Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kampf gegen die Nutzlosigkeit

Sie werden von Maßnahme zu Maßnahme gereicht, ohne eine feste Anstellung zu finden: Die Chance von Langzeitarbeitslosen, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren, wird mit Dauer ihrer Erwerbslosigkeit immer geringer. Eine Kampagne des Diakonischen Werks Württemberg macht jetzt auf die Situation betroffener Menschen aufmerksam.

Bild: Wege aus der Arbeitslosigkeit sucht die Diakonie. (Foto: bluedesign | Fotolia.com)

„150 Bewerbungen, aber insgesamt höchstens drei, vier Vorstellungsgespräche“, so lautete das Fazit von Wilfried M. Der 55-Jährige war drei Jahre arbeitslos. Vor einigen Jahren hat er bei der Neuen Arbeit wieder eine Anstellung gefunden – erst in Form einer Ein-Euro-Stelle, inzwischen unbefristet und mit Verantwortung. „Ein tolles Gefühl. Endlich bin ich wieder ein freier Mensch und nicht mehr abhängig von Jobcentern. Und ich kann meine Sozialabgaben selbst bezahlen“, erzählt er.

Anders als Wilfried M. haben es 242 000 Menschen in Baden-Württemberg nicht geschafft, eine feste Anstellung zu bekommen, sondern mussten sich in diesem Jahr arbeitslos melden. Knapp 29 Prozent von ihnen sind Langzeitarbeitslose. Für die Politik seien Betroffene „nur noch Bezahlkunden“, klagt Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. Es bestehe der Verdacht, dass die Bundesagentur für Arbeit diese Menschen aufgegeben habe.

Anstatt vor allem Langzeitarbeitslose besonders zu fördern, seien in den vergangenen zwei Jahren die Mittel für so genannte Eingliederungsmaßnahmen rigoros um 50 Prozent gekürzt worden. Von dem ohnehin gekürzten Betrag seien 1,2 Milliarden Euro nicht einmal ausgegeben worden. „Hier wird auf dem Rücken besonders benachteiligter Menschen gespart. Anscheinend zählt nur, wer schnell auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden kann.“

Langzeitarbeitslose in Jobs vermitteln

Welche Konsequenzen das hat, schildert Hannes Finkbeiner, Vorsitzender des diakonischen Fachverbandes für Arbeitslosenhilfe im Diakonischen Werk Württemberg: 66 Prozent der Plätze für Langzeitarbeitslose bei den diakonischen Trägern hätten abgebaut werden müssen. „Die Beschäftigungsfirmen haben seit über zwei Jahrzehnten eine Infrastruktur aufgebaut, um Langzeitarbeitslose praxisnah und sinnvoll zu beschäftigen und um sie zu qualifizieren.“  Diese Infrastruktur sei in den vergangenen beiden Jahren zusammengebrochen. Um der Entwicklung entgegenzusteuern, hat das Diakonische Werk die Kampagne „Pro Arbeit“ gestartet. Damit soll die Situation der 70 000 Langzeitarbeitslosen in Baden-Württemberg verbessert werden mit dem Ziel, ihnen eine Beschäftigung zu ermöglichen. Die Initiative bietet Werbemittel, Hintergrundmaterial und ein Kampagnenbüro an, um eine Plattform gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit zu schaffen.

Kontakt zu Bundestagsabgeordneten suchen

So wird etwa in einem Faltblatt dazu aufgerufen, Kontakt zu arbeitslosen Menschen zu suchen, sich vor Ort an die entsprechenden Bundestagsabgeordneten oder per angehängter Postkarte an das Bundesministerium zu wenden. Auch Kirchengemeinden und Diakonieläden wurden aufgefordert, sich an der Initiative zu beteiligen.

Mit der Kampagne wolle das Diakonische Werk sich auch in den Bundestagswahlkampf einmischen, kündigt Dieter Kaufmann an. Die offizielle Zahl der Langzeitarbeitslosen zeige nur einen Teil der Wahrheit. So führten schon kurzzeitige Unterbrechungen dazu, dass die statistische Langzeitarbeitslosigkeit beendet werde.

Die Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit seien verheerend, betont Kaufmann: „Wer lange Zeit arbeitslos ist, sieht für sich keine Perspektive mehr, kommt sich nutzlos vor, wird häufig krank. Darunter leidet dann die ganze Familie.“

Informationen zur Initiative „Pro Arbeit“ gibt es bei Ines Nößler

Telefon 01522-6409827

E-Mail: inoessler(at)efas-web.de

Internet: www.initiative-pro-arbeit.de

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