Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirche in gute Zukunft bringen

Stefan Werner ist seit Sommer der neue Direktor des Oberkirchenrates. Der 54-Jährige ist Jurist und ­Verwaltungsfachmann. Als große Herausforderung für die Kirche sieht er vor allem die Digitalisierung der Gesellschaft. Sie sei Chance und Herausforderung zugleich. 


Der Direktor des Oberkirchenrats Stefan Werner. (Foto: Benny Ulmer)

„Wer ist Chef der Landeskirche?“ dazu gibt es mehrere Antworten. Chef der Landeskirche ist der Landesbischof. Doch Stefan Werner ist auch Chef. Er ist Direktor im Oberkirchenrat und der juristische Vertreter des Bischofs.

Auf die Digitalisierung kommt Werner sofort zu sprechen. Sie betreffe nicht nur die Industrie, sondern auch die Sozialwirtschaft. „Die Vorstellung ist faszinierend und auch furchterregend: Senioren könnten nicht mehr von Menschen, sondern von Robotern gepflegt werden.“ Die Kirche sei Teil der sich digitalisierenden Welt. Das berge große Chancen beispielsweise beim kirchlichen Verkündigungsauftrag. Andererseits müsse darauf geachtet werden, dass der Wandel den Interessen der Menschen dient.
Diese Herausforderung passt zu Stefan Werner. Er ist Grenzgänger in vielerlei Beziehung, einer, der immer zwei Seiten kennt. Ein Grenzgänger zwischen den Landeskirchen. Geboren und aufgewachsen ist er in Rüdenhausen in der Nähe von Würzburg. Sein Vater war Pfarrer. Auch er selbst hat sich überlegt, Pfarrer zu werden. Doch Jura interessierte ihn mehr. Nach dem Studium hat er als Rechtsanwalt in Coburg gearbeitet. Das Arbeitsrecht war damals sein Schwerpunkt.

Doch noch mehr interessierte ihn das Verwaltungsrecht. Deshalb ging er 1993 zur badischen Landeskirche. Das Pfarrerdienstrecht hat ihn fünf Jahre lang beschäftigt, dann unter anderem die Vermögensaufsicht und das Umweltmanagement. An allen Stellen müssen Regeln und Gesetze geschaffen werden. Da kommt es auf kleinste Details bei den Formulierungen an.
In Württemberg stehen große Veränderungen an, etwa bei der Verwaltungsstruktur. Dazu gehört für Oberkirchenrat Werner auch, dass Pfarrer nicht mit unnötigen Verwaltungsaufgaben belastet sein sollen.

Das klingt nach akribischer Arbeit und auch nach Widerstand – wie das bei Veränderungen üblich ist. Doch Stefan Werner macht es Freude, an einer wichtigen Stelle mitzuarbeiten und die Kirche auf einen guten Weg in die Zukunft zu bringen. „Das motiviert mich.“

Grenzgänger ist er bis heute geographisch. Er wohnt in Baden, nah an der Grenze zu Württemberg. Gibt es große Unterschiede zwischen den Landeskirchen? Auf jeden Fall von der Verfassung her, sagt Stefan Werner. „Der Bischof hat in Württemberg eine stärkere Stellung als in Baden. Hier hat der Landesbischof die oberste Leitung der Landeskirche.“ In Baden dagegen leiten die Landessynode, der Landesbischof, der Oberkirchenrat und der Landeskirchenrat zusammen die Kirche. In der Praxis sieht es aber weniger hierarchisch aus. Die Zusammenarbeit mit dem Bischof sei ein enges Zusammenwirken auf Vertrauensbasis. Werner sieht sich und den Bischof als Tandem mit Aufgabenteilung.

Ein Grenzgänger ist Werner auch, was die soziale Verortung angeht. Im Oberkirchenrat arbeitet er, im Posaunenchor spielt er Tuba. Werner ist ganz bewusst evangelisch. Eines seiner Lieblingsbibelworte ist sein Konfirmationsspruch aus Psalm 86: „Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit“. Es bringt Gottvertrauen zum Ausdruck und „es macht mich ruhig“. Das andere ist aus dem ersten Korintherbrief, das Hohelied der Liebe: „Diese Worte sind Korrektur, wenn man selber verbissen ist.“ Die Frage sei immer, ob etwas in Liebe oder in Rechthaberei geschieht. Diese Haltung hat er sich in kirchlichen Debatten angewöhnt. Nicht nur bei den Synodaltagungen kann er das gut gebrauchen.

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