Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schwarze und weiße Blicke

TUTTLINGEN – Armut hat viele Gesichter. Auch in einem reichen Landkreis wie Tuttlingen spielt sie eine Rolle. Von 16. bis 22. Oktober rückt der Arbeitskreis Armut das Thema mit einer „Langen Tafel“ und anderen Aktionen zum zehnten Mal in das öffentliche Bewusstsein. 


(Foto: epd-Bild)

„Armut muss man zum Thema machen“, sagt Doris Mehren-Greuter. „Gerade in einem reichen Bundesland und Landkreis.“ Sie arbeitet bei der Wohnungslosenhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und hat täglich mit Menschen zu tun, die kein festes Dach über dem Kopf haben oder davon bedroht sind. Und sie kennt die Zustände in den Sozialwohnungen der Stadt. Diese sind verbesserungswürdig. Und es müssten viel mehr sein. Dafür setzt sie sich ein.

Schon vor vielen Jahren haben sich in Tuttlingen 13 Einrichtungen und Organisationen der freien Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften zum „Arbeitskreis Armut“ (AKA) zusammengeschlossen. Und seit zehn Jahren klagen sie die Armut im Landkreis in einer Aktionswoche an. Das Motto jetzt lautet „Netzwerke gegen Armut und Abstiegsangst“. Es wird von der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg vorgegeben und in anderen Landkreisen umgesetzt.

Im Zentrum der Woche steht die „Lange Tafel“: Am 19. Oktober sind alle zu einer Suppe auf den Marktplatz eingeladen. Betroffene, Funktionäre und Leute, die gerade da sind, essen an einer großen Tafel und können dabei miteinander ins Gespräch kommen.  Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wird rund 200 Suppen und Eintöpfe ausgeben. Außerdem gibt es Eröffnungsreden des Landrats und des AKAs, der „einen schwarzen und einen weißen Blick“ auf die Situation werfen wird.

„Es ist jedes Jahr eine lebhafte Diskussion“, sagt Mehren-Greuter. Das soll es auch sein. „Wir wollen Brücken bauen. Drüber gehen müssen die Beteiligten beider Seiten selbst. Man darf nicht nur anklagen, sondern muss Lösungen finden. Auch die Betroffenen müssen ihre Ressourcen einbringen.“ Pauschale Verurteilungen gebe es auf beiden Seiten. „Weil man nichts miteinander zu tun hat, kann man sich nicht verstehen.“

Der Dialog mit den Funktionären ist dem AKA so wichtig, weil Armut auch strukturelle Ursachen hat. „Die Bildung der Eltern hat einen hohen Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder“, sagt Diakonie-Bezirksstellen-Geschäftsführer Dennis Kramer. „Wir haben Familien, die sind in der vierten Generation hier.“

Auch wenn die Arbeitslosenquote niedrig sei, gebe es immer einen bestimmten Sockel von Menschen, die in Hartz IV seien. Und wer Arbeit habe, habe nicht unbedingt ein Auskommen. „Der Mindestlohn reicht nicht. Wer ihn bekommt, wird später Kunde des Tafelladens“, sagt er. „Nach dem Ruhestand kann man davon nicht leben.“ Alleinerziehende in Teilzeit seien eine weitere abstiegsgefährdete Gruppe. „Das haben wir dem schleppenden Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen zu verdanken“, sagt Mehren-Greuter. Man müsse im Dialog bleiben und klar machen, dass Armut nicht selbstverschuldet ist. „Damit unsere Gesellschaft nicht noch weiter auseinanderdriftet.“

Information
Zum Arbeitskreis Armut in Tuttlingen gehören folgende Einrichtungen und Organisationen: AWO, Caritas, Diakonie, DGB, DRK, Dornahof, Frauenhaus, katholische Erwachsenenbildung, Stadt Tuttlingen, Volkshochschule Tuttlingen, Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation, psychosozialer Förderkreis, Stiftung Liebenau.

Information
Programm der „Aktionswoche Armut“: 15. Oktober, 10.30 Uhr, Ökumenischer Gottesdienst in der Kirche Maria Königin. Am 18. Oktober zeigt das Jugendkulturzentrum in mehreren Sälen einen Film für Schüler an weiterführenden Schulen, der Armut thematisiert. Die Lange Tafel auf dem Marktplatz ist am 19. Oktober, mit kostenloser Suppe und Eintopf zwischen 12 und 14 Uhr. Am 20. Oktober Fest zum zehnjährigen Bestehen des AKA. Dazu spielt im Gemeindesaal der Maria Königin die Band „Rubin“ aus Radolfzell.
Abschluss am 21. Oktober, mit der Stadtführung „Unten angekommen – und was dann?“. Vom Diakonieladen Kaufkultur geht es zu den „Hinterhöfen der Gesellschaft“, die sonst nicht im Fokus stehen. Internet: www.diakonie-tuttlingen.de

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Werden Sie im neuen Jahr einen guten Vorsatz umsetzen?
Ja.
Nein.
Ich bin unentschieden.