Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hinabsteigen in die Tiefe

Sonnenbühl-Genkingen (Dekanat Reutlingen) – Das Leben von Martin Luther kannte viele Höhen und Tiefen. Vor allem seine Höllenangst konnte bei einer Führung in der Nebelhöhle in besonderer Weise nachempfunden werden.

Beeindruckendes Lichtspiel in der Nebelhöhle in Sonnenbühl-Genkingen.

An diesem schönen Frühlings-Samstag versammeln sich rund 70 Besucher vor dem Eingang zur Nebelhöhle nahe Sonnenbühl-Genkingen auf der Alb. Sie sind gespannt auf die außergewöhnliche Höhlenführung unter dem Titel „Von Höllenangst zu Paradiesfreuden – ein Gang durch Martin Luthers Leben“, die anlässlich des Reformationsjubiläums stattfindet. Veranstaltet wird sie von den vier Kirchengemeinden der bürgerlichen Gemeinde Sonnenbühl.

„Luther war der Sohn eines Bergmanns, da dachten wir, das passt doch zur Nebelhöhle“, erzählt Pfarrer Hansjörg Eberhardt aus Genkingen. Seine Kollegen, Pfarrer Thomas Kurz und Pfarrer Normann Grauer, hätten die Idee dann hauptsächlich weiter entwickelt. Rund 20 Mitwirkende aus den Kirchengemeinden Genkingen, Undingen, Willmadingen und Erpfingen beteiligen sich mit Lesungen, Liedern, Anspielen und Impulsen bei der Höhlenführung.

„Luther und die Reformation interessieren mich und da bin ich dem Aufruf mitzumachen gerne gefolgt“, sagt etwa Reiner Schweikert aus Undingen. Der Kirchengemeinderat und Höhlenführer Kuno Wanderer aus Genkingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Leuten den Glauben auch auf ungewöhnliche Art etwas näher zu bringen. „Die sollen merken, dass man fromm und gleichzeitig fröhlich sein kann“, meint der agile Rentner.

Die erste Besuchergruppe steigt in die Höhle hinab. Es ist bei einer Temperatur von neun Grad recht frisch. Auf den Stufen wird die Gruppe von Kuno Wanderer in Talar und Barett überrascht und stürmisch begrüßt. „Gott zum Gruße“ ruft er und fordert die Leute lautstark auf: „Steigt hinab in die Tiefe eines Menschenlebens und dann wieder hinauf in die Höhe eines Lebens im Gottvertrauen!“

Die Gruppe macht sich weiter auf den Weg in die Tiefe der ältesten Schauhöhle der Schwäbischen Alb. Zwischen Fels- und Tropfsteinformationen hält man immer wieder inne und spürt Luthers Leben nach. Von der Geburt über die Schul- und Studienjahre, bis ins Kloster und bis zur großartigen Entdeckung, die der spätere Reformator in der Bibel macht, begleiten die Besucher im Geist Luther. Mit dabei immer die Nebelhöhle, die die großartige Kulisse bildet und gleichermaßen als Symbol wirkt.

Drei weißgewandete junge Chorknaben erzählen aus der harten Schulzeit des Reformators. „Die Lehrer waren grausam wie Henker. Fünfzehnmal wurde ich geschlagen ohne jede Schuld, nur weil ich das Deklinieren nicht gekonnt habe“, zitieren sie ihn. Als Kurrendesänger verdiente sich Luther manchen Groschen dazu.

An einer anderen Station wird die tiefe Furcht Luthers um sein Seelenheil thematisiert. Bei einem Gewitter bittet er in Todesangst die Heilige Anna um Schutz und verspricht ins Kloster zu gehen. Mittels einer Windmaschine, Blechen und Blitzen wird ein Gewitter nachempfunden. Die Gruppe ist froh, dass man auf den Regen verzichtet hat. In der nächsten Station begegnet einem Luther als Mönch, aus einer Felsspalte, die eine Klosterzelle sein könnte.

Pfarrer Normann Grauer spielt den Mönch eindrucksvoll. Wie ihn die Verzweiflung quält, wie er darum ringt, einen gnädigen Gott zu bekommen. Der sich kasteit, Buße tut und ausdauernd beichtet. „Wir machen unsere Beichtväter müde“, bekennt der Mönch. Höllenängste treiben ihn um. Wie sich damals die Menschen die Hölle vorstellten, zeigen Bilder von Hieronymus Bosch, auf denen der Mensch körperlich gequält wird und für seine irdischen Sünden büßen muss.

„Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hat mich besessen“, singt der Pfarrer die von Luther gedichteten Verse über seine damaligen Erfahrungen.

Luther entdeckt in einer weiteren Station die Bibel und sagt über sie: „Es sind nicht Lesewörter, es sind Lebenswörter.“ Es geht zum Höhlenende, die reformatorische Erkenntnis Luthers aus dem Römerbrief bildet das Finale. Unterschiedliche Bibeltexte werden gleichzeitig vorgelesen, es kristallisieren sich einzelne Aussagen heraus, am Ende steht der sich wiederholende Vers: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Der Posaunenchor Genkingen spielt das Luther-Lied „Ein feste Burg“ in der farbig illuminierten Höhle.

Es kommt fast österliche Stimmung auf. Für Luther bedeutete die Erkenntnis der Gnade Gottes eine Art Auferstehung. „Bei dieser Erkenntnis fühlte ich mich wie neugeboren, als wäre ich durch geöffnete Pforten ins Paradies eingetreten“, sagte er darüber später. Und da öffnet sich eine Türe hoch oben an der Höhlenwand, Licht fällt ins Dunkel – eine starke Symbolik. Die Gruppe steigt die steile Treppe empor ans Tageslicht und atmet auf.

Das war der passende Ort. „Der Aufstieg ins Helle war ganz toll“, fand Christiane Diebold aus Burladingen. „Das war richtig beeindruckend“, meinte eine Besucherin, die extra aus Blaubeuren angereist war. Die Wirtschaft gleich neben der Nebelhöhle hatte extra für die Besucher länger geöffnet. „Luther war ja auch kein Kostverächter“, sagen die Organisatoren. Auf der Heimfahrt im milden Abendlicht wirkt mancher Impuls nach.

Luthers-Familienzeit

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