Christliche Themen für jede Altersgruppe

Geburtswehen einer neuen Zeit

Johannes 16,16+20–22  Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll zur Freude werden. Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.



Impuls zum Predigttext für den  Sonntag Jubilate:  Johannes 16,16–23.  Von Herbert Würth

Herbert Würth ist geschäftsführender Pfarrer in Hechingen.


„Da bin ich kräftig ins Schwimmen geraten“, erzählt der Abiturient über seine mündliche Prüfung. Eine Aufgabe, auf die er nicht vorbereitet war, hat ihn kalt erwischt. Auch bei anderen Lebensprüfungen geraten wir manchmal gewaltig ins Schwimmen. Denn manches will uns runterziehen. Dann erlahmen die Kräfte. Gut, wenn wir da nicht absinken oder gar untergehen.
Bei Taufgesprächen frage ich oft, was die Eltern ihren Kindern mitgeben möchten. Manchmal erzähle ich vom Talmud, der Zusammenfassung von jüdischen Gesetzen und Geschichten, dass Eltern ihren Kindern fünf Dinge mitgeben sollen. Religiöse Erziehung, Ausbildung, Handwerk und eine gute Ehe gehören dazu. Die fünfte Aufgabe des Talmuds scheint aus dem Rahmen zu fallen, birgt jedoch eine tiefe Weisheit in sich: Eltern sollen ihre Kinder das Schwimmen lehren.
Schwimmen können hat etwas damit zu tun, den Kopf über Wasser zu halten, im Strom der Zeit nicht unterzugehen. Außerdem: Wer seinen Kindern das Schwimmen beibringen will, der muss wissen, wie lange man sein Kind festhalten soll, und wann man loslassen muss.

In den ausführlichen Abschiedsreden des Johannesevangeliums bereitet Jesus seine Jünger auf die Zeit vor, in der sie ihn nicht mehr sehen werden. Er wird sie verlassen. Auch wenn er sie – wie Eltern ihre Kinder – gerne festhalten wollte, führt kein Weg am Loslassen vorbei. Nur indem er hinauf nach Golgatha geht und zu seinem Vater im Himmel erhöht wird, kann er alle zu sich ziehen.

Darum bereitet er seine Jünger auf den Abschied vor. Er tut das in aller Klarheit und Härte. Denn zu diesem Abschied gehört auch: Sie werden nicht um das Leiden herumkommen. Zugleich macht er ihnen Mut. Am Ende wird die Freude über das Wiedersehen allen Schmerz aufheben.

Als Bild für diesen Schmerz beim Loslassen verwendet er das Bild von der Geburt. Wehen tun weh. Die Schmerzen, die eine Frau aushalten muss, werden verglichen mit dem Leiden der Christen. In Ägypten und vielen anderen Ländern leben Christen in Angst und werden Menschenrechte nicht eingehalten. Es gibt Verletzungen, Mord und Totschlag.

„Ihr werdet weinen und klagen“, sagt Jesus nüchtern, fast brutal. Das heißt: Leben gibt es nicht ohne Leiden. Wer Schmerzen und Traurigkeit aus dem Leben ausblenden will, blendet einen Teil des Menschseins aus.

Der christliche Glaube verharmlost oder verherrlicht solche Leidenszeiten nicht. Aber er sagt: Es hat ein Ende. Und dieses Ende der Leiden hat mit diesem Jesus zu tun. Denn er ist nicht nur weggegangen, sondern er kommt auch wieder. Die Leiden dieser Zeit sind wie Geburtswehen auf die neue Zeit, auf die neue Welt Gottes.

Da müssen die Jünger durch und schwimmen lernen. Jesus lässt sie los. Sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.

Bis vor vierzig Jahren gab es eine Einteilung in Freischwimmer, Fahrtenschwimmer, Jugendschwimmer und Rettungsschwimmer. Übertragen auf den Glauben heißt das: Wir alle sind Schwimmende, getragen vom Wasser, getragen von der Zusage Gottes: Ich hab dich lieb.

Wichtig ist lediglich, dass wir auf dem Weg sind, uns auf dieses Wagnis des Glaubens eingelassen haben. Manche sind da am Anfang, lernen schwimmen, lernen glauben. Ich denke dabei an die Jugendlichen, die in diesem Monat konfirmiert werden. Andere sind schon ein Stück weiter, machen den Fahrtenschwimmer, hinein ins Leben. Und wieder andere haben den Rettungsschwimmer, sorgen nicht nur für sich, sondern für andere, bei denen der Glaube schwach wird, bei denen die Kraft ausgeht.
Schwimmen lernt man nur, wenn man sich ins Wasser traut. Glauben lernt man nur, indem man es wagt, diesem Gott zu vertrauen. Denn Gottes Liebe trägt und hält im Leben.

Gebet
Du Gott der Hilfe und des Trostes,
manchmal steht uns das Wasser bis an die Kehle.
Wellen von Sorgen und Ängsten
gehen über uns hinweg.
Wir haben Angst, unterzugehen.
Bleib bei uns, wenn uns das Leben schwer wird.
Barmherziger Gott,
manchmal merken wir, wie wir getragen sind.
Danke für deine bedingungslose Liebe.
Lass uns mithelfen, andere zu entlasten.
Lass uns Boten der Freude sein.
Amen.




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