Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Leid wahrnehmen

Menschen, die sexuelle Gewalt in Einrichtungen der württembergischen Landeskirche erfahren haben, sollen jetzt mit pauschal 5000 Euro entschädigt werden. Bis zum 30. Juni 2017 können sie einen entsprechenden Antrag stellen. Mit diesem Schritt möchte die Landeskirche Verantwortung für das Leid, das etwa Kinder und Jugendliche durch kirchliche Mitarbeiter erlitten haben, übernehmen.


Erinnerungen an vergangenes Leid: Die württembergische Landeskirche möchte Opfer sexueller Gewalt zu Wort kommen lassen und entschädigen. (Foto: epd-bild)

Seit zwei Jahren gibt es in der württembergischen Landeskirche eine 50-Prozent-Stelle zum Thema „Prävention sexualisierter Gewalt“. Und zur Prävention gehört auch die geschichtliche und institutionelle Aufarbeitung. Darauf weist Ursula Kress, Beauftragte für Chancengleichheit und Anlaufstelle für sexualisierte Gewalt, hin. Bei dem Ausgleich der Landeskirche gehe es jetzt darum „dass wir die Menschen anhören, mit ihnen über das reden, was ihnen passiert ist und dazu beitragen, dass das Leid mit entsprechenden Leistungen vielleicht gelindert wird“.

Wie lange die Gewalthandlung zurückliege, sei dafür nicht relevant. Was ehemalige Heimkinder anbelangt, die Missbrauchsopfer wurden (das Gemeindeblatt berichtete), so gibt es dafür einen extra Fonds. Dieser kommt Betroffenen aus der Zeit von 1949 bis 1975 zugute und läuft bis 31. Dezember 2018.

Sexuelle Gewalt könne sich etwa in der Beziehung zwischen Konfirmanden und Pfarrern, zwischen Kindern und Diakonen ereignet haben, nennt Ursula Kress Beispiele. Auch Chormitglieder oder Orgelschüler könnten zum Kreis der Betroffenen gehören. In allen Fällen sind es Menschen, die durch Mitarbeitende oder in Mitgliedseinrichtungen der Landeskirche, auch in Einrichtungen des Diakonischen Werks Württemberg, gelitten haben.

Betroffene können einen Antrag von der Internetseite der Landeskirche herunterladen  oder bekommen ihn auf Anfrage zugeschickt. Darin müssen sie Angaben zum Tatort, der Tatzeit, den Vorgängen und eventuellen Folgen machen. Die Inhalte werden von einer unabhängigen Kommission geprüft. Diese setzt sich aus drei Mitgliedern zusammen: Wolfgang Vögele, Vorsitzender Richter am Landgericht Stuttgart a. D., Hans Fischer, Diakon und ehemaliger Leiter von Jugendhilfeeinrichtungen der Diakonie und Marie-Luise Stöger, Leiterin der Fachberatungsstelle „Wildwasser“ in Stuttgart.
Die Antragsteller werden gefragt, ob sie dazu bereit sind, vor der Kommission auszusagen, um ihr Anliegen vorzutragen. Wer sich dazu nicht in der Lage fühle, für den seien auch Alternativen denkbar, wie etwa ein telefonischer Kontakt, sagt Ursula Kress. „Das gilt auch, wenn jemand zu weit entfernt wohnt, gehbehindert ist oder andere Gründe hat.“

Pauschal erhalten Gewaltopfer 5000 Euro. Anträge können bis 30. Juni 2017 gestellt werden. Neben dieser Art der Aufarbeitung seien, wie auch bislang schon, weitere Präventionsmaßnahmen geplant, berichtet Ursula Kress. So erhalten Vikare und Diakonie regelmäßig Schulungen, „um in ihrem Arbeitsumfeld eine professionelle Haltung zu Nähe und Distanz zu entwickeln“. Denn oftmals gebe es Grenzfälle, „die rasch entgleiten können“. Etwa dann, wenn behinderte Menschen stark die körperliche Nähe suchten. Auch Fachtagungen finden zu dem Thema statt, etwa am 30. September an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg.

Information zum Antrag

Der Antrag und ein Merkblatt können im Internet heruntergeladen werden unter www.elk-wue.de/helfen/sexualisierte-gewalt/hilfe-und-anerkennung. Beim Ausfüllen des Formulars sind Ursula Kress und Ingrid Scholz gerne behilflich. Informationen unter Telefon 0711-2149-572, Internet: www.buero-fuer-chancengleichheit.elk-wue.de

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