Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie höre ich Gottes Stimme?

RUTESHEIM/PEROUSE (Dekanat Leonberg) – Was haben Mutübungen im Hochseilgarten, Ausdruckstanz, Wort-Theater und Filzen mit der Konfirmation zu tun? Ziemlich viel, findet das Konfi-Team in Rutesheim und Perouse. Konfirmation heißt Befestigung. Deshalb braucht die Jugend in unruhigen Zeiten eine Kirche, die der jungen Generation Orientierung gibt und ihre Lebenswelt versteht. 

Sich einfach von den anderen hochwerfen und auffangen zu lassen, ist eine wichtige Erfahrung. (Foto: privat)



Popmusik füllt den Kirchsaal der Johannes-Kirchengemeinde Rutesheim. Acht Mädchen bewegen sich zu den Rhythmen des Songs „Feel it“ von Toby Mac. Eine Choreographie ist noch nicht erkennbar, denn „die Mädchen sollen erstmal ein Gefühl für die Musik bekommen“, sagt Silke Eisenhardt. Weil der Text zum Thema „Change?–?Veränderung“ passt, hat sich die Projektgruppe Ausdruckstanz für diesen Song entschieden. „Am Anfang trauen sie sich nicht, aber es entsteht etwas“, sagt die Trainerin. „Tanzen als Chance, als Botschaft, als Herausforderung, als Freude, dass Gott dem Menschen Bewegung geschenkt hat, das ist ganz im Sinne Martin Luthers“, sagt Pfarrerin Angelika Rühle.

Die 13-jährige Anna findet es „ziemlich cool“, dass sie mit ihren Freundinnen beim Fest der Konfirmation tanzen wird. Und es mache einfach Spaß. Lene (14) tanzt sonst nie. „Ich habe aber von meiner Schwester gehört, dass es voll viel Spaß macht, und deshalb bin ich dabei.“ Lili (13) meint, dass „das nun mal wirklich etwas anderes ist als ein normaler Konfiablauf“, wenn sie mit einem Ausdruckstanz am Gottesdienst teilnehmen darf. Sie war schon einmal bei einer Konfirmation. „Die“, findet sie, „war nichts.“

Einen Stock tiefer arbeitet eine Jungsgruppe in der Projektgruppe Filzen unter Anleitung der Diakonin Katrin Enz. Der 14-jährige Jannik sagt: „Reden und Tanzen ist nicht mein Ding, deshalb hab ich mich fürs Filzen entschieden.“ Gemeinsam mit seinem Freund Jannis (13) hat er sich als zentrales Motiv für Kreuz und Blitz entschieden. „Das Kreuz steht für Jesus, der Blitz für den Moment, in dem Martin Luthers Schicksal bei einem Gewitter entschieden wurde“, sagt Jannik.

Ihr Stück Filz wird Teil eines Paraments sein, mit dem der Altar zum Konfirmationsfest geschmückt werden wird. Jannik und Jannis freuen sich sehr auf „das einmalige Ereignis“, weil sie sich dann zur Gemeinde richtig zugehörig fühlen. Seit Ende der 70er-Jahre hat sich in der Konfirmandenarbeit eine enorme Wende vollzogen: Der pfarrerzentrierte, „verkopfte“ Katechismus- und Konfirmandenunterricht entwickelte sich zur „konfirmandenorientierten“, lebensbezogenen Konfirmandenarbeit.

Die Synode der EKD hat sich in ihrer Kundgebung „Aufwachsen in schwieriger Zeit“ der veränderten Lebenswelt junger Menschen gestellt. So ist 1998 auch die Frage gestellt worden, wie Kirche beschaffen sein müsse, damit junge Menschen gern zu ihr hielten und sie aktiv mitgestalteten. Konfirmationsarbeit, so das Fazit (nachzulesen im Fachbuch „verknüpfen“ der Autoren Achim Großer und Karin Schlenker-Gutbrod), müsse enger mit der Jugendarbeit verknüpft sein. Konfirmandenunterricht solle nicht von den Interessen einer Kirchengemeinde oder den festgelegten Lehrplanthemen ausgehen. „Ich habe den klassischen Konfirmandenunterricht noch erlebt“, sagt Michael Widmann. Die Themen, die sich nicht nur junge Menschen stellten, seien immer dieselben, sagt der Pfarrer der Waldensergemeinde Perouse. Doch jede Generation habe Anspruch, ihre Fragen zum Lebenszyklus neu beantwortet zu bekommen.

Um sich diesem Auftrag zu stellen, kümmern sich die Johannes-Kirchengemeinde Rutesheim und die Waldensergemeinde Perouse seit dem Jahr 2002 gemeinsam um die Vorbereitung junger Leute zur Konfirmation. „Unser großer Schatz sind die Ehrenamtlichen“, sagt Pfarrer Widmann. Bis zu 20 Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 40 Jahren sind in die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung eingebunden. Als Erfahrung gilt: Wo Ehrenamtliche tätig sind, bekommt christlicher Glaube ein konkretes Gesicht und ist durch Personen sichtbar und erfahrbar. „Change – Veränderung – heißt unser Thema im Lutherjahr, und Change titelten wir die Konfi-Freizeit, die wie die Vorgänger-Freizeiten im Herbst stattfand“, sagt Michael Widmann.

Wie enorm gemeinschaftsbildend, aber auch individuell fördernd solche Freizeiten sind, zeigen anonyme Aussagen von Konfirmanden aus den vergangenen Jahren. Befragt auf Gefallen und Nichtgefallen der gemeinsam – und ohne Laptop, iPod und DVD-Player – verbrachten Woche, antworteten die jungen Leute, dass ihnen zwar das zu dünne Toilettenpapier nicht behagt habe und sie auch kostenfreies Wasser bei Tisch vermisst hatten, sie aber die allermeisten der Aktivitäten „supercool“ fanden und dass sie eine andere Beziehung zu Gott gefunden hätten. Eine tiefere, da sie erfahren hätten, dass es „nicht auf das Äußere des Menschen, sondern auf sein Inneres ankommt“. Gott, so die Erkenntnis, sei in kleinen Momenten des Glücks spürbar. Kirche ist nicht langweilig, wie sie manchmal gedacht hatten. Und es lohne sich, öfter zu beten.

Gott bedeute Gemeinschaft. „Die Erfahrung, ich bin ein von Gott geliebter Mensch, können wir nur anbahnen“, sagt Pfarrer Widmann. Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren befänden sich mitten in der Pubertät, eine für sie schwierige Zeit, und nicht alle kämen aus Familien mit christlich gefestigter Basis. Deshalb sei die Atmosphäre einer Freizeit besser geeignet als der Alltag, um Fragen zu stellen wie: „Wie weiß ich, welchen Weg Gott mir geht?“, „Wie kann ich Gottes Stimme hören?“ oder „Wie kann ich mit dem Leid dieser Welt leben?“.

Sehr schwierig sei es gewesen, das Sterben und den Tod einer gleichaltrigen Schülerin aus dem Konfi-Unterricht zu akzeptieren, die trotz Stammzell- Fremdspende ihre komplizierte Erkrankung nicht überwinden konnte. „Hier ist es nicht so großstädtisch, hier erfährt man, wie es dem Nachbarn geht“, sagt Michael Widmann. Deshalb gehören auch der Besuch auf dem Friedhof und dem Krematorium mit zu den „Konfis-Live-Aktionen“.

Der Sinn des Konfirmandenjahres sei, ein Jahr lang gemeinsam zu gehen. Und das auch mit Gleichaltrigen mit kognitiven Einschränkungen. In diesem Konfi-Jahrgang sei zwar niemand dabei, aber sonst werde „Inklusion“ gelebt. Als interessant hat sich auch der Konfi- Unterricht für Drittklässler erwiesen. „Wer dabei gute Erfahrungen sammelt, dem fällt der Zugang zum späteren Konfi-Jahr leichter“, sagt Pfarrerin Rühle.

Und ist die Konfirmation erst einmal gefeiert, fallen die jungen Leute nicht in ein Loch. Mit einem so genannten „Trainee-Programm“ („Fit for Future“) knüpfen sie in Rutesheim und Perouse an ihre Konfirmandenzeit an und führen die jungen Leute so in die Jugendarbeit. An der beteiligt sich auch die Stadt Rutesheim. Sie unterstützt nicht nur den Perouser Jugendtreff „Wohnzimmer“ in der ehemaligen Alten Schule. Sie unterstützt auch die Projektstelle „Schulsozialarbeit – Offene kirchliche Jugendarbeit“.
Konfirmation heute und gestern: Anfang des 20. Jahrhunderts waren schwarzes Kleid und Anzug zum Festgottesdienst Pflicht. Und unter der gottesfürchtigen Brust klopfte ein aufgeregtes Herz. Würden sie vor der versammelten Gemeinde all die gelernten Worte des Glaubens stotterfrei hersagen können? „Die alten Leute in Perouse kennen das alles noch“, sagt Pfarrer Michael Widmann. Aber er sagt auch und lächelt dabei: „Wir finden auswendig lernen immer noch gut.“ Worte wie das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und den Psalm 23 sollten die jungen Leute von heute schon auswendig kennen. „Wir suchen nach einer Balance zwischen dem Bewährten und den Möglichkeiten moderner Pädagogik.“


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