Christliche Themen für jede Altersgruppe

Putzfrau ohne Taufschein?

Wie weit soll sich die Kirche Mitarbeitern öffnen, die gar nicht in einer christlichen Kirche sind? Die ­Meinungen darüber gehen auseinander. Vom „Ausverkauf kirchlicher Identität“ sprechen die einen. Die anderen sehen eine Chance zur Mission, wenn Kirche Nichtmitglieder anstellt. 

Wie christlich eine Putzfrau in der Kirche sein muss - auch darüber gibt es geteilte Meinungen. (Foto:epd-Bild)


Müssen alle Mitarbeiter in der Kirche auch Mitglied sein? Diese Frage ist Dreh- und Angelpunkt einer Diskussion in der Landeskirche. Bisher gilt, dass jeder, der in der Kirche arbeitet, auch evangelisch sein oder zumindest einer Kirche angehören muss, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angehört. Die Regelung wird deshalb auch kurz „ACK-Klausel“ genannt.

Nicht immer lassen sich aber Mitarbeiter finden, die für den Job geeignet und auch noch Kirchenmitglied sind. Deshalb gibt es schon jetzt Ausnahmen in der Kirchlichen Anstellungsordnung: Wenn der Oberkirchenrat es genehmigt, darf ein Mitarbeiter auch ohne Kirchenmitgliedschaft angestellt werden; allerdings nur befristet auf zwei Jahre.

Und genau da fangen für Dekan Klaus Käpplinger aus Stuttgart-Zuffenhausen die Probleme an. „Auf der einen Seite setzt sich die Kirche für unbefristete Arbeitsplätze ein und andererseits schaffen wir befristete Stellen.“ Außerdem hätten zum Beispiel Diakoniestationen große Probleme, Mitarbeiter zu finden. Deshalb müsse die ACK-Klausel erweitert werden. Käpplinger will nicht, dass die Regelung abgeschafft wird. Er möchte auch nicht, dass es normal wird, dass Mitarbeiter der Kirche dieser gar nicht angehören. Aber für manche Berufsgruppen wünscht er sich, dass die Genehmigungspflicht entfällt. Beispielsweise bei Küchen- oder Reinigungspersonal, Erzieherinnen oder Mitarbeiter im Bereich Flüchtlinge und Migranten, wie Übersetzer.

Dekan Timmo Hertneck aus Waiblingen widerspricht. Der Kreisdiakonieverband Waiblingen jedenfalls habe noch nie Probleme gehabt, seine Stellen zu besetzen – ganz im Gegensatz zu kommunalen Trägern von Einrichtungen wie beispielsweise Kindergärten. „Das bedeutet für mich: Die Kirche und Diakonie sind attraktive Arbeitgeber.“

Hertneck fürchtet einen „Ausverkauf kirchlicher Identität“, wenn nicht-kirchlich gebundene Mitarbeiter langfristig angestellt werden. Klaus Käpplinger hingegen fragt, ob es bei einer Putzfrau darauf ankommt, ob sie Mitglied einer christlichen Kirche ist. „Wenn wir als Kirche Putzarbeiten nach extern vergeben, haben wir auch keinen Einfluss darauf, welcher Religion die Putzfrau angehört.“ Hertneck beruft sich darauf, dass in der Kirchlichen Anstellungsordnung von einer Dienstgemeinschaft die Rede ist. „Und die Gemeinschaft aller Getauften wird zerstört, wenn ein Teil der Belegschaft gar nicht getauft ist.“

Käpplinger entgegnet diesem Argument, dass ein Taufschein alleine noch keine Gewähr dafür ist, dass jemand auch ein christliches Leben führt. Er findet es wichtiger, dass Kirche und Diakonie ihre Mitarbeiter in Glaubensfragen schulen, damit sie wissen, welches Wertefundament sie mittragen sollen. Zudem sieht der Zuffenhäuser Dekan eine große Chance darin, auch Nicht-Kirchenmitglieder als Mitarbeiter zu gewinnen. Er denkt dabei beispielsweise an die Bundesländer im Osten der Republik, wo die Kirchenmitgliedschaft 10 Prozent oder weniger beträgt. „Wenn Kirche und Diakonie sich in die Gesellschaft einbringen wollen, müssen sie auch Menschen anstellen, die gar nicht zur Kirche gehören.“ Das sei auch eine Chance für diese Mitarbeiter, mit Kirche und Glauben überhaupt in Kontakt zu kommen. Auch im Westen sei das wichtig angesichts sinkender Mitgliederzahlen.

Bei den Erzieherinnen denkt Käpplinger, dass Menschen, die keine biblischen Geschichten weitergeben möchten, auch gar nicht bei der Kirche angestellt werden wollen. In diesem Punkt sind sich Käpplinger und Hertneck einig. Aber Hertneck befürchtet, dass es künftig eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Arbeitnehmern der Kirche geben könnte: Wenn beispielsweise festgelegt werde, dass nur noch leitende Mitarbeiter einer Kirche angehören müssen, bedeute das: Auf der einen Seite gebe es eine Elite der besser verdienenden Kirchenmitglieder, auf der anderen Seite die Nichtmitglieder im niedrigen Lohnbereich. „Es wäre nicht mehr meine Kirche, wenn die Oberschicht der Mitarbeiter evangelisch ist und mit den weniger Verdienenden keine Abendmahlsgemeinschaft haben kann.“ Zudem fragt Timmo Hertneck, was an einer Einrichtung noch evangelisch sein könne, wenn nur noch die leitenden Mitarbeiter der Kirche angehören.

Dieses Problem sieht Klaus Käpplinger nicht. Schließlich soll es seiner Meinung nach die Ausnahme bleiben, dass Menschen, die nicht zur Kirche gehören, bei der Kirche arbeiten. Er wünscht sich zudem, dass Menschen, die keiner Kirche angehören, aber bei der Kirche eine Ausbildung machen, auch dort arbeiten können. Denn Praktikanten und Auszubildende müssen nicht der Kirche angehören.
Der Synodale Martin Plümicke will ebenfalls keine MuslimIN, die einen evangelischen Kindergarten leitet. Aber im Bereich Dienstleistung und Verwaltung müsse eine Öffnung her. In der Diakonie werde dies schon praktiziert. In den dort gültigen Regelungen heißt es, dass die Mitarbeiter die evangelische Grundlage der diakonischen Arbeit anerkennen müssen. Für Plümicke kommt es darauf an, das Arbeitsrecht für die Kirche und die Diakonie anzugleichen.

Wenn das nicht geschieht, dann kann das zu Problemen führen, meint Dekan Klaus Käpplinger. Etwa, wenn eine ehemals diakonische Einrichtung einer kirchlichen Einrichtung angeschlossen wird. Dann verlören die Mitarbeiter, die zu keiner Kirche gehören, zwar nicht ihren Arbeitsplatz, aber bei NeueinstellunGen müsse auf die Mitgliedschaft geachtet werden. Und das führe zur Ungleichheit.
Das Thema wurde bereits in die Landessynode eingebracht. Ein Antrag zur Öffnung der ACK-Klausel wurde im vergangenen Frühjahr an den Rechtsausschuss verwiesen. Dessen Vorsitzender, Christian Heckel, berichtet, dass der Ausschuss noch ganz am Anfang der Beratungen steht. Beide Seiten hätten gewichtige Argumente für ihre Position, da gelte es, gut abzuwägen. Ob die Beratungen letztendlich in einen Gesetzentwurf münden, ist noch nicht klar, dazu sei es derzeit noch zu früh. Deshalb werde das Thema wohl erst nächstes Jahr auf der Tagesordnung der Synode stehen.


Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 28/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Die Landessynode berät im Herbst über die Segnung von homosexuellen Paaren. Soll sie bei der Entscheidung die Meinung der Kirchenmitglieder stärker berücksichtigen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht