Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das soziale Netz erweitern

Sie tauschen sich über Neuigkeiten aus, flirten oder verabreden sich für Reisen: Immer mehr ältere Menschen sind in Gemeinschaften im Internet, so genannten Communities, aktiv. Spezielle Seiten für Senioren sind beliebt. Die Nutzer finden dort auch ­Unterstützung bei privaten Problemen. 


Viele ältere Menschen nutzen das Internet mittlerweile, um Kontakte auf­zubauen oder zu pflegen. (Foto: epd-bild)

Ihre Nachbarn mag die 66-jährige Sigrid Kühner (Name geändert) schon ganz gerne. Aber wenn sie sich mit ihnen unterhält, bleibt sie immer ein bisschen vorsichtig. Denn in der Nachbarschaft wird gern getratscht. Über Themen wie den Tod ihres Mannes sprechen? Lieber nicht. Anders ist das online: In einer Senioren-Community hat sie Gesprächspartner gefunden.

Sigrid Kühner ist kein Einzelfall. Immer mehr ältere Menschen suchen Kontakte über das Internet. Jeder zweite Deutsche ab 60 Jahren ist laut der ARD/ZDF-Onlinestudie gelegentlich online, fast jeder Dritte sogar jeden Tag. Die Onliner unter den Senioren ab 65 Jahren waren laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom im vergangenen Jahr durchschnittlich 51 Minuten täglich im Internet.

Viele Wege führen zu neuen Kontakten: Manche suchen dort, wo sich ihre Enkel tummeln, in sozialen Netzwerken wie Facebook. Andere bewegen sich in speziellen Angeboten für ihre Altersgruppe. „Viele Senioren finden Facebook zu schnell und unübersichtlich. Es gibt für sie zu viele Funktionen und die Einstellungen sind zu komplex“, sagt die Sozialpädagogin Jennifer Kreß. In ihrer Doktorarbeit hat sie Communities für ältere Menschen erforscht und dafür unter anderem mit Kühner gesprochen. Eine Bekannte erzählte Kühner von Feierabend.de. Die Macher der Seite wollen gezielt Senioren ansprechen. Die Möglichkeiten sind mit denen der großen sozialen Netzwerke vergleichbar: Die Community-Mitglieder können ein Profil anlegen, sich mit anderen austauschen und in Gruppen zusammenschließen. Die Schrift ist etwas größer, die Seite sieht überschaubar aus.

Senioren nutzen Online-Communities aus vergleichbaren Motiven wie junge Menschen, sagt Anja Hartung, Vorsitzende des Vereins Gesellschaft-Altern-Medien: „Es geht um soziale Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Teilhabe.“ Mit zunehmendem Alter werde das soziale Netz kleiner: „Die Verbindung zu Kollegen reißt ab, Gleichaltrige sterben.“ Auch die erwachsenen Kinder lebten oft weiter weg.

Online-Netzwerke seien eine Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben, erläutert Anja Hartung. Außerdem suchten viele nach einem neuen Partner: Jeder fünfte Nutzer von Online-Partnerbörsen sei älter als 60 Jahre.

Online-Kontakte könnten auch eine Möglichkeit sein, mit körperlichen Gebrechen umzugehen, sagt die Wissenschaftlerin Kreß. So pflegte eine Schlaganfall-Patientin ihre Kontakte sogar, als sie zeitweilig nicht sprechen konnte – mit Textnachrichten.

Als Sigrid Kühner sich als Online-Nutzerin bei feierabend.de anmeldete, stand ihr eine Operation am Fuß bevor. Längere Zeit konnte sie das Haus nicht verlassen. In der Community fand sie Gesprächspartner. Und auch bei einem schwierigen Thema half ihr das Netzwerk: Vor sieben Jahren starb ihr Mann. Vor seinem Tod hatte sie ihn lange zu Hause gepflegt. In der Online-Community lernte sie andere Betroffene kennen.

Bei den betagten Nutzern mischten sich anders als bei Jugendlichen sehr oft Online- und Offline-Kommunikation, berichtet Kreß. „Sie lernen sich im Internet kennen, aber dann telefonieren viele, schreiben Briefe oder schicken sich Päckchen.“ Auf Feierabend.de gibt es auch Regionalgruppen, in denen sich Mitglieder außerhalb der Online-Welt treffen.

Trotz dieser positiven Möglichkeiten drohen online auch Gefahren. Weil vielen Senioren Erfahrungen mit der neuen Technik fehlten, seien sie eine besonders beliebte Zielgruppe für Täuschungs- und Überrumplungsaktionen bei Online-Einkaufsmöglichkeiten, warnt Forscherin Hartung. Dagegen helfe ihnen dasselbe wie den Enkeln: Medienkompetenz.epd 



Internet: www.feierabend.de

Buch-Tipp

Jennifer Kreß: Onlinecommunities für Senioren. Wie virtuelle Netzwerke als Unterstützung im Alltag dienen, Springer VS 2016, 49,99 Euro. ISBN 978-3658108175.



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