Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gegen Hass und Panikmache

Es war ein vielstimmiges Plädoyer für religiöse Toleranz, Frieden und Verständigung mit dem Islam: Die „Aktuelle Stunde“ der Herbstsynode stand ganz im Zeichen der Ereignisse von Paris und dem Bemühen, darauf kluge Antworten darauf zu finden. Hass und einer allzu simplen Schwarz-Weiß-Malerei wurde dabei von allen Rednern eine klare Absage erteilt. 



Um Flüchtlinge, religiöse Gewalt und Extremismus ging es bei der „Aktuellen Stunde“ der Herbstsynode
in Stuttgart. (Foto: epd-bild)


Nein, man konnte am Ende wirklich nicht mehr sagen, welchem Gesprächskreis die einzelnen Wortmeldungen zuzuordnen waren. Es war einer jener Momente der kirchlichen Demokratie, in denen jeder nur für sich sprach und seine Sorgen und Gedanken artikulierte. Um religiöse Gewalt ging es und extremistischen Terror und immer wieder auch um die Flüchtlinge, die mitunter zwischen die Fronten zu geraten drohen.

Bereits zu Anfang der Synode hatte Landesbischof Frank Otfried July erklärt, „dass wir weiterhin eine flüchtlingsbereite Kirche sind“. Es könne nichts ein, dass die, die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien sind, nun insgeheim zu Tätern gemacht würden.

Davon waren die Synodalen nun freilich weit entfernt. Keiner reklamierte für sich, die absolute Wahrheit zu kennen. Vielmehr war es wie ein Puzzle, bei dem jeder versuchte, an der richtigen Stelle ein Teil dazuzulegen, in der Hoffnung, dass am Ende ein Gesamtbild entsteht, das allen Beteiligten in ihren Anstrengungen weiterhilft.

So warnte Siegfried Jahn (Lebendige Gemeinde) vor der Vermischung von Religion und Politik. Luthers Zwei-Reiche-Lehre sei hier eine wichtige Orientierung und Gewalt etwas, das nur durch den Staat im gesetzlichen Rahmen ausgeübt werden dürfe: „Wir müssen für die Politiker beten.“

Um die Stärkung junger Muslime ging es Karl Hardecker (Offene Kirche) in seiner Wortmeldung: „Sie brauchen unsere Anerkennung, wir müssen ihnen angstfrei begegnen.“

Selbstkritische Töne stimmte auch Kurt Schatz (Evangelium und Kirche) an. Die Gewalt sei auch ein Ergebnis der wirtschaftlichen Kolonialisierung. Nach Meinung von Schatz ist es überdies an der Zeit, an den Schulen in Deutschland einen regulären islamischen Religionsunterricht anzubieten.

Es waren so viele Wortmeldungen wie selten bei einer „Aktuellen Stunde“. Per Beschluss musste deshalb sogar die Redezeit von fünf auf drei Minuten verkürzt werden. Umso erstaunlicher, wie differenziert die Aussagen auch in der gebotenen Kürze blieben: Ute Mayer (Lebendige Gemeinde) etwa, die es einerseits verurteilte, „wenn ein muslimischer Taxifahrer nun plötzlich keinen Fahrgast mehr bekommt“. Andererseits ließ sie keinen Zweifel daran, mit welcher Sorge sie die Übergriffe gegen christliche Asylbewerber in Flüchtlingsheimen verfolgt. Frieder Veigel (Lebendige Gemeinde) schien es darüber hinaus wichtig, über die Frage des Märtyrertods nachzudenken, zumal es das ja auch im Christentum gegeben habe: „Die Frage ist, wie können wir dem Märtyrertum das Wasser abgraben?“

Vor einer übergroßen Angst und Panikmache warnte Ernst-Wilhelm Gohl (Evangelium und Kirche). Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. „Das ist auch ein Krieg des Islam gegen sich selbst“, sagte er und dass er einen begrenzten Einsatz militärischer Mittel für richtig erachte.

Immer wieder ging es darum, die friedlichen Kräfte des Islams zu stärken. „Wir müssen den Islam endlich als Teil unserer Gesellschaft akzeptieren“, lautete etwas das Plädoyer von Rolf Wörner (Offene Kirche), der „die Abdrängung von Moscheen in Industriegebiete“ ausdrücklich kritisierte.

Dabei spielte auch der Begriff der Feindesliebe eine Rolle. Martin Plümicke war es ebenso wie Hellger Köpff (beide Offene Kirche) ein Anliegen, über den Begriff und seine Bedeutung nachzudenken.

Nur kein Öl ins Feuer gießen und auch dann ruhig und besonnen bleiben, wenn der Wind stärker bläst: Das war Elke Dangelmaier-Vincons (Offene Kirche) Appell, bei dem sie davor warnte, sich auf eine höhere moralische Ebene zu stellen. Überdies kritsierte Dangelmaier-Vincon das Lob für den ägyptischen Präsident as-Sisi im Flüchtlingsbericht der Landeskirche: „Das ist kein lupenreiner Demokrat.“

Kritisch waren auch die Worte des Synodalen Willi Beck (Kirche für morgen). Man dürfe Menschen nicht schon deshalb als rechtsradikal bezeichnen, wenn sie es wagten, das Verhalten von Flüchtlingen in Einzelfällen zu kritisieren.

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