Christliche Themen für jede Altersgruppe

Stammheims Goldmädle

Anja Wicker ist Schirmherrin der Bettenkampagne des Kirchentags

Dieses Rennen wird Anja Wicker nie vergessen: So viel jubelndes Publikum hatte sie bis dahin noch nie und weit vor dem Ziel weiß sie: Das wird die Goldmedaille. Der erste Platz im Biathlon über zehn Kilometer bei den „Paralympics“ 2014 in Sotschi, den Olympischen Spielen für Menschen mit Behinderung.

Gut zehn Monate nach ihrem Erfolg sitzt Anja Wicker im Haus ihrer Eltern in Stuttgart-Stammheim. Wenn sie von ihrem Goldrennen redet, spürt man, dass sie das alles immer noch nicht komplett realisiert hat. Neben dem Sofa liegt ihr Gewehr, mit dem sie trainiert und Wettkämpfe austrägt. Die Biathletin ist von Geburt an durch eine Fehlbildung der Wirbelsäule behindert und immer auf einen Rollstuhl angewiesen. Ihre Beine kann sie weder spüren noch bewegen. Laufen wird sie nie können. Wenn sie aber auf ihren Skirollern oder ihrem speziell angefertigten Schlitten sitzt, hängt sie die meisten Menschen locker ab.

Anja Wicker ist eine echte Stuttgarterin. Sie lebt seit Jahren in Stammheim, ist dort zur Schule gegangen – immer auf Regelschulen – und hält auch in schweren Zeiten dem VfB die Treue. Nur zum Studium ist sie nach einem Semester in Stuttgart nach Tübingen gewechselt, um dort Sportmanagement zu studieren. Dort kann sie sich als Spitzensportlerin leichter freistellen lassen. Nach Tübingen fährt sie selbstständig mit dem Auto.

In Stammheim sind sie spätestens seit Sotschi stolz auf ihre Anja. Allen voran ihre Eltern, die sich um ihr Training kümmern. Aber auch der ältere Herr, der ihr seit Jahren seine verlassene Scheune für Schießübungen zur Verfügung stellt, und nicht schlecht staunte, als an dieser Scheune auf einmal Fernsehteams auftauchten. Und wenn Anja Wicker mit ihren Skirollern, die sie im Sommer zum Training nutzt, an den Feldern vorbeifährt, lässt schon mal ein Traktorfahrer die Scheibe runter und ruft: „Do isch ja unser Goldmädle!“

Auf den Rummel in den Monaten nach Sotschi war Anja Wicker kein bisschen vorbereitet. „Ein Glück, dass da eh die Saison vorbei war, ich hätte gar nicht mehr trainieren können“, sagt sie. Zahlreiche Ehrungen und Einladungen folgten aufeinander. So war sie als Gast auf der „Sportler des Jahres“-Gala in Baden-Baden. Besonders gefallen hat ihr dort die anschließende Party – da konnte sie nämlich in ihren 23. Geburtstag hineinfeiern. Und saß auf einmal an einem Tisch mit Joachim Löw und anderen Sportgrößen. Um Mitternacht organisierte der Turner Fabian Hambüchen ein Geburtstagsständchen für sie. „Das war mein bester Geburtstag bisher“, erzählt sie.

Anja Wicker kommt viel herum. „Das ist das Schöne am Sport“, sagt sie. Gerade packt sie für die Weltmeisterschaft in den USA in der letzten Januarwoche. Im Behindertensport, sagt sie, herrscht oft eine familiäre Atmosphäre. Seit Jahren teilt sich Anja Wicker bei Wettkämpfen ihr Zimmer mit einer blinden Athletin, ihrer besten Freundin. Die beiden ergänzen sich gut: „Ich hab die Augen, sie hat die Größe“, sagt Anja Wicker. Beim Buffet lädt Anja ihrer Freundin den Teller voll. Wenn sie irgendwo mit ihrer kleinen Körpergröße nicht hinkommt, lenkt sie die Hand ihrer Freundin. „Das ist vorbildliche Teamarbeit.“

Die Reisen um die ganze Welt haben Anja Wicker ein Gefühl dafür gegeben, wie wichtig Gastfreundschaft ist. Deshalb freut sie sich, dass sie als Schirmherrin der Privatquartierkampagne des Kirchentags Menschen zusammenbringen kann. „Ich finde es toll, wenn Leute miteinander Kontakte knüpfen und sich kennenlernen“, sagt sie. Den Kirchentag wird sie auch besuchen. „Der ist ja zum Glück im Sommer, da habe ich eher Zeit“, sagt sie schmunzelnd.

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