Christliche Themen für jede Altersgruppe

Übergriffe gegen Christen eher selten

Die Frage wird immer wieder gestellt: Werden christliche Flüchtlinge in den Unterkünften drangsaliert oder belästigt? Die Diakonie Württemberg wollte dies jetzt genauer wissen. 



Eine typische Flüchtlingsunterkunft. Ohne Privatsphäre können sich Konflikte schnell aufschaukeln. (Foto:epd-Bild)


„Wir wollten ein Signal setzen, dass wir die Probleme ernst nehmen und Modelle entwickeln“, sagte Diakoniechef Oberkirchenrat Dieter Kaufmann vor der Landessynode. Daher initiierte die Diakonie eine interne Umfrage bei Mitarbeitern von Flüchtlingseinrichtungen, die allerdings nicht repräsentativ sei, wie Kaufmann betonte. Grundtendenz der Umfrage: Es gibt keine systematischen Übergriffe auf Christen in Flüchtlingsunterkünften, aber Einzelfälle, in denen Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit bedrängt wurden. Ursache der Probleme seien hauptsächlich die allgemeinen Bedingungen in den Unterkünften wie fehlende Privatsphäre, psychische Belastungen und zu wenig Personal. Die Mehrheit der Vorfälle sei als Alltagskonflikt zu werten.

Aus knapp 70 Unterkünften, darunter drei Landeserstaufnahmestellen, erhielt die Diakonie bisher Rückmeldungen. Aus 31 Unterkünften wurde rückgemeldet, dass die Mitarbeiter keine Konflikte mit religiösem Hintergrund feststellten. Andere berichteten von einzelnen Vorfällen, etwa dem Streit um die „richtige Art zu leben“ bei Kleidung, Ernährung oder dem Verhalten von Frauen.

Kaufmann kündigte an, dass die Diakonie prüfe, ein Vertrauenstelefon für Flüchtlinge in Unterkünften einzurichten. Er forderte außerdem von der Politik grundsätzlich tragfähige Schutzkonzepte für alle Minderheiten in Flüchtlingsunterkünften und eine entsprechend sensible Ausrichtung der Belegung. Flüchtlinge, die sich christlich taufen lassen wollten, brauchten eine seelsorgerliche Begleitung in Kirchengemeinden, die auch ihre Lebenssituation in den Unterkünften berücksichtige. Er regte an, Feste der Religionen zu feiern als niedrigschwellige Möglichkeiten der gegenseitigen Einladung und des Kennenlernens.

Die Synodale Marina Walz-Hildenbrand (Offene Kirche) schlussfolgerte daraus, dass es nicht sachdienlich sei, Christen separat unterzubringen. Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl (Evangelium und Kirche) erzählte, dass in Ulmer Einrichtungen Muslime sich taufen ließen und hinterher keine Übergriffe stattgefunden hätten. Auch Jutta Henrich (Offene Kirche) konnte aus Biberacher Einrichtungen nichts Negatives melden. Sie regte daher an, persönliche Kontakte zu nutzen, um sich über die Situation in Flüchtlingsheimen jenseits der Medienberichtserstattung zu informieren.

Nicht teilen konnte Tobias Geiger (Lebendige Gemeinde) die positiven Berichte. Er habe von Übergriffen auf Christen erfahren. Und auch wenn dies Einzelfälle seien, „möchte ich sie so nicht hinnehmen“, sagte er. Er warnte davor, die Fälle nur auf die äußeren Umstände zurückzuführen und forderte ein deutliches Signal, dass die Kirche an der Seite dieser Menschen stehe. Landesbischof Frank Otfried July hatte im Vorfeld in einem Zeitungsinterview betont, dass die Landeskirche und ihre Diakonie jedem bekannt werdenden Fall von religiös motivierten Übergriffen gegen christliche Flüchtlinge nachgehe. Es sei wichtig, Flüchtlingen zu vermitteln, dass religiöse Freiheit ein hohes Gut sei.

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