Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mann sein wie Gott ihn schuf

BAD LIEBENZELL (Dekanat Calw) – Lasso schwingen, Bagger fahren, schießen und sich als Mann beweisen. Die Chance dazu gab es beim Männeraktionstag der christlichen Gästehäuser Monbachtal und der Liebenzeller Mission. Sie ließen die Männerherzen höher schlagen.


Ein Mann, ein Lasso. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Warum macht es Spaß, ein Auto umzuwerfen? Was ist schön daran, Vollgas zu geben, um ein anderes Auto abzuschleppen, das gar nicht abgeschleppt werden will? Und was bringt es, mit einer Axt eine Zielscheibe zu treffen? Diese Fragen sind für Männer gar keine Fragen. Es sind die Fragen, die nur eine Frau stellen kann. Dementsprechend sind die Gesichter erstaunt, und das Stirnrunzeln der Männer zeigt deutlich, was Mann gerade denkt: „Warum muss eine Frau alles hinterfragen, was so offensichtlich ist. Es macht halt einfach Spaß.“

Der Männeraktionstag im Monbachtal schlägt voll ein. Waren es im vergangenen Jahr noch 200, so lockt diese ungewöhnliche christliche Aktion in diesem Jahr fast doppelt so viele gestandene Mannsbilder an. „Es ist ein Spielplatz für Männer“, erklärt ein Besucher. „Hier kann ich mich beweisen“, sagt ein anderer. Dazu gibt es wahrlich viele Möglichkeiten. Der „Männerspielplatz“ im Monbachtal, gleich hinter Liebenzell, ist riesig.

Die meisten Stationen liegen nebeneinander auf einer großen Wiese, aber manche sind auch – weil sie Platz brauchen – im Tal verstreut. Shuttlebusse bringen die Männer dorthin, beispielsweise zur Baggerstation. Unter fachmännischer Anleitung darf der Familienvater dort die Schaufel tief in die Erde rammen. Gottes Erde von einem Haufen zum anderen schaufeln.

 „Wir wollen Mannsein und Christsein verbinden“, sagt Steffen Cramer, Leiter der Männerarbeit im Monbachtal, der darin keinen Widerspruch sieht. Männer würden den Glauben viel eher mit der Natur verbinden. Bei ihren Männergottesdiensten, die es über das Jahr hinaus in den christlichen Gästehäusern Monbachtal gibt, gehen Steffen Cramer und die Gottesdienstbesucher deshalb hinaus in den Wald, kommen beim Laufen ins Gespräch oder aber auch bei gemeinsamen Aktionen. „Männer“, sagt Cramer, „lieben es Hand anzulegen, gemeinsam etwas zu schaffen. Nach getaner Arbeit, bei einem kühlen Bier, kommen sie dann auch ins Gespräch, sind beispielsweise am Stammtisch durchaus bereit, über ihre Sorgen zu sprechen.“

Aus diesem Grund gibt‘s beim Männeraktionstag auch solche Stammtische, in der Jurte, an grob gezimmerten Holztischen und -bänken. Die Zusammenkünfte werden nicht etwa mit einem Gebet oder Gesang – was christliche Treffen oftmals kennzeichnet – eingeleitet. Nein, da geht es gleich zur Sache. Ein kurzer Sachvortrag, danach direkt hinein in die Diskussion: Wann ist ein Mann ein Mann? Wie kann ein Leben zwischen Ehe, Familie, Beruf und Ehrenamt gemeistert werden? Was für Kommunikationshilfen gibt es für die Beziehung?

Der Schwerpunkt des Tages liegt jedoch auf den Aktionen, bei denen Männer gefragt sind: harte Männer, starke Männer, mutige Männer. Aber die wenigsten Männer waren mit Muskeln und Waschbrettbauch übermäßig ausgestattet. Der „Normalmann“ fühlt sich angesprochen, ist in der Überzahl und kann sein Mannsein, oder seine Vorstellung davon, ausprobieren.

Jesus werde gemeinhin als ein zarter, femininer Typ dargestellt. Nach Ansicht von Cramer ist das aber nur eine seiner vielen Seiten. Nicht gerade zimperlich sei er beispielsweise mit den Pharisäern umgesprungen, als er sie als Schlangenbrut und Natterngezücht beschimpfte. Cramer erinnert auch an die Tempelreinigung, bei der Jesus ein hohes Maß an Aggressionspotenzial an den Tag gelegt habe, als er ärgerlich die Tische und Bänke umwarf.

Also warum nicht auch mal ein Auto umwerfen. Mit Muskelkraft hochstemmen, umkippen, dass die Karosserie kracht, dann ein neuer Anlauf und das Auto wieder hochstemmen. Sven Hisch hat es sogar allein geschafft. Warum er das gemacht hat? Der junge Mann überlegt, dann sagt er: „Es steckt keine nachvollziehbare Logik dahinter. Ich habe es gemacht, weil ich es kann.“ Er ist begeistert vom Spielplatz für Männer, wie er den Aktionstag nennt. „Hier kann ich frei sein, Mann sein, so wie Gott mich schuf.“

Überschüssige Kraft kann Mann auch beim Auseinandernehmen eines Autos loswerden. Da darf das Fenster eingeschlagen, das Dach aufgeschlitzt und die Rückbank rausgerissen werden. Hundert Meter weiter geht es mit dem Geländewagen durch Matsch und Wasser, bergauf, bergab. Hinter den schlammverspritzen Fenstern funkeln vier glückliche Männeraugen.

Bei der Traktorstation gilt es die monströse Maschine mit Geschick über eine Wippe zu bewegen. Der mit Wasser gefüllte Eimer vorne an der Gabel schwankt hin und her. Es soll möglichst wenige Wasser verschüttet werden. Und dann natürlich die kämpfenden Autos. Wer schafft es, den anderen wegzuschleppen. Warum macht das Spaß? „Einmal im Leben richtig Vollgas geben und dann diesen Sound zu hören, herrlich“, schwärmt Daniel Holzwarth aus Schorndorf.

Gott braucht scharfe Männer, sagt einer, der gerade das richtige Messerschärfen lernt, und Clemens Tröger, einer der Mitarbeiter, diskutiert am Bogenschießstand darüber, was das Ziel im Leben sein sollte. „Aber keine Angst“, beruhigt Steffen Cramer, hier wird keiner bekehrt oder missioniert. Bewusst wurden auch Männer eingeladen, die keinen heißen Draht zu Gott haben, aber an der blauglühenden Schweißflamme Gefallen finden.

„Wir bieten Aktionen für Männer, die Männern Spaß machen“, sagt Cramer. Den vielen Mitarbeitern der Liebenzeller Gemeinschaft gefällt das selbst und sie zeigen damit, dass Mannsein und Christsein kein Widerspruch sein muss, dass aber umgekehrt solch eine männerzentrierte Veranstaltung auch nicht zwangsläufig zum Saufgelage werden muss. Halbstarke, Proleten und Trunkenbolde tauchen jedenfalls in Bad Liebenzelll nicht auf.

Tja, und dann gibt es noch was ganz besonderes beim Männeraktionstag. Das waren die Monbachtaler, mit denen hier bezahlt werden muss. Am Aktionstag wird zwar kein Eintritt verlangt, doch Spanferkel und geräucherte Forelle, Wurstsalat und Hamburger müssen in Talern bezahlt werden, auch die einzelnen Stationen kosten teilweise etwas. Ein Monbachtaler entspricht 1,34 Euro. Warum diese krumme Zahl? Das lässt sich doch nur schwer umrechnen. „Eben drum“, lacht Steffen Cramer verschmitzt. Die Männer sollen diesen Tag einfach genießen, ihre Taler ausgeben und nicht rechnen, was das wohl wieder kostet. Männerlogik? Wahrscheinlich.


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