Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirchenkassen sind gut gefüllt

Der Finanzchef der Landeskirche, Martin Kastrup, kann seit vier Jahren immer im November nur Gutes verkünden: Die Kirchensteuereinnahmen steigen – obwohl die Zahl der Mitglieder abnimmt. Auf 645 Millionen Euro werden sich die Steuereinnahmen in diesem Jahr belaufen. 


(Foto: Gottfried Stoppel, l-vista/pixelio)


Von den Mehreinnahmen sollen auch die Kirchengemeinden profitieren. Sie bekommen dauerhaft drei Prozent mehr als im Vorjahr und eine einmalige Sonderzahlung in Höhe von 20 Millionen Euro. Damit sollen sich die Gemeinden individuell weiterentwickeln können, sagte Kastrup. Doch die Gemeinden wollen nicht jedes Jahr auf eine Sonderzahlung hoffen, sondern verlässlich planen können. Deshalb stellte die Offene Kirche den Antrag, den Verteilbetrag von drei auf vier Prozent zu erhöhen. Der Antrag wurde von der Landessynode abgelehnt.

Weil die Zahl der Kirchenmitglieder rückläufig ist, warnte Michael Fritz (Lebendige Gemeinde), Vorsitzender des Finanzausschusses, vor zusätzlichen Dauerfinanzierungen. Er mahnte in seinem Bericht vereinfachte Strukturen an. „Es kann nicht sein, dass die Anschaffung eines Stuhls auf 14 Kostenstellen umgelegt wird.“ Das Kollegium des Oberkirchenrates solle mittelfristig dafür Vorschläge erarbeiten.

Die Landeskirche stehe zwar im EKD-Vergleich gut da, sagte Tobias Geiger (Lebendige Gemeinde). Aber die Kirche wolle ja auch Menschen dafür gewinnen, sich in den Gemeinden und in der diakonischen Arbeit zu engagieren. Deshalb wünsche sich der Gesprächskreis Lebendige Gemeinde mehr Impulse aus dem EKD-Papier „Kirche der Freiheit“.

Elke Dangelmaier-Vincon (Offene Kirche) beklagte, dass für das Reformationsjubiläum zwar Geld eingeplant wurde, doch 90 Prozent der Mittel schon ausgegeben waren, bevor die Reformationsbeauftragte ihre Stelle angetreten hatte.

Die Kirchenkassen sind zwar gut gefüllt, aber man muss auch wieder mit sinkenden Einnahmen rechnen. Deshalb forderte Harry Jungbauer (Evangelium und Kirche), dass sich die Landeskirche finanzielle Spielräume erschließen müsse, die nicht nur Projekte, sondern auch dauerhaftes neues Engagement erlaube. Evangelium und Kirche sind auch der Ausbau der Schulseelsorge und die Auseinandersetzung mit radikalen Tendenzen im Islam wichtig.

Die Kirchenbindung der Mitglieder sei labiler als man denke, befürchtet Matthias Böhler (Kirche für morgen). „Deshalb müssen für uns Initiativen im Bereich der Mitgliederbindung und vor allem auch das Erreichen neuer Menschen oberste Priorität haben.“ Dazu gehört für die Kirche für morgen auch die Einbindung neuer Gemeindeformen und Aufbrüche wie etwa dem Jesus-Treff in Stuttgart.

Größere Ausgaben sind nach Angaben von Martin Kastrup in den nächsten Jahren für den Aufbau des Bachelorstudiengangs „Pflegewissenschaft“ an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und für die Sanierung der Tübinger Hochschule für Kirchenmusik zu erwarten.

Angelika Klingel (Offene Kirche) stellte den Antrag, angesichts der Krisenherde auf der ganzen Welt die Friedensarbeit in den Schulen zu stärken und dafür eine Stelle im Pädagogisch-theologischen Zentrum der Landeskirche zu schaffen. Friedenserziehung beginne im Kleinen und gehöre zum Bildungsauftrag an den Schulen. Dieser Antrag wird jetzt im Bildungsausschuss weiter diskutiert.

Auf lange Sicht werden der Kirche die Austritte zu schaffen machen. In jedem Jahr treten um die 12.000 Frauen und Männer aus der Landeskirche aus. 2014 werden es deutlich mehr sein: Martin Kastrup schätzt die Zahl auf fast 20.000. Die ungewöhnlich hohe Austrittszahl hängt mit einem neuen Steuerverfahren zusammen. Die Kirchensteuer, die etwa auf Zinsen von Sparbüchern und Dividenden von Aktien entfällt, war schon bisher zu bezahlen – im Rahmen der Steuer-Erklärung oder über die Bank. Ab Januar 2015 führen die Banken diese Steuer generell direkt an das Finanzamt ab.

Weil viele glaubten, es handle sich dabei um eine neue (Kirchen-)Steuer, traten sie aus der Kirche aus. Kastrup räumte ein, bei der Einführung eines automatischen Einzugs der Kirchensteuer auf Kapitalerträge durch die Banken habe es Kommunikationsprobleme gegeben. Ob sich das neue Verfahren 2015 erneut auf die Zahl der Austritte auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Information
Zu den großen Investitionen der Landeskirche in der nächsten Zeit gehören:
die Sanierung der Evangelischen Fachschule in Herbrechtingen (6,5 Millionen Euro), Zuschüsse für den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 2015 (6 Millionen Euro, die in den Jahren 2012 bis 2015 finanziert wurden und werden) und ein zusätzliches Unterstützungspaket für die Flüchtlingshilfe (2,15 Millionen Euro).

Abschied von der Kirchensteuer
Martin Karl, Detlef Bald (Hrsg.)
Vlg. Publik Forum
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