Christliche Themen für jede Altersgruppe

Reliunterricht auf Rädern

NÜRTINGEN – Religionsunterricht einmal anders: Zum Reformations-Jubiläum lädt Jugendpfarrer Markus Frank Nürtinger Schüler in seine eigenhändig erbaute „Mobilen Kapelle“ ein. Drinnen geht es unter ­anderem um Freiheit, um Jesus Christus und Martin Luther. 


Markus Frank kommt im Inneren der von ihm umgebauten Kapelle mit Schülern ins Gespräch. (Foto: Julia Lutzeyer)

Es ist ein kalter Morgen. Doch die Befürchtung, der Religionsunterricht könne deswegen nicht in der Mobilen Kapelle stattfinden, verfliegt im Nu: Aus dem Schornstein des Bauwagens auf dem Gelände des Hölderlin-Gymnasiums steigt Rauch. Markus Frank winkt aus dem Fenster und empfängt einen kurz darauf an der Treppe seiner eigenhändig gezimmerten Behausung. Das Nummernschild verweist auf Erbauer und Entstehungsjahr: „ES – MF 2015“ steht darauf. Zwei Jahre lang hat Markus Frank an seiner „Mobilen Kapelle“ gearbeitet, hat dafür heimische Obstbaumhölzer gesägt, mit dem Hobel in Form gebracht und viele der massiven Bretter in einem Vakuum-Verfahren gebogen, damit das Dach ein Tonnengewölbe erhält.

Dass der Bauwagen eine fahrbare Kirche ist, erkennt man nicht auf Anhieb. Erst im vom Holzofen erwärmten Inneren deutet ein Tafelbild auf Kirche hin. Die Figur mit Winkelmaß in der Hand trägt einen Heiligenschein. Schräg gegenüber ein anderes Kunstwerk: die Plastik eines Tischlers.

„Josef war ja ein Zimmermann. Jesus wurde folglich in einer Holzwerkstatt groß“, erklärt der Nürtinger Pfarrer. Er hat seinen Bauwagen dafür gebaut, um mit Menschen über Religion, Gott und Luthers Freiheitsbegriff ins Gespräch zu kommen. Er erzählt, wie bereichernd die handwerkliche Arbeit für ihn gewesen sei. Zur Befriedigung, etwas aus eigener Kraft zu erschaffen, kam die Einsicht, dass man auch mit wenigen Quadratmetern auskommen kann.

Gerade ist Pause. Zwei Jungs nähern sich dem Bauwagen. „Kommt rein: Die Tür steht offen, aber zieht die Schuhe aus“, ruft Frank den Schülern entgegen. „Hier ist es ja kuschelig warm“, sagt einer. „Das ideale Versteck. Hier sucht uns niemand“, meint der andere und schielt nach Spähern auf dem Schulhof. Lange hält es die beiden nicht in der gemütlichen Behausung. Ihr Spiel findet draußen statt.

„Meine Idee war, den Religionsunterricht hierher zu verlagern“, erzählt Frank. Die Vorteile: „In der mobilen Kapelle geht es weder um Noten, noch ist ein Lehrer dabei. Das erleichtert es mir, mit den Schülern über Luther, das Reformations-Jubiläum und den Freiheits-Gedanken zu sprechen, in Form einer offenen Suchbewegung.“ Das sei ohnehin sein Begriff von Kirche, und so versteht er auch seine Kapelle: als offene Suchbewegung. Sie stand schon am Nürtinger Max-Planck-Gymnasium. Für zwei Wochen macht der Bauwagen am Hölderlin-Gymnasium Station. Andere Schulen sollen folgen, wenn Rektorat und Fachschaft grünes Licht geben.

Ein Religionslehrer bringt eine Schüler-Gruppe zum Waggon und sagt: „Erst kommen die Jungen, später die Mädchen.“ Schnell sind Sofa und Sitzkissen belegt. Frank fordert die Schüler dazu auf, sich umzuschauen. „Was gibt euch einen Hinweis auf Kirche?“ – „Dieser Metall-Typ, der einen Tisch macht.“ Vom Tischler führt das Gespräch über Josef zum Lutherjahr. „Was wisst ihr darüber?“ Dass die Reformation vor 500 Jahren mit Luthers 95 Thesen begann, wissen die Siebtklässler. Frank bringt das Thema Freiheit ins Gespräch, erzählt, dass Luther seinem eigenen Gewissen folgte und fragt: „Was wäre jedem von euch so wichtig, dass euch die gängige Meinung der anderen egal wäre?“

Gar nicht so leicht, darauf eine Antwort zu finden. Zumal in der Gruppe. „Und wie sieht es mit eurer Freizeit aus? Habt ihr unverplante Stunden und wie verbringt ihr die am liebsten?“ Ein Papier mit Wochenplan hilft den Schülern dabei, fest vergebene und freie Stunden zu markieren. Es entspinnt sich eine Debatte darüber, warum es wichtig ist, auch mal nichts vorzuhaben: „um runterzukommen“, „um Abstand zu gewinnen vom Stress“ oder „ich mach es zwar nicht, aber zum Beten“.

Die Zeit verfliegt. Die Idee, die Reli-Stunde im Bauwagen zu verbringen, finden die Schüler gut. „Weil man hier keinen Eintrag bekommt und keinen Anschiss.“ Bevor die Mädchen die Plätze einnehmen, will ein Junge noch wissen, warum auf einem Fenster „Mo. Ka.“ geschrieben steht. „Das ist die Abkürzung von Mobile Kapelle“, antwortet Frank. „Was eine Kapelle ist, ist klar, oder?“ Offenbar nicht. Einer aus der Runde meint: „Hier wird doch keine Musik gemacht.“ Und meint dann:  „Ach ja, stimmt“, nachdem ihm erklärt wurde, dass eine Kapelle auch eine kleine Kirche sein kann.

Die Mo. Ka. steht am 31.Oktober ab 15 Uhr in Nürtingens Innenstadt.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht