Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirche zahlt auch für Europa

Fluchtursachen bekämpfen: Dieses Ziel hat die Landessynode erneut betont. Deshalb soll weiter die Hälfte des landeskirchlichen Beitrags für Flüchtlingshilfe in den Herkunftsländern ausgegeben werden. Denn: In der Einen Welt hängt alles mit allem zusammen.

Unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise und der Fremdenfeindlichkeit tagte die Frühjahrssynode der Landeskirche. (Foto: Medienhaus)


Fünf Jahre Bürgerkrieg in Syrien, ausgelöst durch einen damals 15-jährigen Jungen, der Graffiti gegen Präsident Assad an Wände sprühte. Daran erinnerte Kirchenrat Klaus Rieth, als er der Synode berichtete, wohin das Geld für Flüchtlingshilfe fließt. Im Fokus der Hilfen ist dabei ein ganz neuer Bereich: Neben der Arbeit in Deutschland und dem Bemühen in den Herkunftsländern gibt es jetzt als Drittes die Kategorie Europa: Türkei, Griechenland, Spanien, Italien und sogar Österreich. Dort ist die österreichische Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses selbst von Flucht, Vertreibung und Migration geprägt. Denn in ihr haben sich von Anfang an fast nur Flüchtlinge und konfessionell Gestrandete versammelt.

Der österreichische Bischof, Michael Bünker (Wien), erinnerte beim Begegnungsabend daran, dass zum Beispiel die Brüdergemeine in Herrnhut um Nikolaus von Zinzendorf ursprünglich überwiegend aus mährischen Migranten bestanden habe. Angst vor den Flüchtlingen hat Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ist, daher nicht. „Natürlich werden Migranten die Kirchen verändern“, sagte Bünker. Die Migranten aber seien keine Gäste, sondern Geschwister. Das heißt, es gehe nicht um Integration in bestehende Verhältnisse, „sondern die Kirchen werden sich verändern müssen“, ist sich Bünker sicher.

Rund 1,4 Millionen Euro sind inzwischen aus Württemberg schon in die Flüchtlingshilfe außerhalb Deutschlands geflossen. Zusätzlich gingen 550?000 Euro über die Diakonie-Katastrophenhilfe nach Jordanien, um dort in einem Flüchtlingslager Lebensmittelhilfe aufrecht zu erhalten, wie Kirchenrat Rieth berichtete. Aber auch im Irak, im Libanon, in Marokko, Mauretanien, Nigeria und Syrien selbst setzt sich die Landeskirche für die medizinische Versorgung, Schulbildung, Wohnmöglichkeiten oder Starthilfen für Ehepaare ein.

Fluchtursachen beseitigen, diese Forderung ist für Rieth eigentlich nicht neu. Denn es sei das, „was christliche Kirchen seit Jahren und Jahrzehnten tun“, sagte er. Dabei gehe es immer einerseits um Nothilfe für alle, andererseits um gezielte Unterstützung der Christen in den Ländern. Aber auch da unterscheide die Kirche nicht, ob es sich um evangelische, katholische oder orthodoxe Christen handle.

Was im eigenen Land, speziell in Württemberg, geschieht, zeigte Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Württemberg, auf: Je fünf Millionen Euro für die Jahre 2016 und 2017 fließen an Kirchengemeinden sowie Bezirks- und Kreisdiakoniestellen. Neben den vielen Ehrenamtlichen engagieren sich diakonische Träger in den Landeserstaufnahmestellen, in Asylpfarrämtern und Flüchtlingsdiakonaten, in Koordinierungsstellen, Traumazentren, Migrationsberatungen und der Hilfe für unbegleitete Minderjährige. Außerdem werden Ehrenamtliche mit Supervision begleitet.

Der Synodale Martin Allmendinger (Kirche für morgen) berichtete, dass er selbst 250 Ehrenamtliche im Landkreis Esslingen betreut. Er betonte, wie wichtig die Kommunikation zwischen Kirche und Landratsamt sei. Dies bestätigte Walter Keppler (Lebendige Gemeinde) und ergänzte, dass die Hauptlast der Flüchtlingsarbeit von den Kommunen getragen werde.

Diakonie-Chef Dieter Kaufmann kritisiert einen „politischen Aktionismus“ im Umgang mit der Flüchtlingskrise. Das habe zu Verunsicherung geführt und beeinträchtige eine lösungsorientierte Bearbeitung der Aufgaben. Eine restriktive Gesetzgebung in Eilverfahren, eine Verschärfung der Rhetorik und ein wachsender Rechtspopulismus verstärkten die Spaltung der Gesellschaft.

Insgesamt stellt die Landeskirche in diesem und dem kommenden Jahr 13,4 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung. Die Synode hat darüber hinaus beschlossen, zusätzlich 200?000 Euro Soforthilfe an die Griechische Evangelische Kirche zu überweisen. Diese Kirche hat nur 5000 Mitglieder und kümmert sich um die Flüchtlinge in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien. Das Geld soll über das Gustav-Adolf-Werk an die Kirche in Griechenland überwiesen werden. July lobte die Christen in Syriens Nachbarländern: Trotz extremer Notlagen und Unterdrückung hielten zahlreiche Protestanten dort aus.

Tabea Dölker (Lebendige Gemeinde) kritisierte bei allem Lob für den Bischofsbericht aber, dass der Bischof nichts zum Thema Gebet gesagt habe. „Christsein ohne Gebet ist nicht möglich.“ Außerdem forderte sie für ihren Gesprächskreis, eine Infostelle Nahost einzurichten. Harald Kretschmer (Offene Kirche) befürchtet, dass die Solidarität in der Gesellschaft an der Flüchtlingsfrage zu zerbrechen droht.

Eva Glock (Evangelium und Kirche) wies darauf hin, dass die Menschen in Nahost zu den Leidtragenden der Politik des Westens gehören. Martin Allmendinger (Kirche für morgen) forderte mehr Solidarität in der Zusammenarbeit zwischen den Nationen.

Wegen ihrer flüchtlingsfreundlichen Haltung habe die Landeskirche auch Mitglieder verloren, räumte July später bei der Pressekonferenz ein. Trotzdem werde sie sich noch stärker für Flüchtlinge einsetzen. „Eine Kirche, die sich nicht der Not des Nächsten zuwendet, ist nicht mehr Kirche Jesu Christi in der Welt“, betonte er. In seinem Bericht hatte July auch zur Solidarität mit verfolgten Christen aufgerufen. Im Nahen Osten gebe es inzwischen eine „Ökumene des Martyriums“. Die Kirchen dürften diese Schwestern und Brüder nicht alleinlassen. July warb zudem dafür, die kirchlichen Vernetzungen auf dem Kontinent besser zu nutzen und äußerte die Idee, eine europäische Synode einzuberufen. as/nm/pz/epd 



Mehr zur Synode im Internet: www.elk-wue.de

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