Christliche Themen für jede Altersgruppe

Treffpunkt Kochertalbrücke

Sie sind etwas Einzigartiges in Deutschland. Am 3. Juli wird daher der Tag der Autobahnkirchen gefeiert. Eine von ihnen steht direkt an der 185 Meter hohen Kochertalbrücke. Dort finden Menschen auf ihrem Weg ein paar Minuten Ruhe und manchmal auch ein offenes Ohr für ihre Sorgen. 


Begegnung nach Feierabend: Das Team vom Truckertreff mit LKW-Fahrern aus Osteuropa. (Foto: Gemeindeblatt)



Stefan Kretzschmars Vater Werner ist der Organisator des Trucker-Treffs. Als 2014 die Autobahnkapelle an der Kochertalbrücke eingeweiht wurde, hatte er den Eindruck, dass noch etwas passieren muss: „Wir wollten für die LKW-Fahrer etwas tun.“

Es sind viele LKW-Fahrer, die an der Kochertalbrücke Rast machen. Die Mehrzahl kommt aus Osteuropa: Polen, Bulgarien, Rumänien, Tschechien. Männer, die Tage und Woche auf Achse sind. Viele von ihnen sind vorsichtig, doch wenn man freundlich ist, gesellen sie sich oft dazu.

Wer will, bekommt eine Trucker-Bibel in seiner Muttersprache in die Hand gedrückt. „Es hat noch keiner abgelehnt“, sagt Werner Kretzschmar mit einem Lächeln. Mit seinen Mitstreitern geht er von Fahrzeug zu Fahrzeug und lädt die Fahrer ein. Mal auf Deutsch, mal auf Englisch und wenn das alles nichts hilft, gibt es zwei Spätaussiedler im Männertreff, die Russisch sprechen.

2009 haben die Christusträger-Schwestern die Initiative zum Bau einer Autobahnkirche ergriffen. Die Christusträger-Schwestern sind eine evangelische Kommunität, die ganz in der Nähe in Hergershof ein Gästehaus betreibt. Die A6 liegt nur wenige Gehminuten davon entfernt, der Alltag auf dem Rastplatz und an der Brücke gehört zu ihrem Leben.

Mit 185 Metern Höhe ist die Kochertalbrücke die höchste Autobahnbrücke in Deutschland. Darunter würde sogar das Ulmer Münster Platz haben. Immer wieder kommt es dort auch vor, dass sich Menschen das Leben nehmen. Es ist einer der vielen Gründe, warum die Autobahnkapelle genau an dieser Stelle steht. Vielleicht, so ist die stille Hoffnung, kann es ja dem einen oder anderen noch helfen.

Am 5. April 2014 wurde die Autobahnkirche an der Kochertalbrücke eröffnet. Sie trägt den Namen Christophorus-Kapelle. Unermüdlich hatten die Schwestern das Projekt vorangetrieben. Ein Freundeskreis hatte sich gebildet und eine Vielzahl von Spendern war zusammengekommen. Am Ende hatte es tatsächlich gereicht, das 500?000 Euro teure Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen.

Es ist ein besonderes Gebäude mit einer besonderen Architektur. Ein Oval in Fischform, sechs Meter hoch, rund 20 Quadratmeter in der Fläche. Das Auffälligste sind die Buntglasfenster mit biblischen Motiven. Wenn morgens die Sonne durch das kolorierte Glas scheint und ein Wind die Blätter vor der Kapelle bewegt, ist es ein besonders schöner Anblick.

Kein Wunder, dass so viele Gruppen hier anhalten und eine Andacht machen. Manche tun das ganz für sich, andere fragen bei den Christusträger-Schwestern an, ob sie ihnen etwas über die Kapelle erzählen können. Dann hören sie von der Glaskünstlerin Stefanie Bahlinger aus Mössingen und vom Holzbildhauer Werner Arnold, der die Christophorus-Figur gestaltet hat, die vor der Kapelle steht. „Viele haben uns prophezeit, dass das alles geklaut wird“, sagt Schwester Astrid. Doch bis auf den heutigen Tag ist nichts weggekommen, nicht einmal das Geld in der Spendenkasse.

„Manche meinen“, fügt Astrid hinzu, „dass, seit es die Kapelle gibt, auch bei den Lastwagen draußen weniger passiert.“ Viel passiert hingegen in der Kapelle selbst. Täglich werden dort 50 bis 80 Kerzen entzündet und unzählige Eintragungen ins Gästebuch vorgenommen. Lustige Sachen wie „Wir sind hier vorbeigekommen, weil meine Frau aufs Klo musste“. Aber auch sehr ernste: „Meine Frau bekommt Chemotherapie, bitte steh ihr bei“ oder „Lass unseren Papa wieder nach Hause kommen, wir brauchen ihn.“

Regelmäßig werden die Anliegen aus dem Gästebuch in das Taizé-Gebet aufgenommen, das einmal im Monat in der Kapelle stattfindet. Außerdem können sich dort Ehepaare segnen lassen. Neulich hat sogar jemand seine Goldene Hochzeit in der Christophorus-Kapelle gefeiert. Unlängst bekam Schwester Astrid einen Anruf von einem polnischen Priester, der fragte, ob er mit seiner Reisegruppe eine Messe in der Kapelle feiern dürfen. „Aber natürlich“, antwortete sie verwundert, um dann ebenso verwundert zu erfahren, dass er in einer anderen Kirche zuvor abgelehnt worden war.

In und um die Autobahnkapelle passieren die ungewöhnlichsten Dinge. So schrieb ein Fernfahrer aus Sachsen eines Tages ins Gästebuch, dass er sich furchtbar darüber ärgere, dass bei ihm Zuhause ein Familiengrabstein vor der Frist abgeräumt worden sei. Am Ende hinterließ er seine Telefonnummer.

„Da habe ich ihn zurückgerufen“, sagt Schwester Astrid. Er war vollkommen perplex und irgendwie erfreut. Es wurde eines der interessanten Telefongespräche, die sie je geführt hatte.¦

Information

Die Autobahnkapelle an der Kochertalbrücke an der A6 Richtung Nürnberg ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet. An jedem zweiten Dienstag im Monat findet ein Taizé-Gebet statt. Wie in fast allen Autobahnkirchen, findet auch an der Kochertalbrücke am 3. Juli ein Kurzgottesdienst um 14 Uhr statt. Kontakt: Christusträger-Schwestern, Telefon 07906-8671, Internet: www.chris tustraeger-schwestern.de



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