Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Ökumene ist Teil der Freiheit“

Am 12. Mai ist die „Nacht der Freiheit“. Dabei setzen Gemeinden im Rahmen des Reformationsjubiläums ihre ganz eigenen Vorstellungen zum Thema um. Wie etwa in Nürtingen, wo es eine Podiumsdiskussion über Freiheit gibt, an der auch der örtliche Polizeichef Mathias Lipp teilnimmt. Andreas Steidel hat mit ihm über seinen Freiheitsbegriff und seine Glaubensbezüge gesprochen.


Mathias Lipp. (Foto: privat)




Herr Lipp, was verstehen Sie denn unter Freiheit?
Mathias Lipp: Dass ich für mich tun und lassen darf, was ich möchte und dass ich mich frei entscheiden kann. Mich hat keiner gefragt, als ich Polizist wurde, ob ich evangelisch oder katholisch bin, verheiratet oder ledig. Es ging nur um mein Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Unser demokratisches Staats- und Gesellschaftssystem ist für mich Grundlage meiner und unserer Freiheit. Das ist in vielen Ländern dieser Welt anders. Das gleiche gilt für die Meinungsfreiheit, ich kann mich informieren, wo ich will und sagen, was ich denke, ohne um Leib und Leben fürchten zu müssen.

Und wo sind für Sie die Grenzen dieser Freiheit?
Mathias Lipp: Anstand und Grundrechte, die körperliche Unversehrtheit anderer Menschen dürfen nicht verletzt werden. Aber auch, wenn ich Sie als Polizist beim Überschreiten dieser Grenzen festnehme, gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen. In einem freiheitlichen System braucht es immer eine Legitimation und deren Kontrolle, es darf keine Willkürakte geben.

Viele rufen derzeit nach mehr Sicherheit und Polizeipräsenz, Sie auch?
Mathias Lipp: Da bin ich vorsichtig. Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Freiheiten dabei nicht zu sehr einschränken. Ich bin ungern dort, wo alles und jeder überwacht wird.

Wie wichtig ist Religionsfreiheit?
Mathias Lipp: Für mich persönlich sehr wichtig. Ein Nebeneinander der Religionen ist Teil unserer Freiheit. Jeder sollte seinen Glauben ausüben dürfen, solange er friedlich bleibt.

Wie wichtig ist für Sie der Glaube?
Mathias Lipp: Er gibt mir Halt und ein Gefühl des Aufgehobenseins. Die Gemeinschaft, die ich in der Osternacht erlebt habe, ist etwas Wunderbares.

Hilft der Glaube auch im Alltag eines Polizisten?
Mathias Lipp: Die meisten Polizisten tragen das Thema nicht auf der Zunge. Aber ich kenne Kollegen, für die es eine Rolle spielt. In schwierigen Situationen kann ein Psalm eine sehr konkrete Bedeutung bekommen.

Sie sitzen ja auf einem Podium anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums. Welche Rolle spielt Ökumene in Ihrem Leben?
Mathias Lipp: Eine sehr große. Es wäre längst an der Zeit, die Beschränkungen endlich aufzugeben. Wo ist denn der große Unterschied zwischen Eucharistie und Abendmahl? Da ist die Basis  viel weiter als die Amtskirche. Wenn nur noch ein Bruchteil der Menschen in die Kirche geht, sollte man sich einfach mal überlegen, worauf es wirklich ankommt. Dass ich als Katholik eine evangelische Frau in einem ökumenischen Gottesdienst heiraten konnte, ist ebenso Teil dieser Freiheit.



Information
Über die Freiheit und die Grenzen der Freiheit gibt es in der Nürtinger Lutherkirche am 12. Mai zwischen 20 und 24 Uhr einen ökumenischen Abend mit einer Podiumsdiskussion, an der neben dem Polizeichef auch der Oberbürgermeister, ein Gefängnisseelsorger und Umweltminister Franz Untersteller teilnehmen. Begleitet wird die Aktion von einer Ausstellung mit dem Titel „... das ist Freiheit“ mit Werken unter anderem von Hap Grieshaber, die bereits am 7. Mai um 10 Uhr mit einem Gottesdienst eröffnet wird und bis 5. Juni zu sehen ist.

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