Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Kommt, wir gehen zur Arche“

BAD CANNSTATT – Tanzen, Singen, Beten: In der „Musikarche“ erfahren Kinder Musik in ihrer Vielfältigkeit gekoppelt mit Religions- und Bewegungspädagogik. Das Konzept der „Christlichen Gemeinde­musikschule der Apis“ (CGS) eignet sich für Kinder im Vorschulalter.

Die Raupe Kasimir erzählt den Kindern alles über die Arche Noah. (Foto: Claudia Burst)

„Leis, leis, wir machen einen Kreis“, singt Janne Haußmann mit leiser Stimme. Die sieben Kinder, die soeben noch laut tobten, reagieren sofort. Sie werden still und setzen sich erwartungsvoll auf die ausgelegten Filzmatten auf dem Fußboden des Gemeinderaums in der Andreäkirche in Bad Cannstatt.
Beim nächsten Lied stehen sie schon wieder auf und singen mit: „Kommt wir gehen heut zur Arche, kommt doch alle mit!“ Dieses Lied kennen sie – sie marschieren, wo der Inhalt es erfordert, sie strecken den Arm aus und beim „Yeah“ hüpfen alle so hoch sie können. Lachend hocken sie sich danach wieder hin. Janne Haußmann betet kurz, dankt Gott für den Tag, die Kinder beten mit. „Wer macht das Vorspiel für Stern über Bethlehem?“, fragt sie und die kleinen Musikanten rufen laut „Ich, ich, ich!“
Das haben sie beim letzten Mal schon geübt – dafür haben die Vier-bis Sechsjährigen auch einen Stern als Hausaufgabe gebastelt. Noah setzt sich hochkonzentriert ans Xylofon, Greta darf die klingenden Stäbe bedienen.

Janne Haußmann schaltet die Hintergrundmusik auf ihrem Handy ein und es geht los: Noah stimmt mit dem Schlägel die richtigen Töne an, Greta an den Stäben, die anderen Kinder tanzen im Kreis, bewegen ihre Sterne im Rhythmus und singen.

Das alles passiert in den ersten zehn Minuten – es ist Musikarche. Ein musikalisches Früh­erziehungskonzept der Christlichen Gemeindemusikschule der Apis (CGS). Die Musikarche kombiniert Musik- mit Bewegungs- und Religions-Pädagogik und eignet sich für Kinder im Vorschulalter. Die Musikarche kann von Kindergärten übernommen oder in die kirchliche Gemeindearbeit integriert werden.

Dafür hat die Musikschule mit dem Oberkirchenrat der Landeskirche extra einen Kooperationsvertrag vereinbart. „Es ist jedoch speziell für Kleingruppen von fünf bis acht Kindern. Jedes Kind soll selber musizieren dürfen  und oft drankommen“, erläutert Elisabeth Binder, die Leiterin der Schule, das Prinzip. Für die Kinderarche – ein geschützter Begriff – werden die jeweiligen Anleiter in einem Seminar über drei Wochenenden geschult. Die Teilnehmer erhalten das dazugehörige Schüler-Heft und CD sowie ein Lehrerhandbuch.

„Oft wird zu Haus nicht mehr gesungen“, weiß Elisabeth Binder. Um Kinder trotzdem wieder mit einem großen Schatz an Kirchen- und Kinderliedern zu bereichern und ihnen in diesem Zusammenhang auch Elemente des christlichen Glaubens mit auf den Lebensweg zu geben, hat Binders Vorgänger bei der Gemeindemusikschule, Matthias Hanßmann, mit einem Team vor zehn Jahren die Musikarche entwickelt. „Für Gemeinden ist das eine Chance, einen neuen Zugang zu Menschen zu finden, die sich sonst nicht mit Kirche beschäftigen“, sagt Elisabeth Binder.

Bei den Kleinen in Bad Cannstatt ist in der Zwischenzeit die Handpuppe Kasimir aufgetaucht. Das ist eine Raupe – und ein festes Element – in der wöchentlichen Musikgruppe. Kasimir ist eines der Tiere auf Noahs Arche. Sie kennt den Elefanten Emil persönlich, der die Kinder mit der Note e bekannt macht und auch den Geparden, der über Emil in der Arche wohnt und irgendwann das „g“ personifiziert.
Die Minis lieben Kasimir. Wenn Kasimir etwas wissen will, haben sie die Antwort sofort parat. Hier hören sie zu und wissen, warum Noah die Arche gebaut hat, wie lange er in den Fluten schippert und auch, wie sich die Tiere in der Zwischenzeit die Zeit vertrieben haben.

An diesem Tag ist Kasimir ganz aufgeregt: „Morgen soll ein Vogel rausfliegen, Noah will wissen, ob Land in Sicht ist“, erzählt er den Kindern. „Zuerst hast du gedacht, die Arche ist ein Karton“, erinnert sich Nils und lacht. „Ein Kasten, ja“, stimmt Kasimir dem Jungen zu und scheint zu grinsen. Als er sich mit einem „Tschüss“ von den kleinen Arche-Besuchern verabschiedet, knuddeln und busseln manche das „Tier“ und wollen es gar nicht mehr loslassen. „Am Ende verwandelt sich Kasimir in einen Schmetterling“, verrät Elisabeth Binder die Idee hinter Kasimir, der durch Noah irgendwann mit Gott Freundschaft schließt. „Dadurch entfaltet er sich und erlebt alles neu“, sagt sie.

Am Ende: Das ist in der Regel nach einem Schuljahr. So ist die Musikarche konzipiert. Danach ist der Frachtraum der Arche – also die Notenlinien – voll mit sämtlichen Noten. Die Kinder kennen 36 Lieder, haben Bekanntschaft mit vielen Musikinstrumenten geschlossen, sie haben ein Gefühl für Rhythmus entwickelt und ihre Körperwahrnehmung und Koordination geschult. Und sie haben erfahren, dass man mit Gott im Leben unterwegs sein kann, dass man mit Gott reden kann, wie beten geht.

Einige Musikarche-Anbieter, darunter auch Janne Haußmann, lassen die Arche jedoch zwei Jahre lang schwimmen. „Auf diese Weise kann ich den Kindern in meinen beiden Kursen mehr Zeit zum Üben lassen. Und ich kann den jahreszeitlichen Aspekt einfügen“, erläutert sie den Grund. „Ich finde das wichtig“, sagt die Sonderpädagogin, die die Musikarche in Bad Cannstatt als Vertreterin der Gemeindemusikschule anbietet und nicht im Auftrag der Andreä-Gemeinde. „Mich bereichert das“, sagt die 38-Jährige. „Ich geh auch gern auf die Fortbildungen“, erzählt sie.

Eine Dreiviertelstunde dauert die Musikarche jede Woche. Die Kinder haben inzwischen pantomimisch Instrumente demonstriert und gegenseitig erraten. Sie tanzten im Kreis nach außen und innen und drehten sich um sich selbst. Und – sie üben das Ta, das Titti und das Taowao.

„Wer kann das Zeichen für das Ta in die Luft zeichnen?“, will Janne Haußmann wissen. „Das ist doch babyleicht!“ ruft Greta und zeichnet einen Strich. „Daraus entsteht dann die Viertelnote“, erläutert Haußmann später. Das „Titti“ wird sich zur Achtelnote entwickeln, das Taowao zur ganzen. Geübt werden die Notenlängen mit Klangstäben. Die Leiterin gibt einen Rhythmus vor, die Kinder machen ihn nach.

Weil das prima funktioniert, wird „Jingle Bells“ auf dem Handy angeklickt. Zwei Glöckchen, zwei Triangeln und drei Klangstäbe. Auch hier weiß jedes der Kinder bereits, an welcher Stelle sein Einsatz kommt. Es funktioniert, Janne Haußmann lobt ihre Schüler. „Super habt ihr das gemacht!“ „Können wir das nochmals spielen?“, bettelt Noah.

Aber die 45 Minuten gehen dem Ende zu. Wie immer zum Schluss der Musikarche gibt es ein Segenslied – dazu wedeln die Minis mit bunten Tüchern. Das Lied wird langsamer – die Musikarche ist für diese Woche zu Ende. „Bis nächste Woche, Janne, ich freu mich schon“, rufen Junia und Nora unisono. Draußen warten bereits die Eltern.

Information
Um die Berechtigung und das Zertifikat „Musikarche“ zu erhalten, müssen Teilnehmer eine entsprechende Fortbildung absolvieren. Die nächste beginnt im Juni im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd, Anmeldeschluss 20. April.
Anmeldung und Rückfragen: Elisabeth Binder, Leiterin der Christlichen Gemeindemusikschule der Apis, Telefon 07031-8181740, mobil 01590-2106908, E-Mail: e.binder@gemeindemusikschule.de, im Internet: www.musikarche.de oder unter www.gemeindemusikschule.de.
In Baden-Württemberg gibt es 13 Standorte mit Gemeindemusikschularbeit, die Musikarchen finden in Bad Cannstatt, Waldorf-Häslach, Münchingen, Reutlingen, Backnang, Nelmersbach, Berglen und Schöckingen statt, darüber hinaus an vielen Orten in ganz Deutschland durch die Teilnehmer der Fortbildungskurse.


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