Christliche Themen für jede Altersgruppe

Familienbande

Markus 3,31-35  Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Impuls zum Predigttext für den 13. Sonntag nach Trinitatis: Markus 3,31-35.  Von Thomas Moser


Thomas Moser ist Pfarrer der Kirchengemeinde Zavelstein.

Als es die DDR noch gab, fragte ein Westberliner seinen Ostberliner Cousin: „Warum nennt ihr eigentlich eure Besatzer aus der Sowjetunion ‚Brüder‘?“ Darauf antwortete er: „Freunde kann man sich aussuchen, Brüder nicht.“
Ganz unkompliziert schreibt Markus von Jesu Brüdern und Schwestern. Das mag uns, die wir das Glaubensbekenntnis kennen, erstaunen. Hatte die „Jungfrau Maria“ denn tatsächlich weitere Söhne und Töchter?
Oder sind es Cousins und Cousinen, die hier als Jesu Geschwister bezeichnet werden? Oder einfach junge Menschen, Bekannte aus Nazareth, der Kleinstadt, in der Jesus aufgewachsen war? Ungefähr gleichaltrige Menschen, die aus derselben Ortschaft stammen und mit einem aufgewachsen sind, als Brüder und Schwestern zu bezeichnen, ist zumindest in Teilen Afrikas bis heute nicht unüblich.
Ich persönlich bin der Auffassung, wir dürfen die Bibel hier wörtlich nehmen. Jesu hatte einige jüngere Geschwister, zumindest mütterlicherseits, nämlich seine Brüder Jakobus, Joseph, Simon und Judas, und mindestens zwei Schwestern, deren Namen wir aber leider nicht erfahren.
Aber, obwohl uns vielleicht interessiert, ob Jesus Geschwister hatte, Jesus selbst ist es offensichtlich nicht entscheidend wichtig.
Er hat in dieser Geschichte seine leibliche Verwandtschaft schon ein Stück weit hinter sich gelassen. Er ist nicht mehr in seiner Heimatstadt Nazareth, er wohnt und arbeitet längst nicht mehr zu Hause bei seiner Familie, sondern Jesus hat sich seiner wahren Berufung zugewendet: Er ist unterwegs in Galiläa und Judäa, um Menschen in Gottes Reich einzuladen.
Alle die, die er erfolgreich in Gottes neue Welt einlädt, alle, die sich auf Gottes Willen einlassen, werden hier von ihm als seine wahren Verwandten bezeichnet. Ganz anders also als in unserer Anekdote aus der früheren DDR: Jesus sucht sich seine Brüder, Schwestern und Eltern selbst. Seine Jüngerinnen und Jünger werden bei ihm zu Geschwistern und Verwandten.
„Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ Was für eine großartige Einladung an uns. Auch wir können in Jesu Sinne glauben, handeln und leben. Wir können den Willen Gottes tun, den Jesus uns in der Bergpredigt eindrücklich vor Augen gestellt hat. Wir können an Jesus als den Christus Gottes glauben, der uns befreit aus all unseren bisherigen Verhältnissen und Verstrickungen. Wir können leben im absoluten Vertrauen auf Gott, unseren himmlischen Vater.
So werden wir hineingenommen in die Familie Gottes. Wir werden zu Gottes geliebten Kindern und damit zu den Erben der göttlichen Verheißung auf ein Himmelreich, das sowohl in unserer Welt beginnt als auch weit darüber hinaus weist.
Jesus nennt alle Menschen, die Gottes Willen tun, seine wahren Verwandten.
Dennoch, und das finde ich an Jesus großartig, hat er seine eigene Verwandtschaft darüber nicht verleugnet oder vernachlässigt. Sein Bruder Jakobus wird nach Jesu Tod und seiner Auferstehung als „Herrenbruder“ in der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalems eine wichtige Rolle spielen. Und zu seinem Lieblingsjünger Johannes sagt Jesus in seiner Sterbestunde, dass er sich von nun an um Maria kümmern soll: „Siehe, dies ist deine Mutter.“ So sorgt Jesus bis über den Tod hinaus für seine leibliche Familie.
Uns aber lädt er ein, zur Familie Gottes zu gehören. Ich denke, es lohnt sich, dieser Einladung zu folgen. Denn was könnte es im irdischen und im himmlischen Leben Schöneres geben, als Jesus zum Bruder und Gott zum Vater zu haben?

Gebet

Erhabener Gott, du thronst im Himmel, aber du wohnst bei den Armen. Du siehst die Größe der
kleinen Leute, die andere oft übersehen. Du liebst ihre Großherzigkeit, über die andere spotten. Gott, lehre uns genau hinzusehen und uns anrühren zu lassen. Stärke uns durch das Vorbild Jesu.
Sylvia Bukowski

Luthers-Familienzeit

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