Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bauklötzchen staunen

Ulm – Lego spielen, das ist eigentlich etwas für Kinder. Aber auch Erwachsene können daran Gefallen finden und sich sogar damit für ihre Kirchengemeinde einsetzen, indem sie Gebäude nachbauen. So wie Burkhard Siemoneit, dem es jetzt das Kloster Wiblingen angetan hat. 

Ein Traum aus Lego: Burkhard Siemoneit und Stephan Schumann sind stolz auf ihre Leistung. (Foto: Dagmar Hub)

Burkhard Siemoneit ist von Beruf Sachbearbeiter Personal in der Verwaltung beim Polizeipräsidium Ulm, und in seiner Freizeit ist er in der evangelischen Kirchengemeinde Wiblingen engagiert, jenem Ulmer Stadtteil, in dem Siemoneit mit seiner Frau lebt. So ganz nebenbei ist Siemoneit aber auch Kirchenbaumeister: Zum 50-jährigen Bestehen der Wiblinger Versöhnungskirche, das im Jahr 2013 gefeiert wurde, hat er in fünfjähriger Arbeit die Kirche des Architekten Olaf Andreas Gulbransson mit Legosteinen detailgetreu nachgebaut.  Und danach begann ihn eine noch viel größere Idee umzutreiben: der Lego-Nachbau des 1806 säkularisierten ehemaligen Klosters Wiblingen, einer in natura riesigen Anlage, die – 1093 gegründet – im 30-jährigen Krieg schwer beschädigt wurde und deren 1714 begonnener Neubau bis zur Säkularisation nicht fertiggestellt wurde.

Das Modell, das Burkhard Siemoneit und sein Mit-Bauer Stephan Schumann, der sich mit ihm an die Realisierung des Projekts machte, im Herbst fertig der Öffentlichkeit präsentieren wollen, wird dann eine Fläche von acht Metern Länge und sechs Metern Breite ausmachen – und es wird dem Betrachter eine Perspektive ermöglichen, die er in der Realität nicht hat: Siemoneit und Schumann bauen das unvollendete Kloster Wiblingen nach Plänen fertig, mit den nie vollendeten Türmen. Etwa 1,2 Millionen Legosteine werden in ihrem Projekt verbaut sein. Kostenpunkt zwischen 40.000 und 45.000 Euro.

Zunächst war es nur die Idee gewesen, die Fassade der Basilika St. Martin nachzubauen, sagt Burkhard Siemoneit. Dann plagte ihn die Neugier: „Bewältigen wir die Herausforderung, die Klosterkirche dreidimensional aufzubauen?“, fragte er sich, und Stephan Schumann stürzte sich mit Eifer auf die gemeinsame Aufgabe.

Siemoneit und Schumann gelang die Umsetzung der Idee, aber als das 70 Kilogramm schwere Kirchenschiff  fertig war, war Siemoneit und Schumann klar: Jetzt musste die Klosteranlage komplett entstehen – einschließlich des Lustgartens und einschließlich der beiden nie fertiggestellten Türme der Basilika. 1,80 Meter hoch werden sie am Ende sein.

Stephan Schumann, Elektroniker von Beruf, hat bereits Pläne für die Beleuchtung des Kapitelsaals des Klosters, der im Moment entsteht, und der berühmten Barockbibliothek des Klosters, die der Betrachter am Ende halboffen erleben soll, sodass er ihren Ort im Klosterbau wie auch einen Teil ihres prächtigen Innenlebens sehen kann.

So verbringen Burkhard Siemoneit und Stephan Schumann jeden zweiten Samstag im Keller des Siemoneitschen Hauses, in dem sich Legokisten und fertiggebaute Teile übereinander stapeln. Irgendwann, sagt Burkhard Siemoneit, sei er selbst vom Ausmaß des Projekts überrollt worden, und auch seine Frau schwankt „zwischen Zustimmung und einem Zuviel des Guten“, gibt er zu. Denn der Kirchenbau lässt doch wenig Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Und: Siemoneit erfuhr zwar fürs Projekt finanzielle Unterstützung von der Stadt Ulm und dem Land Baden-Württemberg, auch von einigen privaten Sponsoren, aber etwa die Hälfte der Kosten, die der Ankauf der Steine verursacht, sind davon nicht gedeckt.

Begeistert lassen die beiden „Klötzlebauer“ im Moment den Lustgarten des Klosters en miniature erstehen: „Alle drei Veranstaltungen, die jährlich dort stattfinden, können wir auch in der Lego-Anlage erlebbar machen“, erzählt Burkhard Siemoneit und arbeitet an einer Gartendusche, wie sie als reales Produkt während der Gartenmesse Diga verkauft wird. „Diese Details sind es, durch die unser Modell lebendig werden soll.“

Ein bisschen für die Ewigkeit wollen Burkhard Siemoneit und Stephan Schumann aber auch in ihrem Werk bleiben, wenn es seinen Ausstellungsort in der Klosteranlage gefunden haben wird: Im obersten Stockwerk unter dem Dach des Kapitelsaal arbeiten zwei Lego-Männchen an einem winzig kleinen Modell der Basilika. „Das sind wir!“, sagt Burkhard Siemoneit. Ein bisschen Verschmitztheit klingt in seiner Stimme mit.

Das Modell ist bis 5. März im Kloster Schussenried in der Ausstellung „Faszination Lego“ zu sehen; www.kloster-schussenried.de/kloster/kloster­ museum/faszination-lego-2016

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