Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Zuhören reicht mir nicht“

Luther und Bach prägten die protestantische Musik. Der Leipziger Thomanerchor pflegt dieses Erbe. Ruth Weinhold-Heße traf drei Thomaner und fragte nach, was ihnen Luthers Kirchenmusik bedeutet und ob es eine Wirkung auf das Leben hat, dauernd Lieder über Gott zu singen.


Mit Leib und Seele Thomaner. Richard Führer(links), Anton Kups (rechts) und Nathanael Johannes Vporwergk (Mitte). (Foto: Ruth Weinhold-Heße)


Die traditionelle Aufgabe der Thomaner ist, Gottesdienste und Motetten zu begleiten.
Richard Führer (17): Ja, das ist die Hauptarbeit. Anders ausgedrückt: Die Reisen sind nur Bonus, auch wenn sie oft in den Vordergrund gestellt werden. Wenn wir reisen, ist das sehr schön. Aber die Einsätze in der Thomaskirche sind das Wichtigste, damit beschäftigen wir uns jeden Tag. Die Motetten und Kantaten müssen gut geprobt werden.

Sind die Texte der alten Kirchenlieder heute nicht schwer zu verstehen, gerade für euch junge Leute?
Richard Führer: Mir persönlich macht das keine Schwierigkeiten. Ich denke, wir singen sie nicht immer aktiv, wie man Lieder als Gemeindeglied im Gottesdienst singt. Weil wir tatsächlich jeden Tag ein bis zwei Stunden damit arbeiten und nicht nur Freude daran haben; dabei rutscht der Text oft in den Hintergrund.

Wann steht der Text für dich im Vordergrund?
Richard Führer: Bei den Aufführungen. Da genieße ich die Musik am meisten und das Zusammenspiel von Text und Musik kommt am verständlichsten zutage.

Hat die Reformation eine Bedeutung für dein eigenes Leben?
Richard Führer: Ich bin überzeugter evangelischer Christ. Luther hat die Kirche so definiert, wie wir sie heute praktizieren. Von daher hat die Reformation eine grundlegende Bedeutung für mich, denn Glauben ist der wichtigste Teil im Leben.

Luther hatte großen Einfluss auf die Kirchenmusik. Ihr singt ja auch sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Was bedeutet dir das Lied?

Richard Führer: Ich finde den Text sehr ausdrucksstark, aber von uns zu oft gesungen. Es ist eben das Lied, das jeder mit Reformation und Luther verbindet. Deswegen mag ich es nicht so sehr. Aber Luther hat viele andere schöne Lieder geschrieben, das deutsche Credo „Wir glauben all an einen Gott“ beispielsweise. Das hat so eine mystische, mittelalterliche Melodie, das finde ich ganz toll!

Luther war wichtig, dass Christen im Gottesdienst selbst auf Deutsch singen. Magst du  vorgetragene Musik lieber?
Richard Führer: Nicht jeder kommt zum Konzert zu uns, um Meditation und Gebet zu erleben, sondern viele wollen einfach nur die schöne Musik hören. Dabei kann man vielleicht auch durch die vorgetragene Musik zu Gott finden. Aber wenn es um meinen persönlichen Glauben geht, da reicht mir zuhören nicht.

Waren dir Kirchenlieder vertraut, bevor du zu den Thomanern kamst?
Anton Kups (13): Ich wurde zwar getauft, aber bevor ich Thomaner wurde, bin ich nie regelmäßig in der Kirche gewesen.

Wie war es dann für dich, jede Woche Texte über Gott zu singen?
Anton Kups: Ich habe sie einfach mitgesungen. Am Anfang habe ich mir weniger Gedanken darüber gemacht, was sie bedeuten, aber jetzt versuche ich, immer richtig zu verstehen, wie sie gemeint sind.

Wann gehst du in die Kirche?

Anton Kups: Hauptsächlich zu unseren Auftritten. Seit ich dispensiert bin, verkaufe ich manchmal Programme vor der Motette und höre mir auch an, was der Chor singt. Sonst gehe ich selten in die Kirche.

Warum?
Anton Kups: Ich finde, dass die Kirche etwas veraltet ist, dass sie nicht so angekommen ist in der heutigen Zeit. Mich zieht da wenig hin.

Wünschst du dir, modernere Musik in Gottesdiensten?
Anton Kups: Nein, denn die neumodische Musik klingt oft schräg. Vielleicht ist es einfach nicht mein Geschmack, aber ich finde Popmusik nicht so toll. Die Art von Kirchenmusik, die wir singen, klingt viel besser, da steckt auch mehr Arbeit drin.

Neulich habt ihr die Bach-Kantate „Wir müssen durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen“ gesungen. Verstehst du diese alten Texte?

Nathanael Johannes Vorwergk (12): Ja. Das ist eben Bachs Auffassung, wie man ins Himmelreich kommt.

Redet ihr in den Proben über die Lied­inhalte?
Nathanael Johannes Vorwergk: Ja, Herr Schwarz fragt manchmal: Was könnte damit gemeint sein? Aber ich verstehe das schon ganz gut, weil ich mit solchen Liedern aufgewachsen bin.

Was bedeutet Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ für dich?
Nathanael Johannes Vorwergk: Es geht darum, dass Gott uns beschützt, aber auch darum, dass man sich nicht in Versuchung bringen lassen  sollte.

Was wäre eine Versuchung für dich?
Nathanael Johannes Vorwergk: Es so zu machen wie viele: Dass einem egal ist, was mit den anderen passiert, Hauptsache, man hat Vorteile und es geht einem selbst gut.

Luther hat das gemeinsame Singen in der Gemeinde betont. Ist es dir wichtig, dass man eure schönen Lieder hört, ohne dass jemand schief dazwischen brummt?
Nathanael Johannes Vorwergk: Nein, darum geht es mir nicht. Wer singen will, sollte das auch tun können, egal, wie gut er das macht. Aber man kann auch für sich allein beten, dazu muss man nicht unbedingt in die Kirche gehen.

Sind Kirchenlieder Gebete für dich?
Nathanael Johannes Vorwergk: Ja, Gebete in Reimform.

Ihr singt vieles von Johann Sebastian Bach. Wie findest du seine Musik?
Nathanael Johannes Vorwergk: Die finde ich fantastisch! Es gibt so viele schöne Stücke von ihm, die Passion oder das Weihnachtsoratorium?... Wenn ich das singe, bin ich manchmal sehr bewegt.

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