Christliche Themen für jede Altersgruppe

Überrascht von der Freude

[Im Kurs wird viel mit Symbolik gearbeitet. Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler]

SEISSEN (Dekanat Blaubeuren) – Der Gottesdienst als Ort der Glaubensverkündigung hat zwar nicht gerade ausgedient, er muss aber ergänzt werden. Wie erreicht die Kirche die Menschen, die vom Glauben mehr wissen wollen? Die Antwort lautet: „Stufen des Lebens“.  Von Margot Autenrieth-Kronenthaler

Religionsunterricht für Erwachsene? Klar doch. In den Glaubenskursen „Stufen des Lebens“ bekommen Teilnehmer einen leichten Zugang zu christlichen Themen. In 120 Gemeinden in der württembergischen Landeskirche sind die Glaubenskurse fester Bestandteil der Gemeindearbeit. Die Kirchengemeinde Seißen gehört zu ihnen.
Am späten Samstagnachmittag treffen sich rund 20 Teilnehmer im Gemeinderaum. Seit 17 Jahren werden die Glaubenskurse in Seißen angeboten. Doris Schüle ist von Anfang an dabei. Sie hat wie ihre Kollegin Margot Richter dafür ein Kursleiterseminar absolviert und auch ein Zertifikat erhalten, das zur Durchführung der Kurse berechtigt.
„Man muss es wollen, man muss sich reinhängen, denn es ist sehr aufwändig. Aber es macht viel Spaß, wenn man sieht, wie Menschen neue Erfahrungen mit dem Glauben machen können“, sagt Doris Schüle. „Es ist eine neue Form, die christliche Botschaft weitergeben zu können. Es werden auch Leute angesprochen, die nicht unbedingt in den Gottesdienst kommen“, meint Margot Richter, die seit 2011 bei „Stufen des Lebens“ mitarbeitet.
Die heutige Einheit nennt sich „Überrascht von der Freude – Bibellesen neu entdecken“. Auf jedem Platz steht ein kleines Präsent, in der Mitte auf dem Boden liegt ein Tuch mit einer aufgeschlagenen Bibel und einem riesigen Schlüssel.
Ganz typisch für den Glaubenskurs sind solche gelegten Bilder, die aus Materialien und Dingen entstehen. Während der Einheit wird das Bild ergänzt, erweitert und oft verändert. Es wird viel mit Symbolen gearbeitet, die die Botschaft einprägsam und leicht verständlich machen.
Mit einer alltäglichen Szene wird der Nachmittag eröffnet. Es wird ein Schlüssel gesucht. Alle kennen solche Situationen, solche Schlüsselgeschichten. Schlüssel schaffen Zugänge, eröffnen uns neue Räume, auch in der Bibel. „Manchmal braucht man einen Schlüssel, um sich was erschließen zu können, das man liest“, sagt eine Teilnehmerin. Menschen könnten auch zum Schlüssel werden, zum Beispiel der Pfarrer während seiner Predigt, meint jemand.
„Es gab in meinem Leben eine Zeit, da hatte ich keinen Zugang mehr zur Bibel“, bemerkt eine andere Teilnehmerin. Es wird gemeinsam überlegt, welche Möglichkeiten es geben könnte, einen Zugang zu biblischen Texten zu gewinnen. Vom Losungsbuch, über Andachtsbücher bis hin zu Newsletter oder Apps reichen die Vorschläge.
Ein „Schlüsseldienst“ wird ausgeteilt, ein Büchlein, in dem verschiedene Methoden zum Bibellesen vorgestellt werden. Die Bibel wird von den Leiterinnen mit einem Haus mit vielen Räumen verglichen. Für jeden Raum wird der passende Schlüssel benötigt. Nach einer kurzen Pause mit Imbiss und Gespräch wird das in der Theorie Besprochene an einem Bibeltext ausprobiert. Die Geschichte vom ungläubigen Thomas (Joh.20, 24 u.25) wird gelesen. Die symbolischen Schlüssel kommen zur Anwendung.
Der Wohnungstürschlüssel steht etwa für den ersten Eindruck. Der Terrassentürschlüssel eröffnet einen Rundblick. In welchem Zusammenhang steht der Text? Die Leiterinnen stellen Fragen und geben Impulse, die die Runde lebhaft beantwortet und aufnimmt.
Der Text wird nach und nach entschlüsselt und erschlossen, Neues wird entdeckt. Doris Schüle tritt als Thomas auf, so können sich die Teilnehmer besser in seine Situation einfühlen. Auf dem Bild in der Mitte wird das Gesagte nach- und dargestellt. „Jesus kommt in die Unentschlossenheit und Furcht. Er begegnet auch uns, wo und wie wir es brauchen“, meint Doris Schüle. „Mir geben die Glaubenskurse Kraft für den Alltag. Ich bekomme neue Impulse und komme anders nach Hause zurück. Das Miteinander ist immer schön“, sagt die Landwirtin Karin Pfetsch. „Mir ist der Austausch besonders wichtig. So eine Offenheit erlebe ich im alltäglichen Gespräch sonst nicht“, meint die 84-jährige Maria Schüle.
Erika Schlese ist zum ersten Mal dabei. „Im Gottesdienst kann man nur zuhören, hier darf ich mich selber äußern. Mir gefällt, dass hier Jung und Alt zusammen sind und wir Jüngeren profitieren von den Erfahrungen der Älteren“, findet die 37-Jährige. Im Präsent findet sich ein Schlüsselanhänger zur Erinnerung. Nach zwei Stunden gibt es Applaus für das Vorbereitungsteam. „Das habt Ihr toll vorbereitet!“, lautet die einhellige Meinung.


Information

„Stufen des Lebens“ gibt es seit 1982 und wurde von Waltraud Mäschle initiiert. Sie entwickelte die Kurs-Entwürfe, welche ein Redaktionsteam zu Arbeitsmappen ausarbeitete. Auf einem Kursleiterseminar werden Mitarbeiter geschult und erhalten ein Zertifikat. Dieses ist Voraussetzung zur Durchführung der Kurse, die aus je vier Einheiten bestehen. Das Kursmaterial kann erworben werden. Mehr dazu im Internet unter der Adresse www.stufendeslebens.de  

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