Christliche Themen für jede Altersgruppe

Keine Scheu vor Gott

Johannes 4,46–51 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn der war todkrank. Da sprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Der königliche Beamte sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er noch hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt.

Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Epiphanias: Johannnes 4,46-54.  Von Christina Hirt

Christina Hirt ist Pfarrerin in Aichtal-Grötzingen.

Es ist der Alptraum aller Eltern: Das Kind liegt schwer erkrankt im Bett und keine Medizin hilft mehr. Der Vater in der Geschichte verließ sogar seinen sterbenskranken Sohn, um im dreißig Kilometer entfernten Kana bei Jesus um Hilfe anzufragen. Wie er diesen Weg wohl zurücklegte, so zwischen Hoffen und Bangen? Er sehnte sich nach einem Wunder, gegen alle Prognosen und gegen alle Wahrscheinlichkeit.

Nicht nur Not lehrt beten. Aber in Zeiten der Not werden Menschen oft ganz anders und intensiver ins Gebet getrieben als sonst. Wer, wenn nicht Gott, könnte noch helfen, wo nach menschlichem Ermessen eben keine Hilfe mehr möglich ist?  So gehören der Glaube und die Hoffnung auf ein Wunder irgendwie zusammen. Selbst wenn Glauben nicht auf Wundererfahrung und Wunderbeweise reduziert werden kann. Vielleicht reagierte Jesus ja deshalb zunächst so schroff und beinahe ablehnend, als der Vater ihm sein Anliegen vortrug.

Doch der Vater ließ sich nicht beirren. Er wiederholte einfach noch einmal seine Bitte: „Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!“ Darin ist er für mich ein Vorbild. Denn manchmal spüre ich beim Beten eine gewisse Scheu, mit dem Unmöglichen vor Gott zu treten. Als ob man sich eine gewisse Zensur auferlegen würde: ja nicht zu groß hoffen, ja nicht zu viel erwarten. Fürchte ich die Enttäuschung und reduziere deshalb schon im Voraus meine Erwartung? Oder traue ich meinem Herrn und Gott etwa nicht zu, dass er eine Sache gegen alle Wahrscheinlichkeit doch noch zum Guten wenden könnte? Die Erfahrungen mit Kranken, die letztlich nicht geheilt wurden, schwirren durch meinen Kopf, wenn ich an einem Krankenbett sitze und beten soll. Welche Bitte darf ich hoffnungsvoll und zuversichtlich aussprechen, ohne den Eindruck zu hinterlassen, dass Gottes Weg vielleicht doch auch ganz anders aussehen könnte?

Was der Vater wollte, das sprach er jedenfalls direkt und ohne Schnörkel aus: Jesus sollte mitkommen und seinem sterbenden Kind helfen. Jesus kam aber nicht mit. Er schickte den Mann alleine nach Hause. Das Einzige, was er ihm mitgab, waren diese Worte: „Dein Sohn lebt.“ Da war nichts zu sehen. Kein offensichtliches Wunder. Ja, Jesus war nicht einmal bereit, sich auf die Bitte des Vaters einzulassen und mitzugehen. Wie seine Hilfe aussehen würde, war seine freie Entscheidung. Trotzdem wird von dem Mann erzählt: „Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.“  

Auch hier möchte ich mich diesem Hofbeamten gerne anschließen. Er konnte aufbrechen und vertrauen, ohne dass er schon einen sichtbaren Beweis für die Richtigkeit der Worte Jesu gehabt hätte. Sein Rückweg war wohl genauso schwankend zwischen Bangen und Hoffen, wie der Hinweg. Diese Spannung kenne ich nur zu gut: aufbrechen müssen und vertrauen, auch wenn noch nichts zu sehen ist. Weitergehen und „nur“ Worte der Verheißung mitnehmen zu können, die noch nicht sichtbar erfüllt sind.  Manchmal ist die wahrnehmbare Hilfe Gottes ja auch weiter entfernt als eine halbe Tagesreise. Und doch ermutigt mich diese Geschichte, weiter zu beten, weiter von Gott alles zu erwarten und vertrauensvoll loszugehen.

Am Ende der Geschichte sieht der Vater ja dann auch noch das Wunder, das er als Verheißung schon glaubend mit sich trug. Er hätte es vermutlich nicht erlebt, wäre er mit seiner Bitte nicht zu Jesus gekommen.

Gebet
Gott voll ungeahnter Möglichkeiten,
zu dir kommen wir, weil wir deine Kraft brauchen.
Schenke uns Mut, der unsere Ängste überwindet, Phantasie, die unseren Träumen Flügel leiht;
lass uns spüren, was uns lebendig macht, und Leben in deine Schöpfung hineintragen. Auf dich hoffen wir in Zeit und Ewigkeit.

Amen

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,  2001, Seite 279.

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