Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Nachfolge

Lukas 18,28–30  Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Impuls zum Predigttext für den 15. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 18,28-30.  Von Matthias Vosseler 


Matthias Vosseler ist Pfarrer der Stiftskirche in Stuttgart.


„Wer sich im Leben an Jesus orientiert, liegt absolut richtig.“ Dieses Wort stammt aus einem der letzten Interviews des in diesen Tagen verstorbenen Politikers Heiner Geißler. Noch in diesem Jahr gab er ein Buch zum Reformationsjubiläum heraus. Eine durch und durch streitbare Schrift eines streitbaren Menschen. Bei allen Zweifeln an einem Gott angesichts des Elends in dieser Welt galt für ihn bis zuletzt das Vertrauen in die Nachfolge Jesu und die Orientierung an seinen Worten: „Komm und folge mir nach“. Dieses Wort Jesu trifft uns auch im Text für diesen Sonntag.

„Komm und folge mir nach“. Kurz, eindeutig und herausfordernd ist dieser Ruf Jesu. Bis heute. Vor Ostern galt dieser Ruf den Jüngern, die Jesus um sich gesammelt hat. Seit Ostern gilt er allen Menschen.

Es geht um eine Haltung und um einen Lebensstil. Im Gegensatz zum reichen jungen Mann, der an seinem Besitz hing, haben die Jünger (zumindest für einige Zeit) ihr soziales Umfeld komplett verlassen, um Jesus nachzufolgen.

Würden diese Worte nicht von Jesus stammen und würden sie nicht in der Bibel stehen, hätte ich große Zweifel, mich auf so etwas einzulassen. Ich wäre sehr kritisch, einfach jemandem nachzufolgen.
Wie geschieht nun diese Nachfolge?

„Nachfolge Jesu ist der Eintritt in die Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit Jesus“ schreibt Martin Hengel. Das ist wahrhaft eine große Herausforderung im Leben. Zu einem gutbürgerlichen Leben kommt nicht einfach noch ein bisschen Christsein dazu. Das ist kein Gelegenheits-Christentum.
Es ist umfassend gemeint: Vom Ruf Jesu in seine Nachfolge und in der Bindung an sein Wort erfolgt die gesamte Gestaltung unseres Lebens. In seinen Fußstapfen gehen wir durchs Leben.

In der Kirchengeschichte hat man oft versucht, diese Worte Jesu zu zähmen, abzumildern, anzupassen. Aber zähmen wir Jesus und seine Worte nicht vorschnell, nehmen wir sie in ihrer Radikalität ernst.
Jesus verheißt nicht den Himmel auf Erden. In seiner Nachfolge geht es auch nicht um das Verlassen als Verlusterfahrung. In der Nachfolge wird einem etwas geschenkt. Nicht erst eine Versprechung für die ewige Welt Gottes, sondern bereits für unser Leben hier.

Jeder tritt allein in die Nachfolge, aber keiner bleibt allein in der Nachfolge. Er bekommt innere Freiheit und Gemeinschaft geschenkt.

Zu meinen schönsten Urlaubserfahrungen gehören die Begegnungen mit anderen Christen gerade in Gottesdiensten oder im Anschluss an diese. Bei diesen Begegnungen wird etwas deutlich von der weltweiten Gemeinschaft derer, die Jesus nachfolgen.

Nicht immer läuft in der Nachfolge alles gut und glatt. Manche Familie, die sich von Gott in die Mission gerufen wusste und voller Elan und Einsatzbereitschaft loszog, erlitt Schiffbruch im Leben und manchmal auch im Glauben. Und manche Menschen, die hier auf vieles verzichtet haben, um sich ganz für die Arbeit für Jesus einzusetzen, haben die Kraft zum Glauben verloren. Sie dürfen wir besonders in unsere Fürbitten einschließen.

Dietrich Bonhoeffer hat in seinem berühmten Buch „Nachfolge“ seine Erfahrungen und Einsichten aus der Arbeit im Predigerseminar Finkenwalde niedergeschrieben. Genau vor 80 Jahren, im September 1937, wurde dieses Seminar von den Nationalsozialisten geschlossen. Wie selten jemand vor ihm und kaum jemand nach ihm sah Bonhoeffer das Leben vom Gehorsam gegenüber dem Ruf Jesu in die Nachfolge bestimmt. Er selbst lebte diesen Ruf für sein eigenes Leben.

Im Sommer 1939 war er in New York, einem sicheren Hafen angesichts des bevorstehenden Krieges. Dort las er die Tageslosung des 24. Juni und bezog sie im Gehorsam gegenüber den Worten Jesu auf seine Situation: „Beeile dich, vor dem Winter zu kommen!“ (2. Timotheus 4,21). Er kehrte bald nach Deutschland zurück, wo er in der Nachfolge Jesu den Weg bis zu seiner Hinrichtung in Flossenbürg im April 1945 in letzter Konsequenz zu Ende ging.

Gebet
Wer da hingibt, der empfängt,
und wer da stirbt, der erwacht
zum ewigen Leben.
Franz von Assisi


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