Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirche muss zu den Menschen gehen“

Sie waren 30 Jahre lang Mitglied der württembergischen Landessynode und die vergangenen sechs Jahre ihre Präsidentin. Was machen Sie nach dem 1. Advent?

Christel Hausding: Ich werde noch den Übergang zur 15. Landessynode zu organisieren haben. Schließlich soll die neue Synode einen guten Start haben.


Haben Sie private Pläne für die Zeit nach der Synode?

Christel Hausding: Ja, ich werde manches wieder aufleben lassen, was ich in den vergangenen Jahren sehr zurückfahren musste, etwa den Prädikantendienst, meine Referententätigkeit, und ich schreibe auch gerne mal was.

Christel Hausding: Als Präsidentin der Landessynode ist man manchmal auch ein Kummerkasten. (Foto: Werner Kuhnle)
Manchmal machen ja Ruheständler als Erstes eine Weltreise.

Christel Hausding: Das könnte ich mir gut vorstellen. Ich habe ja Geografie studiert und reise sehr gerne. Aber mein Mann hat noch eineinhalb Jahre bis zu seinem Ruhestand. Danach sehen wir weiter.

Was war für Sie ein Höhepunkt in Ihrer Zeit als Präsidentin der Synode?

Christel Hausding: Es gab viele Höhepunkte. Aber ein besonderes Ereignis war die Tagung im Januar 2012 in Bad Boll, als sich Synodale aus ganz Europa getroffen haben. Und natürlich die Schwerpunkttagungen „Arm und reich“, „Musik in der Kirche“ und „Evangelisch in Württemberg“

Welche Begegnung bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Christel Hausding: Zuletzt die mit Yassir Eric von der Akademie für Weltmission in Korntal. Er stammt aus dem Sudan und hat mir etwas von seiner Familiengeschichte erzählt. Nachdem er Christ geworden ist, wurde er von seiner Familien für tot erklärt. Dabei hätte er als Ältester eigentlich Clan-Chef werden sollen. Solche Begegnungen wirken lange nach und sind sehr bewegend.

Als Präsidentin der Synode sind Sie sicher oft von Kirchenmitgliedern angeschrieben worden.

Christel Hausding: Ja, man ist dann manchmal ein Kummerkasten.

Kummerkasten?

Christel Hausding: Es gab etliche Reaktionen in Zusammenhang mit dem Pfarrplan. Gemeinden klagten etwa über die Reduzierung ihrer Pfarrstelle. Schließlich war ihr Pfarrer vorher 100-prozentig beschäftigt. Natürlich könnte man diesen Dienst an diesem Ort auch weiterhin im vollen Umfang brauchen. Aber wir müssen von der Synode her das Ganze der Kirche sehen. Wir haben weniger Gemeindemitglieder und auch weniger Bewerber fürs Pfarramt. Von daher ist es sinnvoll, Stellen zusammenzufassen, sonst hat man dann auf Dauer zwar die Stelle, aber die bleibt vakant. Das hilft niemandem.

Die 14. Synode war eine Synode, in der es vor allem ums Geld ging.

Christel Hausding: So kann man das nicht sagen. Es ist das Königsrecht der Synode, über den Haushalt zu entscheiden. Von daher müssen wir sehr viel Sorgfalt darauf verwenden. Aber die inhaltliche Arbeit macht der Synode natürlich mehr Freude. Da haben wir sehr vieles in Gang gebracht zur Gestaltung des kirchlichen Lebens.

Zum Beispiel…

Christel Hausding: Das Jahr des Gottesdienstes, die Weiterentwicklung der Konfirmandenarbeit, Schulseelsorge, die Unterstützung von Ehrenamtlichen und zuletzt das Thema Inklusion.

In der 14. Synode wurde aber auch ausgesprochen viel gebaut und saniert.

Christel Hausding: Ja, das stimmt. Unsere großen Gebäude waren in die Jahre gekommen. Viele von ihnen waren dringend renovierungsbedürftig. Außerdem ändern sich Vorschriften. Viel Mühe macht uns der Brandschutz. Das ist oft sehr teuer, und hinterher sieht man nichts davon. Aber jetzt sind wir auf einem sehr guten Stand. Die richtig großen Baumaßnahmen sind erledigt.

Welche inhaltlichen Debatten haben die Landeskirche geprägt?

Christel Hausding: Die Tagung über „Arm und Reich“ in Freudenstadt hat Impulse in die Gemeinden hinein gegeben. Für die Kirche insgesamt ist sicherlich die Tagung „Evangelisch in Württemberg“ die wesentlichste gewesen. Unter diesem Titel wird vieles gebündelt, von der Strategischen Planung bis zum Reformationsjubiläum 2017.

Die Zahl der Kirchenmitglieder ist rückläufig. Macht Ihnen das Sorgen?

Christel Hausding: Ja. Immerhin verliert die württembergische Landeskirche jedes Jahr 22.000 Mitglieder. Das entspricht einem kleinen Kirchenbezirk. Die Frage ist, wie können wir Menschen so erreichen, dass sie Glaube und Kirche für ihr Leben als wichtig und wertvoll erachten.

Haben Sie ein Rezept?

Christel Hausding: Nein. Aber die Anglikanische Kirche in England ist von einer ähnlichen Situation des Rückgangs in einen neuen Aufbruch hineingekommen. Sie macht etwa Gottesdienste im Restaurant oder im Kino. Das Prinzip muss heißen: Wenn die Menschen nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen.

Welchen Rat geben Sie der 15. Landessynode, die am 1. Advent gewählt wird, mit auf den Weg?

Christel Hausding: Am Anfang sollte man vorsichtig sein mit Arbeitsaufträgen. Die Synode muss erst einmal in ihre Arbeit hineinfinden. Der Ältestenrat hat einige Empfehlungen an die nächste Synode formuliert. Sie sollte sehr zurückhaltend mit der Bildung von Sonderausschüssen umgehen. Das ist zusätzliche Arbeitsbelastung. Und man muss auch schauen, was die vorige Synode gearbeitet hat. Manches kommt dann wieder zurück. So kümmert sich der Oberkirchenrat jetzt um den Diakonat, dann kommt das Thema wieder in die Synode. Wir geben jedenfalls jetzt den Staffelstab weiter.

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