Christliche Themen für jede Altersgruppe

Knechte – weiter nichts?

Lukas 17,7–10 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Impuls zum Predigttext für Sonntag Septuagesimä: Lukas 17, 7–10.  Von Johannes Eißler

Johannes Eißler ist Pfarrer in Eningen unter Achalm.


Derzeit richten wir aufmerksame und kritische Blicke Richtung USA. Bei der Beschäftigung mit den Amerikanern habe ich entdeckt, dass dort in vielen Schulen die jungen Leute beim morgendlichen Flaggenappell einen Schwur sprechen. Auf Deutsch heißt er ungefähr so: „Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.“ Das Wort „allegiance“ („Treue“) kann man auch mit „Gefolgschaft“, „Gehorsam“ oder „Untertanenpflicht“ übersetzen.

Seit der Nazizeit sind wir in Deutschland verständlicherweise vorsichtig mit Appellen und Treueschwüren. Trotzdem imponiert mir dieser Brauch. Ob wir uns vorstellen könnten, in einem Morgenritual Jesus gegenüber Treue und Gefolgschaft zu versprechen? Jesus möchte, dass wir tun, was uns aufgetragen ist. Dass wir unseren Platz einnehmen und schlicht das Geforderte erledigen. Nicht mehr und nicht weniger.

Knechte und Mägde wie vor Jahrhunderten gibt es nicht mehr in Deutschland. Und doch verlässt sich jeder von uns darauf, dass die bestellte Ware rechtzeitig geliefert und der Müll pünktlich abgeholt wird. Was würde geschehen, wenn auch nur einer in der Arzneimittelfirma das falsche Etikett auf die Ampulle kleben würde?

Wir leben davon, dass jeder von uns die kleinen und großen Aufgaben in seinem Bereich nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt.

Da ist der Fernfahrer, der im Dienst keinen Alkohol anrührt, um niemanden zu gefährden. Da ist die Frau, die ihren Vater liebevoll pflegt und die letzte Wegstrecke seines Lebens teilt. Da ist der Assistent, der seiner Chefin gewissenhaft zuarbeitet. Es wäre schon etwas, wenn wir durch unser Tun dazu beitragen würden, dass das Selbstverständliche selbstverständlich bleibt. Vielleicht können wir an der einen oder anderen Stelle sogar noch eine Schippe drauflegen: die Kehrwoche für die kranke Nachbarin übernehmen, ein aufmunterndes Wort sagen, ein Lächeln schenken.

Warum aber – um alles in der Welt – sollten wir unnütze Knechte sein? Die Rolle des Dienenden einzunehmen, finde ich anspruchsvoll genug. Wenn ich schon diene, dann soll es auch zu etwas gut sein. Dann soll es doch jemandem nützen. Meiner Meinung nach überzieht Jesus hier bewusst, um die Aufmerksamkeit seiner Hörerinnen und Hörer sicherzustellen. Ab und zu hat Jesus aus didaktischen Gründen den Bogen überspannt – zum Beispiel, wenn er sagt, man soll sich das Auge ausreißen, bevor man verführerische Blicke riskiert. Oder wenn er dem reichen Mann rät, alles zu verkaufen. „Wir sind unnütze Knechte“ übersetzt denn auch die BasisBibel, eine neue moderne Bibelübersetzung, sinngemäß mit „Wir sind Knechte, weiter nichts.“

Die Geschichte wäre unerträglich, wenn Jesus hier als Juniorchef auftreten würde, der im Namen seines Vaters von allen fordert, ordentlich zu kuschen und strammzustehen. Nach dem Motto: „Euer Lohn ist, dass ihr dienen dürft!“ Jesus begegnet uns völlig anders. Er ist derjenige, der sich selbst den Schurz umbindet und seinen Jüngern die Füße wäscht. Seine Botschaft lautet: „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“



Gebet

Herr Jesus Christus, danke für dein Vorbild. Du hast
dein Leben eingesetzt für deine Freunde. Gib uns
Mut, den Platz auszufüllen, der für uns vorgesehen ist.
Mit deiner Hilfe werden wir nicht von jedem Wind
umgeblasen werden. Danke für allen Beistand.
Amen.

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