Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fromm und erfinderisch

Schwaben sind bodenständig, fromm und erfinderisch. Das will die württembergische Landeskirche in Wittenberg im Reformationssommer zeigen: mit Ausstellungen, Konzerten und mit einem hängenden Weinberg, der ferngesteuert bewässert wird. 

Jede Rebe hat ihr eigenes Licht und eine eignen Wasserleitung. (Foto: Gemeindeblatt)


Wittenberg vor vier Wochen: Noch ist die Lutherstadt eine einzige Baustelle, noch warten Hoteliers, Taxifahrer und die Geschäfte, in denen Luther-Likör und Luther-Kaffee verkauft werden, auf den großen Touristenansturm. Noch weiß keiner, ob zum Kirchentag Ende Mai oder zum Reformationsjubiläum im Oktober alles ausgebucht ist.

Dass Wittenberg von Mai an zumindest tagsüber voll ist, davon geht Jürgen Kaiser aus. Er ist Pfarrer und Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses in Stuttgart. Vor allem aber ist er Schwabe. Er kennt seine Landsleute ganz genau, weiß, warum Schwaben zum Lachen in den Keller gehen, und er isst wie fast jeder Schwabe am liebsten Linsen mit Spätzle.

Gerade hat er ein Buch über die schwäbischen Tüftler geschrieben, die daheim verkannt wurden, ausgewandert sind und mit ihren Erfindungen oft weltberühmt wurden. „Schwaben sind erdverbunden. Sie sind die Mittelschicht und sind bekannt für den Maschinenbau.“ Genau das will Jürgen Kaiser im Sommer der ganzen Welt zeigen. Zumindest ihrem evangelischen Teil; der wird nämlich in diesem Jahr in Wittenberg erwartet. „Württemberg in Wittenberg“ heißt das Motto von Mai bis September.
Anfang April wird auf dem alten Fa­brikgelände in der Kupferstraße/Ecke Fleischerstraße in Wittenberg noch fleißig gearbeitet. Schließlich soll im Mai die Württemberg-Halle eröffnet werden. An diesem Tag gibt es wieder einmal ein Problem: Heute ist es das WLAN. Schnell zu lösen ist das nicht. Aber inzwischen ist auch Günter Schildhauer, der Vermieter, gekommen. Er telefoniert und sorgt für die richtigen Anprechpartner.

Vor Jahrzehnten machte er eine Schlosserlehre bei der Produktionsgenossenschaft Stahl, die hier war. Nach der Wende übernahm er die Firma und baute 1994 vor den Toren der Stadt neu. Wittenberger Edelstahl Technik heißt sein Unternehmen, das in Hochzeiten bis zu 70 Mitarbeiter beschäftigt.
Stuttgart kennt Schildhauer seit langem. Seine Firma hat auf der Messe auf den Fildern die Ankommensbrücke mitgebaut. Schildhauer ist evangelisch und stolz darauf, dass er im Jahr des Reformationsjubiläums in Wittenberg Tor 2 machen darf – eines von sieben Toren der Weltausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums.

Die Fabrikhalle in der Kupfer- und Fleischerstraße hat eine ganz besondere Geschichte. Sie war in der Kaiserzeit eine Küferei – in Wittenberg sagt man Böttcherei. Dort wurden Weinfässer hergestellt. Später beherbergte die Halle eine Schmiede. Und 1983 wurde dort ein Schwert in eine Pflugschar umgeschmiedet.

Der Amboss steht noch. Er bleibt in der Halle ebenso wie der Kran und die alte Schrank mit den Fächern für Blechscheren, Schneidplatten und Handgewindebohrer. Geschmiedet wird hier nur noch selten.
Ab Mai wird die Halle ein Veranstaltungs- und Ausstellungsort sein. Jürgen Kaiser erwartet Deutsche und US-Amerikaner. Zwar ist die Halle für alle offen, doch sie ist auch der Internationale Treffpunkt für die Mitglieder des Lionsclubs. Und die bestaunen dann nicht nur den Amboss, sondern essen schwäbische Maultaschen und trinken Trollinger aus Brackenheim.

Warum Württemberg in Wittenberg sein muss, erklärt Helmut Dopffel, Pfarrer und Kirchenrat im Ruhestand. Er ist für das Programm verantwortlich. Im Zentrum des Reformationssommers steht die Weltausstellung. Dabei zeigen Kirchen aus aller Welt, was evangelischer Glaube und reformatorische Kirche bedeuten. „Und zwar nicht nur historisch, sondern gegenwärtig und zukünftig. Wir hoffen, dass die Weltausstellung die evangelische Identität stärkt und zeigt: Evangelischer Glaube ist lebendig und bringt bis heute interessante und positive Wirkungen hervor.“

In der Württemberg-Halle gibt es Konzerte und Lesungen. Zudem sind mehrere Ausstellungen zu sehen. Jürgen Kaiser will nicht nur württembergische Geschichte zeigen, sondern mit der Bühnenwand beweisen, dass Württemberg noch immer das Land der Erfinder ist. Die Bühne hat eine einzigartigen Hintergrund, den hängenden Weinberg. Er besteht aus 80 Weinreben.

Kaiser nimmt damit Bezug auf ein Epitaph in der Wittenberger Stadtkirche. Rechts hacken und gießen die evangelischen Theologen liebevoll den Weinberg des Herrn, während links die Papst­anhänger ihren Teil des Weinbergs zerstören. Vor allem die württembergischen Reformatoren haben sich als Arbeiter im Weinberg des Herrn verstanden, sagt Jürgen Kaiser.

Damit schließt sich der Kreis: Die Schwaben können traditionsbewusst und modern gleichzeitig sein. Das sieht man im Sommer bei den Württembergern in Wittenberg.

www.evmedienhaus.de/wuerttemberg-in-wittenberg


Information
„Württemberg in Wittenberg“ läuft vom 20. Mai bis 10. September. Die Halle ist in der Kupferstraße/Ecke Fleischerstraße 9.
Durchgehend ist dort die Aussstellung „Württemberg wird evangelisch“ zu sehen. Außerdem gibt es weitere Ausstellungen, die einander abwechseln. Unter anderem „Lutherbibel 2017 – Making of“, eine zur Diakonie, eine zur Bildung und eine zur Weltmission.

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