Tagen im Luise-Schleppe-Haus wohnt. „Die sind für ihr Alter schon sehr eigenständig und wollen alles alleine machen. Da muss ich grad’ staunen.“
Der Neuzugang erlebt das gemeinsame Morgenritual an diesem Tag zum ersten Mal.  „Jedes Tierlein hat zu essen, jedes Blümlein trinkt von dir. Hast auch unser nicht vergessen – Lieber Gott, hab Dank dafür“, ist auf roten Kärtchen zu lesen, die an jedem Tisch ausliegen. Nachdem man seinem Nachbarn die Hand gereicht hat, wird das Gebet gemeinsam gesprochen. Dann heißt es: „Guten Appetit!“. Später singt man gemeinsam ein Lied.
Für die hundertjährige Frau Oberländer und ihre Freundin Frau Trostel gehört das Generationenfrühstück längst zum Alltag – und ist doch jedes Mal etwas ganz Besonderes. „Wir haben die Kinder sehr gern“, sagen sie unisono, „und ein gutes Verhältnis auch zu den Erzieherinnen.“ Als junge Erwachsene bilden sie gemeinsam mit dem Pflegepersonal eine Brücke zwischen dem Kleinkind- und Seniorenalter.
Frau Oberländer erzählt, dass sie in ihrem Zimmer immer Kekse für die Kleinen zurücklegt. „Die kommen mit ihren Erziehern oft spontan zu Besuch.“ Dass die muslimischen Kinder wegen der Gelatine keine Gummibärchen anrühren, will ihr nicht so recht in den Kopf. „Es gibt ja noch andere Süßigkeiten. Die essen sie.“
Vieles hat sie mit den Kindern schon unternommen: Flachswickel-Backen, zum Beispiel. Dagmar Gwiasda vom Sozialdienst erklärt, dass es sich hierbei um ein Konfirmanden-Projekt handelt. „Die Jugendlichen übernehmen einen Großteil der Verantwortung, leiten die Kinder an und kümmern sich um die Senioren.“
Auch Silvia Mezger engagiert sich. „Ich bin die Märchentante“, sagt die Frau im Rollstuhl voller Stolz. Die Mitfünfzigerin lebt im Bereich der Jungen Pflege und freut sich schon darauf, dass bald auch die Kita-Niederlassung in der Kameralamtsstraße barrierefrei zugänglich ist. „Die Kinder dort mögen es schließlich auch, wenn ich ihnen vorlese.“
„Für unser Konzept Alt und Jung haben wir keinerlei personelle Verstärkung“, sagt Heimleiter Ronny Martin. „Dass wir dennoch so vieles ausprobieren, ist der pure Wille.“ Das Motto sei: „Alles kann, nichts muss.“ Dieser Wille, Neues anzustoßen und die Ideen anderer mitzutragen, findet sich in den Teams von Kita und Heim, bei den Bewohnern, den Mitgliedern des Fördervereins bis hin zu den Pflegekräften. „Alle profitieren von der Lebendigkeit, die von den generationenübergreifenden Projekten ausgeht“, sagt Martin. Das bestätigt Dagmar Gwiasda, die in dem Haus schon vor der Wiedereröffnung im Jahr 2009 nach dem Umbau tätig war: „Die Atmosphäre ist heute eine ganz andere.“ ■

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