Christliche Themen für jede Altersgruppe

Klassisch evangelisch

Heilbronn ist vor allem wegen des Dramas „Das Käthchen von Heilbronn“ berühmt, das Heinrich von Kleist geschrieben hat. Aber die Stadt ist auch für sein Rathaus mit der astronomischen Uhr bekannt und für die Kilianskirche mit dem Westturm und dem aus Lindenholz geschnitzten Hochaltar von Hans Seyfer. Mehr über Heilbronn erfahren Sie beim Gemeindeblatt-Glaubensweg am 30. Juli. 

Das Rathaus ist eines der Wahrzeichen Heilbronns. Ein Anziehungspunkt der Rathausfassade ist die astronomische Uhr (1579/80) von Isaak Habrecht  (Foto: Andreas Veigel)




Hans-Jörg Eiding kennt Heilbronn sozusagen schon immer. Er ist zwar dort nicht geboren, aber in Heilbronn aufgewachsen. Nach dem Abitur ging er erstmal weg, studierte Theologie, war als Vikar und Pfarrer in verschiedenen Gemeinden in Württemberg. Seit elf Jahren ist er wieder in Heilbronn. Jetzt als Pfarrer an der Kilianskirche.

Doch in den vergangenen Jahren haben sich Kirchengemeinden stark verändert. Aber es gibt auch eine Konstante: Der Gottesdienst in der Kilianskirche ist geblieben. „Wir haben ganz klassische evangelische Gottesdienste“, sagt Eiding. „Vier Lieder, eine Predigt, immer ein Glaubensbekenntnis.“ Die Moderne bleibt bewusst draußen. „Bei uns gibt es keine Steine, und es werden auch keine Netze geknüpft.“
Nicht einmal Familiengottesdienste gibt es. Der Grund: In der Innenstadtgemeinde von Heilbronn gibt es keine Familien und deshalb auch keine Kinder. Zwei Konfirmanden hätte HansJörg Eiding dieses Jahr gehabt. Doch mit zwei Jugendlichen kann man keinen vernünftigen Konfirmandenunterricht machen. Deshalb hat er die beiden zum Pfarrer der Nachbargemeinde geschickt.

Das Erstaunliche: Sonntags ist die riesige Kilianskirche ziemlich gut besucht – gezählt werden immer zwischen 400 und 600 Gottesdienstbesuchern. „Die Leute kommen aus ganz Heilbronn“, sagt Pfarrer Eiding. Die Gottesdienstbesucher mögen den „gediegenen und sehr sorgfältig vorbereiteten klassischen evangelischen Gottesdienst, sie mögen die herausragende Kirchenmusik und sie mögen die Kilianskirche.

Sie gehört zu den Wahrzeichen der Stadt und sie ist ein Heimat stiftendes Element, davon ist Hans-Jörg Eiding überzeugt. Das kann er auch belegen. Erst vor kurzem hat ein Ehepaar, das längst nicht mehr in Heilbronn lebt und arbeitet, sein Kind in der Kilianskirche taufen lassen. Wer zwischen Hamburg und München oder zwischen Frankfurt und New York pendelt, der erinnert sich an seine Wurzeln, und wenn er aus Heilbronn kommt, dann in erster Linie eben an die Kilianskirche.

2.200 Mitglieder hat die Kirchengemeinde – mit abnehmender Tendenz. Für den größten Teil der Gemeinde ist Pfarrer Hans-Jörg Eiding zuständig, für einen kleinen Bereich Dekan Otto Friedrich. Doch die Kirchengemeinde wird kleiner, besteht größtenteils aus Menschen, die keine teuren Mieten bezahlen können. Aber die Zahl der Gottesdienstbesucher steigt – zwar nur leicht, aber immerhin.
Doch aus der Parochie kommen nur wenige am Sonntag in die Kirche. Dabei könnte jeder Sonntagsgottesdienst als Konzert durchgehen. Mit einem Unterschied: Beim Gottesdienst zahlt man keinen Eintritt.

Kirchenmusik wird hier groß geschrieben. Jeden Samstag gibt es um 11 Uhr Orgelmusik zur Marktzeit. Gegenüber der Kilianskirche ist der Wochenmarkt. Samstags findet in der Regel um 18 Uhr die Stunde der Kirchenmusik statt.

Sechs Chöre und Ensembles gibt es in der Innenstadt. Sie verantwortet Kirchenmusikdirektor Stefan Skobowsky. Die Sänger und Musiker kommen wie die Gottesdienstbesucher aus ganz Heilbronn und zum Teil auch darüberhinaus. Klassische geistliche Musik steht im Vordergrund, aber es gibt auch eine Orgelimprovisation zum Stummfilm „Die drei Musketiere“ (6. September, 20 Uhr).

Auch das passt in die Kilianskirche, denn die Unterländer, so die Erfahrung von Hans-Jörg Eiding, sind liberal und gelassen. Sonntags gehe man als Heilbronner nicht unbedingt in die Kirche, aber typisch für Heilbronn sei die traditionelle Verwurzelung der Kirche in der Bürgerschaft.

Weil es keine Familien gibt, gab es an Heiligabend auch kein Krippenspiel. Das war zu der Zeit, als Pfarrer Eiding an die Kirche kam. Schließlich gab es ja keine Kinder. Hans-Jörg Eiding kam mit der Aufbaugilde in Kontakt, die eine Theatergruppe unterhält. Das Ensemble war zum großen Teil einmal wohnungslos gewesen. Authentischer kann ein Krippenspiel kaum sein. Die früheren Wohnungslosen helfen an Weihnachten auch als Security-Leute, die Besucherströme in der Kirche zu lenken. Zu einer Innenstadtkirche gehört aber auch eine Citykirche. Pfarrerin Alexandra Winter hat das Citykirchenpfarramt und die Evangelische Erwachsenenbildung Anfang des Jahres übernommen. Ihr ist die offene Tür wichtig, denn ihre Angebote sollen niederschwellig sein. Deshalb kann man sie dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr in einer kleinen Sitzgruppe in der Vierung der Kirche besuchen, mit ihr reden oder ihr sein Herz ausschütten.

Sie bietet auch Mittagsgebete an. „Atempause“ nennt sie die kurze Andacht, die um 12.15 Uhr stattfindet (dienstags und donnerstags). Das soll ein Innehalten im hektischen Alltag möglich machen.
Die Hauptkirche von Heilbronn ist nach dem Heiligen Kilian benannt. Kirchen mit seinem Namen sind in Württemberg selten. Kilian war im siebten Jahrhundert ein irischer Missionar und ist vermutlich in Würzburg gestorben. Im Bistum Würzburg sind deshalb viele Kirchen nach ihm benannt. Und früher gehörte Heilbronn zum Bistum Würzburg. Spätestens ab 1297 wurde auch die St. Michaelskirche in St. Kilianskirche umbenannt.

Nachdem in Heilbronn die Reformation eingeführt worden war, stritten sich der evangelische Rat der Stadt Heilbronn und das Würzburger Bistum um Zuständigkeit und Geld. Erst Ende des 16. Jahrhunderts wurde man sich einig, schreibt Stadtarchivar Christhard Schrenk im Kirchenführer. Die Kirche blieb evangelisch, aber die Gemeinde musste bis ins 19. Jahrhundert hinein Ausgleichszahlungen an Würzburg leisten.

Kilian findet sich in der Kirche übrigens gleich dreimal wieder: im Seyfer-Altar, in einem Glasfenster und am ­mittleren Südportal.


So kommen Sie nach Heilbronn

Mit dem Auto:
Von Stuttgart aus erreicht man Heilbronn über die A 81, Ausfahrt Untergruppenbach. Dann geht es über die B 27 / B 293 (Südstraße) bis zur Innenstadt. Aus Richtung Schwäbisch Hall oder Sinsheim erreicht man Heilbronn über die A 6, Ausfahrt  Heilbronn/Neckarsulm. Dann geht es über die B 27 / B 293 (Südstraße) bis zur Innenstadt.
Parkmöglichkeiten gibt es in den Parkhäusern „City Parkhaus Experimenta“, „Kiliansplatz“ und „Stadtgalerie“. In der Innenstadt gibt es ein Parkleitsystem.
Mit der Bahn: Aus Richtung Stutt­gart mit RE oder RB. Von dort erreichen Sie die Kilianskirche zu Fuß (15 Minuten), mit Bus oder Stadtbahn S 4, S 41, S 42. Haltestelle Rathaus.
Hinfahrt: Ab Stuttgart Hauptbahnhof: 8.15 Uhr /?9.07 Uhr/ 9.45 Uhr; an Heilbronn Hauptbahnhof: 9.01 Uhr / 9.44 Uhr / 10.29 Uhr. Ab Crailsheim 8.38 Uhr; an Heilbronn 9.52 Uhr.
Rückfahrt: Ab Heilbronn? Hauptbahnhof 16.57 Uhr / 17.13 Uhr / 17.26 Uhr. An Stuttgart Hauptbahnhof: 17.43 Uhr?/?17.58 Uhr / 18.15 Uhr. Ab Heilbronn 16.36 Uhr / 18.03 Uhr; an Crailsheim 18.17 Uhr / 19.21 Uhr.

Das Programm des Glaubenwegs
11 Uhr: Gottesdienst zum Glaubensweg in der Stadtkirche mit Dekan Otto Friedrich, Petra Ziegler und Kirchenmusikdirektor Stefan Skobowsky.
12.30 Uhr: Informationen über die Kirchengemeinde in der Kilianskirche: Pfarrer Hans-Jörg Eiding.

Führungen in der Stadtkirche mit Kirchenführern der Gemeinde (kostenlose Karten): 12.45 Uhr, 13.30 Uhr, 14.15 Uhr, 15 Uhr. Dauer: jeweils 45 Minuten. Da zwei Gruppen gleichzeitig geführt werden können, gibt es zwei Treffpunkte:  am Hochaltar  und vor dem Portal der Kilianskirche. Ab 14 Uhr ist der Turm für Interessierte geöffnet (180 Stufen). Eine Turmführung für Gruppen ist aus Platzgründen nicht möglich.

Führungen durch Heilbronn (Karten kosten jeweils 3 Euro):
Klassische Stadtführung: 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr.
Unterwegs mit dem Käthchen von Heilbronn: 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr.
Dauer: jeweils 1 Stunde. Treffpunkt: Am Rathaus (Marktplatz).

Zwischen 11.45 Uhr und 14.30 Uhr: Mittagessen im Hans-Rießer-Haus, Am Wollhaus 13 (mit Karten): Hausgemachte Maultaschen (auch vegetarisch) mit Kartoffelsalat und Zwiebelsauce. Dazu gibt es ein alkoholfreies Getränk (9 Euro).

15.45 – 16.15 Uhr: Offenes Singen von Liedern der Reformation, mit Stefan Skobowsky.

16.15 Uhr: Abschluss-Andacht in der Kilianskirche mit Petra Ziegler und Stefan Skobowsky.

Karten für die Führungen und das Mittagessen erhalten Sie am  Stand des Evangelischen Gemeindeblatts im Bereich der Kilianskirche.
Das Hans-Rießer-Haus, Am Wollhaus 13, erreichen Sie zu Fuß in 10 Minuten.
Kostenlose Toiletten gibt es in Gasthäusern und Cafés mit dem roten Aufkleber „Nette Toilette“ und im Kilianshaus, gegenüber der Kilianskirche.

Entsprechend der Tradition der Kiliansgemeinde wird bereits um 9.30 Uhr Gottesdienst gefeiert. Alle Gäste des Glaubenswegs sind auch zu diesem Gottesdienst eingeladen.

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