Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Brückenbauer

Der frühere Landesbischof Theo Sorg ist am 10. März – einen Tag vor seinem Geburtstag – im Alter von 87 Jahren in seinem Ruhestandssitz Blaubeuren gestorben. Er war sechs Jahre als Bischof im Amt, galt als Brückenbauer zwischen Linken und Pietisten. In seine Amtszeit fiel auch das Lehrzuchtverfahren gegen Jutta Voss, das ihm schwer zu schaffen machte. 



Die Lage im November 1987 war völlig verfahren. Damals hatte keiner der drei Bischofskandidaten die erforderliche Mehrheit bekommen. Die Landessynode sei zerstritten, hieß es. Nun musste jemand nominiert werden, der die Wunden heilen konnte. Das wurde damals nur dem Stuttgarter Prälaten Theo Sorg zugetraut. Er bekam 106 von 109 Stimmen. Eindeutiger konnte die Wahl kaum sein.
Theo Sorg kam aus dem schwäbischen Pietismus. Das war ihm immer wichtig. Als Bischof warb er erfolgreich für die Novellierung des so genannten Pie­tistenrescripts aus dem Jahr 1743. Es wurde 1993 fortgeschrieben. Darin geht es vor allem darum, den Pietismus in geregelte Bahnen zu lenken. Ein Beispiel: Sonntagvormittags sollen während der üblichen Gottesdienstzeiten keine Zusammenkünfte von Landeskirchlichen Gemeinschaften stattfinden.

Für Sorg gehörten Pietismus und Landeskirche unabdingbar zusammen. Pietismus ohne Kirche verenge, Kirche ohne Pie­tismus verflache, davon war er überzeugt.

Seine Fähigkeit zum Ausgleichschaffen nutzte ihm im Fall des Lehrzuchtverfahrens gegen die Pfarrerin und Psychoanalytikerin Jutta Voss wenig, die in ihrem Buch „Das Schwarzmond-Tabu“ dem Menstruationsblut der Frau eine kultische Bedeutung zugemessen hatte. Lehrzuchtverfahren gibt es selten. In ihnen wird untersucht, ob ein Pfarrer oder eine Pfarrerin „das biblische, reformatorisch verstandene Evangelium von Jesus Christus in entscheidenden Grundzügen preisgibt“.

Landesbischof Sorg bekam damals Hunderte von Protestbriefen von Anhängerinnen und Anhängern von Jutta Voss. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt, weil im Herbst 1993 Jutta Voss ihre Ordinationsrechte freiwillig zurückgegeben hatte. Dennoch: Solche Proteste hat es in der württembergischen Landeskirche zuvor noch nie gegeben. Sie waren nicht einmal vorstellbar.
Im April 1994 schied Theo Sorg mit 65 Jahren aus dem Amt. Mehr Zeit für  Frau, Kinder und Enkel wollte er haben, reisen und auf der Alb wandern.

Geboren ist Theo Sorg als Sohn eines Pfarrers in Nierstein am Rhein, einer Stadt, die ausschließlich vom Weinbau lebt. Vielleicht kommt daher sein ungewöhnliches Hobby, das er viele Jahrzehnte pflegte: Er sammelte leidenschaftlich Weinetiketten der Sorte „Riesling Trockenbeerenauslese“.
Aufgewachsen ist Sorg in Marbach am Neckar. Wie viele Pfarrer wurde er an den Evangelisch-Theologischen Seminaren Schöntal und Urach ausgebildet. Nach dem Theologiestudium wurde er 1957 Jugendpfarrer in Stuttgart, drei Jahre später Leiter des Jungmännerwerks.

Von 1965 bis 1973 war Theo Sorg Pfarrer an der Stuttgarter Stiftskirche – sozusagen Herr der ersten Kanzel in der württembergischen Landeskirche. Er wurde in die Landessynode gewählt, gehörte dem Gesprächskreis Lebendige Gemeinde an.

Später wurde er Mitglied des Oberkirchenrates, 1980 dann Prälat von Stuttgart. Am 25. November 1987 wurde Theo Sorg Landesbischof. Auch als Pietist war ihm wichtig, die widerstreitenden Meinungen zusammenzuhalten. Er machte deshalb einen Theologen mit einem anderen Hintergrund zu seinem persönlichen Referenten. Das war Frank Otfried July, der jetzige Landesbischof.

Die Verkündigung des Evangeliums war Theo Sorg bis zum Schluss wichtig. Nicht umsonst bezeichnete er sich selbst immer wieder als Wanderprediger.

Bereits 1990 verlieh ihm die Universität Tübingen die theologische Ehrendoktorwürde. Der Grund: Er ermutige zum Bibelstudium und halte die Kirche an, Christus in Wort und Tat zu bezeugen.
In der Tat war es ihm immer wichtig,  den Glauben weiterzugeben. Deshalb ist es kein Zufall, dass aus einem Text, den er für seine Enkelin Theresa und die anderen Enkel schrieb, gleich ein Buch geworden ist. „Woran Christen glauben – Das Apostolische Glaubensbekenntnis erklärt für unsere Zeit“ (2010 im Calwer-Verlag erschienen). Sorg schlüsselt darin die einzelnen Bekenntnisssätze auf und verbindet sie mit seinem eigenen Leben und seinen eigenen Fragen. Es war sein letztes Buch, das ungeplant war, aber jetzt zu seinem Vermächtnis wird.

Die Trauerfeier für Theo Sorg findet am 24. März, 11 Uhr, in der Stuttgarter Stiftskirche statt. Es predigt Landesbischof Frank Otfried July.

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