Christliche Themen für jede Altersgruppe

Volksfrömmigkeit im Blick

ZWIEFALTEN (Dekanat Bad Urach-Münsingen) – Zwiefalten zieht im Jahr mehr als 200 000 Besucher an, die das eindrucksvolle Münster sehen wollen. Lohnenswert ist aber auch ein Besuch im Museum Peterstor, das derzeit eine Ausstellung zu Konfessionen im Biosphärengebiet zeigt.  Von Martina Kruska

Hubertus Jörg Riedlinger zeigt die Souvenirs im Museums­laden. [Foto: Martina Kruska]

Dem 1984 gegründeten Geschichtsverein Zwiefalten ist es zu verdanken, dass der Einfluss der unterschiedlichen Religionen auf Geschichte, Architektur und Traditionen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb im Museum am Peterstor zum Thema gemacht wird. Es lohnt sich, die kleine, feine Ausstellung im 1681 von Michael Thumb erbauten Peterstor am Eingang der prächtigen Zwiefalter Klosteranlage zu besuchen. „Das Peterstormuseum muss ein touristisches Ziel werden“, sagt der erste Vorsitzende des Geschichtsvereins Hubertus-Jörg Riedlinger. „Bislang steht Zwiefalten für’s Münster und für’s Bier. Wenn die Menschen drüben fertig sind, hend se Durscht.“ Doch vor dem Gang in den Biergarten sollen viele der über 200 000 Klosterbesucher pro Jahr auch den Weg ins Museum finden.
1991 beschließt der Geschichtsverein unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Hubertus-Jörg Riedlinger, im Peterstor, dem ältesten, frühbarocken Gebäude Zwiefaltens – es ist 80 Jahre älter als das Münster – ein Museum einzurichten. Zeugnisse der Volksfrömmigkeit, Relikte aus der Klosterzeit und von umgebenden Wallfahrtsorten sollen gezeigt, Vorträge und Versammlungen ermöglicht werden. Viele Zwiefalter lassen sich anstecken. Sogar Bundeswehrsoldaten sind mit Kran und Tatkraft dabei, um lebensgroße Statuen wie die doppelgesichtige Madonna aufzustellen.
Mit der Aufwertung der Schwäbischen Alb zum Biosphärengebiet, ein von der Unesco vergebenes Qualitätslabel für Gebiete mit nachhaltiger Regionalentwicklung im Einklang von Mensch und Natur, wurde 2012 eine Neukonzeption des Museums entwickelt. Geplant wurden Dauerausstellungen zur wechselvollen Kirchengeschichte und Wechselausstellungen zu regionalen und jahreszeitlichen Themen.
Nach der erfolgreichen von Ministerpräsident Winfrid Kretschmann und Bischof Gebhard Fürst eröffneten Ausstellung zur Historie der gleichalten Benediktiner-Klöster Kladrau (Böhmen) und Zwiefalten im Jahr 2015 startet zwei Jahre später die Ausstellung über die Konfessionen im Biosphärengebiet. „Weniger ist mehr“, sagt der geschichtsbegeisterte Riedlinger über die Konzeption der Schau.
Im Erdgeschoss informieren große Infotafeln über das Leben in evangelischen, katholischen und jüdischen Gemeinden, über unterschiedliche Kirchenarchitektur und die jeweiligen Symbole gelebter Religiosität. Dreizehn Prozent der Zwiefalter sind heute evangelisch, zum Teil wohl Nachfahren der württembergischen evangelischen Beamten, die nach der Säkularisation ab 1844 die ehemalige Kapitelskapelle als Gebetsraum nutzten. Bilder des jüdischen Friedhofs in Buttenhausen, eine Menora, also ein siebenarmiger Leuchter, steht neben einer alten Luther-Bibel aus der Armanduskirche in Bad-Urach, geschnitzte Rosenkränze und Marienbilder aus dem Münster und anderen katholischen Gotteshäusern laden zum Betrachten ein. Die Texte der Ausstellung sind über Kopfhörer wahrnehmbar, der Text ist von Jugendlichen gesprochen. Das macht auch ein weiteres Anliegen von Riedlinger deutlich: Die Jugend in das Museumsleben einzubinden und für Geschichte zu sensibilisieren. „Wemmer edd woiß, wo ma herkommt, woiß ma au edd, wo ma hinlaufa soll“, so Riedlinger.
Im ersten Stock fasziniert die Biosphären-Infostelle mit einem Touchscreen, einem Monitor, der interaktiv über das Zwiefalter Münster und die Zeit nach der Reformation informiert. Spätestens hier bleibt der Besucher hängen. Im besten Fall beschließt er, die spannendsten Orte im 85270 Hektar großen Biosphärengebiet persönlich aufzusuchen.
Mit Peter Günther, der unter anderem im Museumsladen ehrenamtlich tätig ist und sein Evangelisch-Sein im Blick auf das aktuelle Thema schmunzelnd betont, steht im Peterstor ein fachkundiger Ansprechpartner bereit. Selbst für Besucher, die sich unter dem Motto „Katholisch, Evangelisch, Jüdisch…“ noch mehr Informationen erhofft haben, ist der Besuch in Zwiefalten derzeit lohnenswert. Denn es gibt auch noch Wechselausstellungen mit geschnitzter Holzkunst und den mit Occhi-Spitze, einer speziellen Handarbeitstechnik,  verzierten Eiern des Künstlerehepaars Pia und Felix Högner sowie eine kleine Gemäldeausstellung von Ludwig Tampe. All das verschafft dem Betrachter noch einmal einen interessanten Szenenwechsel.
Zusammen mit Erich Schäfer, der sich altershalber von der Museumsleitung zurückgezogen hat, kann dessen Nachfolger Riedlinger stolz auf das Geleistete sein. „Schwerpunkt meines Ruhestandes wird sein, das Museum mit Leben zu füllen“.
Dass sein Plan in Zusammenarbeit mit dem emsigen Geschichtsverein und dessen zahlreichen Gönnern aufgeht, steht außer Frage.

Info:
Peterstor Museum Zwiefalten. Zu sehen bis 8. Okober: samstags von 13 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr

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