Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aufbruch in eine neue Zeit

Was ist der Kern des christlichen Glaubens? Darauf geben in der Regel Bekenntnisse eine prägnante Antwort. Für die reformierten Kirchen ist der Heidelberger Katechismus grundlegend. Er entstand vor 450 Jahren. In Heidelberg wird an zwei Orten – im Schloss und im Kurpfälzischen Museum – seine Entstehungsgeschichte und seine Wirkungsgeschichte gezeigt. 

Bild: Der Ottheinrichsbau von außen. (Foto: Blackosaka|Fotolia.com)

Im 16. Jahrhundert waren es nicht die Gläubigen, die öffentlich sagen durften, woran sie glauben. Und schon gar nicht durften sie Glaubenszweifel äußern. Zur Zeit der Reformation galt das auch für die Frage, wie denn das Abendmahl zu verstehen sei. Als Gedächtnismahl (Ulrich Zwingli) oder ist Jesus Christus in, mit und unter den Elementen von Brot und Wein (Martin Luther). Was denn letztendlich geglaubt wird, entschied damals der Landesherr. Er war schließlich für das Seelenheil seiner Landeskinder verantwortlich.

Für die Fürstentümer gab es schon seit 1530 das Augsburger Bekenntnis. Das genügte manchen nicht. Warum unternahm ausgerechnet die Kurpfalz in der reformierten Bekenntnisfrage eine Vorreiterrolle innerhalb der deutschen Fürstentümer? Schließlich hatte Pfalzgraf Ottheinrich zunächst den lutherischen Glauben eingeführt. Doch Kurfürst Friedrich III. hatte sich für die reformierte Variante der Reformation entschieden und ließ 1566 auf dem Reichstag seine reformierte Landeskirche anerkennen. Friedrich III. war es auch, der den Heidelberger Katechismus in Auftrag gegeben hat: bei dem Theologen Zacharias Ursinus. Später gab man Friedrich III. auch den Beinamen „der Fromme“.

Das Büchlein ist klein – kleiner als ein Heft in DIN A6-Größe –, und dünn ist es auch. Der Betrachter wundert sich, dass von diesem schmalen Bändchen eine weltweite Wirkung ausgehen konnte. Immerhin ist der Heidelberger Katechismus heute für 20 Millionen Christen weltweit das bindende Bekenntnis. Für die Ausstellungsmacherin Karin Tebbe ist klar, warum das Bekenntnis kein dickes Buch ist. Da zu dieser Zeit viele Menschen nicht lesen konnten, wurde daraus vorgelesen. Es durfte also nicht zu viel Text sein, und vor allem musste der Text für die Gläubigen verständlich sein.

Kleines Buch mit großer Wirkung

„Dieses kleine Buch besaß schon zu seiner Entstehungszeit eine große Wirkung und wurde zum Symbol des Aufbruchs und der Veränderung in Europa und Asien“, ist sich Karin Tebbe sicher. Die Folgen der Hinwendung zum reformierten Bekenntnis waren in der Kurpfalz schnell zu spüren. Aus den Niederlanden und aus Flandern – traditionell reformierte Regionen – kamen Handwerker und Künstler und ließen sich in der Kurpfalz nieder. Ein reliefierter Trinkbecher aus Frankenthal ist dafür ein schönes Beispiel.

Schon zu der Zeit sieht man: Die üppigen Verzierungen sind nicht mehr zu sehen. Schlichtheit ist angesagt – das entspricht dem reformierten Glauben viel mehr als üppige Dekorationen auf Gläsern und Tellern. Aus der Schweiz stammt ein schmuckloses Abendmahlsgerät aus Holz.

Auch das Verständnis vom Kirchengebäude als Sakralbau verändert sich. Karin Tebbe berichtet, dass in der Kirche zwar sonntags der Gottesdienst stattfand, aber unter der Woche in dem Gebäude durchaus auch mal eine Art Markt sein konnte.

Mit dem reformierten Bekenntnis gab es einen richtigen Aufbruch – in vielerlei Hinsicht. Hinzu kommt, dass die empirischen Wissenschaften gerade von reformierten Theologen hoch geschätzt waren und ausdrücklich gefördert wurden. Im Gegenzug wurde jeglicher Aberglaube strikt abgelehnt. Auch das schlägt sich im Heidelberger Katechismus nieder. Auf die Frage „Was fordert der Herr im ersten Gebot?“ antwortet der Katechismus: „Gott will, dass ich allen Götzendienst, alle Zauberei und Wahrsagerei, allen Aberglauben, auch das Anrufen der Heiligen oder anderer Geschöpfe meide und fliehe.“

Zentrum des europäischen Calvinismus

In engem Zusammenhang mit dem Glaubensbekenntnis steht im 16. Jahrhundert die Entwicklung Heidelbergs zu einem Zentrum des europäischen Calvinismus. „Dies wiederum trug zum Aufschwung der Wissenschaften bei“, sagte Karin Tebbe. Deshalb wird in Heidelberg etwa ein Himmelsglobus aus dem Jahr 1566 gezeigt.

Im Heidelberger Schloss, dem zweiten Ausstellungsort wird weniger die religiöse als vielmehr die höfisch-politische Situation in dieser Zeit selber thematisiert. Im Mittelpunkt steht Friedrich III. selber. Das war für die Ausstellungsmacher nicht einfach, denn von dem Kurfürsten gibt es nur wenige Bilder; er war ein bescheidener und sparsamer Herrscher.

Dennoch wird es im Schloss auch ein bisschen glamourös. 1613 heiratete Kurfürst Friedrich V. die englische Prinzessin Elizabeth. Die aufwändigen Hochzeitsfeierlichkeiten waren prunkvoll, scheinen aber so gar nicht zum reformierten Glauben zu passen.

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